Von Genen und Menschen

Lange Nacht der Wissenschaften am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Große Erwartungen knüpfen sich an die Ergebnisse der Genomforschung – von der Aufklärung aller Erkrankungen bis zur individualisierten Therapie für jedermann. Was ist wirklich möglich und wo sind die Grenzen der Wissenschaft? Dies ist Thema des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin-Dahlem bei der Langen Nacht der Wissenschaften, die am 15. Juni 2002 in mehr als 70 wissenschaftlichen Einrichtungen in Berlin und Potsdam stattfindet. In der Zeit von 17:00 bis 1:00 Uhr öffnen die Mitarbeiter verschiedener Arbeitsgruppen ihre Labore und laden die Besucher ein, sich vor Ort über unterschiedliche Aspekte der Genomforschung zu informieren.

Einer von ihnen ist Dr. Andreas Tzschach, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Molekulare Humangenetik (Leiter: Prof. Dr. Hans-Hilger Ropers). Ropers und seine Mitarbeiter beschäftigen sich mit den Ursachen geistiger Behinderung – ein Problem, welches in unterschiedlichem Schweregrad bei 2,5 % aller neugeborenen Kinder auftritt. Die Ursachen sind in vielen Fällen unbekannt, bei der Mehrzahl der schweren Fälle geht man jedoch von genetisch bedingten Ursachen aus. Ein Großteil der beteiligten Gene wird auf dem X-Chromosom vermutet, einem der beiden Geschlechtschromosomen des Menschen. Von den mehr als 2.000 Genen, die sich nach heutigem Wissensstand auf dem X-Chromosom befinden, werden über 60 von den Wissenschaftlern als relevant bei der Entstehung geistiger Behinderungen angesehen. Um sie zu finden, untersuchen Ropers und seine Kollegen Familien mit mehreren erkrankten Mitgliedern. Aus dem Vergleich des genetischen Materials betroffener und gesunder Angehöriger können die für die Erkrankung verantwortlichen Gene zunächst auf dem Chromosom lokalisiert und schließlich genau charakterisiert werden – der erste Schritt zur eindeutigen Diagnose und Prävention dieser Krankheit.

Grundlegend für die Erforschung der genetischen Ursachen einzelner Krankheiten sind genaue Kenntnisse der beteiligten Gene sowie ihres Zusammenspiels im Organismus. Die Anzahl der Gene und ihrer Produkte, der Proteine, bewegt sich im Bereich mehrerer Zehntausend. Um diese systematisch aufzuklären und in ihrer Gesamtheit zu verstehen, werden neue, auf hohen Durchsatz ausgerichtete Technologien benötigt. Dr. Wilfried Nietfeld aus der Abteilung Analyse des Vertebratengenoms (Leiter: Prof. Dr. Hans Lehrach) beschäftigt sich seit langem mit der Entwicklung solcher Technologien. Zusammen mit seinen Mitarbeitern stellt er den Besuchern der Langen Nacht die Roboter und Automatisierungstechniken vor, die in den letzten Jahren am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik entwickelt wurden.

Weitere Programmpunkte der Langen Nacht am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik:

Edda Klipp
Mathematische Modelle zur Beschreibung der Genexpression

Axel Kowald
Biologie des Alterns

Rainer Spang
Gutartig oder bösartig – die Diagnose aus dem Rechner

Sigmar Stricker
Humane Erbkrankheiten im Tiermodell – vom Mensch zur Maus und zurück

Axel Bethke
Genmanipulation im Fadenwurm C. elegans zur Erforschung von Alterungsprozessen

Martin-Vingron
Bio-Internet-Café

Karl-Georg Lintermann
Knochenentwicklung: Gene und Signalwege

Rudi Lurz
Mikroskopische Vorführung von Makromolekülen

Heinz Himmelbauer
Die Maus in der Genomforschung

Jörg Wadzack
Auf der Spur der Erbsubstanz: Deutsches Humangenomprojekt

Richard Reinhardt
Vorführung der Sequenzierroboter

Alberto Musa
Untersuchung der embryonalen Entwicklung am Beispiel Zebrabärbling

Steffi Weiss
Genetics – Skulpturen und Zeichnungen von Gaby Schulze

Informationen zur Langen Nacht der Wissenschaften am MPI für molekulare Genetik

Dr. Patricia Béziat
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik
Ihnestr. 63 – 73
14195 Berlin
Tel.:030-8413 1716
Fax: 030-8413 1671
Email: beziat@molgen.mpg.de

Ansprechpartner für Medien

Dr. Patricia Beziat idw

Weitere Informationen:

http://www.molgen.mpg.de

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