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Bauende Biber, beruhigte Bauern: Landwirtschaft und Artenschutz vereinen

31.08.2011
Bibermanagement-Pilotprojekt in der Leineaue bei Hannover – DBU stiftet rund 125.000 Euro

Langsam erobert der Biber einige seiner früheren Lebensräume in Deutschland zurück. Doch seine Rückkehr verläuft nicht immer reibungslos: Oft gibt es Konflikte, wenn Biberdämme Agrarflächen unter Wasser setzen.


Der Biber ist in die Leineaue bei Hannover zurückgekehrt. Der NABU Laatzen will daher ein integratives Konzept zum Biber- und Auenschutz entwickeln, das auch landwirtschaftliche Belange gleichermaßen berücksichtigt. (Symbolfoto)
© Lorenz, Wolfgang/piclease

Selbst für den Naturschutz können Probleme entstehen: Mitunter überschwemmt der Biber Flächen, die als Trockenlebensräume geschützt sind. In den letzten Jahren konnte der Biber auch im Leinetal zwischen Hildesheim und Hannover nachgewiesen werden, wo er sich inzwischen auch vermehrt. Deshalb stellte heute die Gruppe Laatzen des Naturschutzbundes (NABU) ein neues Projekt zum Bibermanagement vor:

„Wir wollen ein integratives Konzept zum Biber- und Auenschutz entwickeln, das auch landwirtschaftliche Belange gleichermaßen berücksichtigt“, erklärte Dr. Eick von Ruschkowski, Vorsitzender des NABU Laatzen, bei der Auftaktveranstaltung. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Modellprojekt mit rund 125.000 Euro.

Angetan zeigte sich auch Dr. Matthias Miersch, DBU-Kuratoriumsmitglied und Mitglied im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages, der ebenfalls bei der Veranstaltung sprach: „In landwirtschaftlich genutzten Auen müssen Naturschutz und Bewirtschaftung zusammengebracht werden. Der NABU startet hier heute ein zukunftsweisendes Projekt, das den Flächenkonflikt in geschickter Weise aufgreift und nach fairen Kompromissen sucht. Wenn anschließend auch andere Regionen von den Erfahrungen aus der Leineaue profitieren können, ist das natürlich besonders schön“, sagte der Laatzener.

„Zuerst wollen wir auf lokaler und regionaler Ebene in der Leineaue die Biber erfassen und dann an alle Betroffenen an einen Tisch bringen“, erläuterte Ruschkowski. Dabei werde auch Ängsten und Vorbehalten von Landwirten offen begegnet, was die Rückkehr des Bibers angehe. Man wolle zu tragfähigen und guten Kompromissen kommen. Das Projekt habe zwei Schwerpunkte: erstens sollten im Auengebiet zum Beispiel Überschwemmungsflächen bereitgestellt, breite Uferrandstreifen angelegt und bibertypische Gehölze im Uferbereich angepflanzt werden.

Im zweiten Projektschwerpunkt sollten dann ehrenamtliche „Biberberater“ geschult werden. Niedersachsenweit würden in sieben Kursen zunächst rund 100 Personen dafür fortgebildet. „Die Ausbildungsinhalte berücksichtigen insbesondere das komplexe Wechselspiel zwischen dem Lebensraum Flussaue und den angrenzenden landwirtschaftlichen Gebieten“, versprach Ruschkowski. Aber auch die Bevölkerung vor Ort wolle man nicht vergessen: Umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildungsmaßnahmen seien vorgesehen, um das Interesse für die faszinierenden Tiere zu wecken.

Das Vorhaben werde mit örtlichen Akteuren wie Landwirtschaftsvertretern, Grundeigentümern, Gewässerunterhaltungsverbänden sowie Jagd- und Fischereivertretern umgesetzt, erläuterte Ruschkowski. Auch der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz werde eng eingebunden. Nach dem auf zweieinhalb Jahre angelegten Projekt solle dann ein modellhaftes Konzept zum Bibermanagement vorliegen, das auch auf andere Gebiete übertragbar sein solle. Zum Projektabschluss werde zudem eine bundesweite Internetplattform eingerichtet, über die sich alle im Auen- und Naturschutz sowie im Bibermanagement beteiligten Akteure vernetzen könnten. Auf der Plattform würden auch besonders erfolgreiche Natur- und Biberschutzmaßnahmen vorgestellt und erste Anlaufadressen für “Biberbetroffene“ aufgelistet.

Volker Wachendörfer, DBU-Naturschutzreferent, zeigte sich in seinem Grußwort hoffnungsvoll: „Direkt mit den Betroffenen zusammenzuarbeiten und gemeinsam Lösungen zu finden, noch bevor große Konflikte entstehen, ist zentral und der absolut richtige Weg. Auf die Projektergebnisse sind wir schon sehr gespannt.“

Franz-Georg Elpers | DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

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