Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Baikalsee vom Klimawandel bedroht

04.05.2009
Kürzere Eisperiode vernichtet die Nahrungskette des weltgrößten Sees

Die ansteigenden Temperaturen bescheren dem Baikalsee eine kürzere Eisperiode und bringen somit sein Ökosystem in Gefahr. Davor warnen Forscher vom Wellesley College in Massachusetts und der russischen Irkutsk-Universität im Fachmagazin BioScience. Das Klima am Baikalsees wurde in den letzten Jahrzehnten spürbar milder, was die Dauer der Eisbedeckung reduziert. Zudem stiegen auch die Niederschläge an. Das habe bereits bisher zu starken Veränderungen der Nahrungskette geführt, die langfristig die reiche Naturvielfalt des Sees zugrunde richten könnten, so die Ökologen.

Am meisten Besorgnis äußern die Forscher über den Rückgang der Kieselalgen im See, die eine wichtige Grundlage der gesamten Nahrungskette darstellt. Im Unterschied zu anderen Kieselalgen blüht die endemische Baikal-Kieselalge im Frühling bereits unter der Eisdecke, weshalb die immer kürzere Gefrierperiode des Sees zu starken Einschränkungen in Wachstum und Vermehrung der Pflanze führt. Von der Alge ernähren sich Kleinkrebse, die wiederum die Hauptmahlzeit der gesamten Fischwelt des Sees darstellen. Der Bestand der Kleinkrebse ist zusätzlich von Veränderungen der Durchsichtigkeit der Eisdecke bedroht, was die Forscher auf die Zunahme der Regenfälle und auf Änderungen der Windrichtung zurückführen.

An der kürzeren Eisperiode leidet auch die Baikalrobbe, die weltweit einzige Süßwasser-Robbe, die an der Spitze der Nahrungskette des Baikalsees steht. Da sich diese Tiere auf dem Eis paaren und dort auch ihre Jungen zur Welt bringen, zwingt sie die frühe Schmelze schon weitaus früher ins Wasser, was ihre Fruchtbarkeit drastisch verringert.

Der in Sibirien gelegene Baikalsee ist von seinem Volumen her der größte, tiefste und auch älteste See der Erde. 1996 erklärte die UNESCO den See, der ein Fünftel der weltweiten Süßwasserreserven enthält, zum Weltkulturerbe, da auch sein Reichtum an Tier- und Pflanzenarten alle anderen Seen übertrifft. Das Ökosystem des Sees ist außer durch die kürzere Eisbedeckung und mehr Niederschläge auch durch indirekte Klimaschäden bedroht, etwa durch höhere Nährstoffversorgung und industrielle Verschmutzung durch den schmelzenden Permafrost. Um die ökologische Zerstörung in Grenzen zu halten, seien Unterstützungen und Aktionspläne seitens der internationalen Staatengemeinschaft unbedingt erforderlich, betonen die Forscher.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.wellesley.edu
http://olddesign.isu.ru

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Antarktisches Meereis: mehr Schutz als Vorratskammer für Krilllarven
22.11.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften