Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zusammenfassende Studie bietet abgesicherte Erkenntnisse für effizientes Krankenhausmanagement

20.05.2010
Klinische Pfade im Krankenhaus sichern die Behandlungsqualität und sind effektiv

Eine vom Lehrstuhl Public Health (Univ.-Prof. Dr. Joachim Kugler) der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus in Zusammenarbeit mit der Monash University in Melbourne, Australien und der Erasmusuniversität Rotterdam durchgeführte Studie weist erstmals empirisch nach, dass klinische Pfade (clinical pathways) tatsächlich die Behandlungsqualität sichern, die Verweildauer verkürzen und Kosten reduzieren können.

Die Wissenschaftler wollten wissen, wie effektiv standardisierte Abläufe in der Therapie und Pflege von stationär behandelten Patienten sind. Die Grundlage für die jetzt vorliegenden Zahlen bildet die Analyse von 3.214 Studien aus aller Welt, die sich mit den Effekten klinischer Behandlungspfade beschäftigten. Damit legen die Forscher die weltweit erste Cochrane Übersichtsarbeit und Meta-Studie zu diesem Thema vor.

Bislang wurde die Wirksamkeit standardisierter Behandlungen weltweit sehr kontrovers diskutiert. Andererseits nutzen vor allem in den USA bereits heute rund 80 Prozent der Krankenhäuser klinische Behandlungspfade. Auch in Deutschland etablieren zunehmend mehr Krankenhäuser dieses Managementinstrument, um die Behandlungsqualität zu sichern und wirtschaftlicher arbeiten zu können. Das internationale Forscherteam wies nun nach, dass Klinische Pfade mit einer deutlich niedrigeren Komplikationsrate im Krankenhaus (Wundinfektionen, Blutungen und Pneumonie) und einer besseren Dokumentation assoziiert sind. Dies lässt sich anhand der statistischen Zusammenfassung auch gut beziffern. So kommt es bereits bei 17 mit Hilfe dieser Pfadstrategie behandelten Patienten zu einem unerwünschten Ereignis (Komplikation) weniger. Nach standardisierten Abläufen behandelte Patienten konnten das Krankenhaus auch häufig früher verlassen als diejenigen, die nicht nach einem solchen System betreut wurden.

Der durch die Pfade effizientere Betrieb kann für die Krankenhäuser auch einen finanziellen Effekt haben. Die Patienten, die nach einem Behandlungspfad therapiert werden, kosten das Krankenhaus pro Fall je nach Ausgangssituation mehrere hundert bis mehrere tausend US-Dollar weniger: „Mit den vorliegenden Analyseergebnissen können wir die Wirksamkeit klinischer Behandlungspfade in Krankenhäusern nachweisen“, sagt Dr. Thomas Rotter, der vor kurzem als Projektleiter über das Thema erfolgreich an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus promoviert hat. „Uns ist damit ein wegweisender Schritt hin zu einem effizienten Krankenhausmanagement gelungen.“ Das systematische Review untersuchte nicht nur die ökonomischen Effekte der standardisierten Behandlung, sondern vor allem Studienendpunkte wie die Behandlungsqualität, Wiedereinweisung ins Krankenhaus und die Sterblichkeit.

Für die Studie schloss sich im Jahr 2006 ein internationales Forscherteam zusammen. Beteiligt sind Wissenschaftler des Lehrstuhls Public Health der TU Dresden, der Erasmusuniversität Rotterdam sowie der Monash University aus dem australischen Melbourne. Unterstützung erhalten die Wissenschaftler von der Cochrane Collaboration, einem weltumspannenden Netzwerk, das sich mit evidenzbasierter Medizin beschäftigt. Die Ergebnisse der Meta-Studie zu den Behandlungspfaden wurden jetzt in der Cochrane Library veröffentlicht und auf internationalen Konferenzen in Belgien und Großbritannien vorgestellt. Im Mittelpunkt des zweiten Projektteils stehen nun das Schließen von Forschungslücken und die Arbeit an einem neuen Cochrane Projekt über Klinische Pfade im ambulanten Sektor.

Die komplette Studie ist einsehbar unter: http://www.mrw.interscience.wiley.com/cochrane/clsysrev/articles/

CD006632/frame.html

Das Internationale Pfadprojekt wurde u.a. von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und durch ein personenbezogenes Austauschprogramm zwischen dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der Group of Eight (Go8) Universitäten in Australien gefördert (www.daad.de/ppp).

Kontakt:
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Gesundheitswissenschaften/Public Health Dresden
Dr. rer. medic. Thomas Rotter (Dipl. Kfm., MPH)
E-Mail: thomas.rotter@health-con.de

Konrad Kästner | idw
Weitere Informationen:
http://www.gesundheitswissenschaften-dresden.de/
http://www.daad.de/ppp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise