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Wohlstandsverluste durch zu wenig Unternehmensgründungen von Migranten in Schlüsselbranchen

16.05.2011
Zuwanderer in Deutschland gründen deutlich seltener Unternehmen in wichtigen Schlüsselsektoren wie Maschinenbau, Chemie oder Softwareerstellung als Deutsche. Das in Deutschland vorhandene Wachstumspotenzial bei diesen sogenannten wissensintensiven Gründungen wird daher nicht voll ausgeschöpft.

Gesamtgesellschaftliche Wohlstandsverluste sind die Folge. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Die Studie vergleicht Unternehmensgründungen in wissensintensiven Sektoren von deutschen Unternehmern und Unternehmern mit Migrationshintergrund. Als Menschen mit Migrationshintergrund gelten der Studie zufolge Bürger, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und die selbst oder deren Eltern nach Deutschland eingewandert sind.

Die Studie untersucht die Gruppe der ehemaligen "Gastarbeiter" und deren Nachkommen, die aus Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, Portugal und dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland kamen. Mit rund sieben Prozent an der Gesamtbevölkerung stellen sie heute hierzulande die größte Zuwanderergruppe.

Die Studie zeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund eine weniger als halb so hohe Wahrscheinlichkeit haben, ein Unternehmen in einer wissensbasierten Branche zu gründen wie Deutsche. Unternehmen, die von Gründern mit Migrationshintergrund geführt werden, haben bei ihrer Gründung weniger Beschäftigte als Unternehmen deutscher Gründer. Unternehmer mit Migrationshintergrund sind zum Zeitpunkt ihrer Firmengründung in einer wissensintensiven Branche jünger und die Unternehmen weisen eine kürzere Überlebensdauer auf. In Bezug auf Patentanmeldungen, einem Indikator für die Innovationskraft der Gründung, unterscheiden sich die beiden Gruppen allerdings nicht, wenn ausschließlich Unternehmen mit jeweils gleicher Größe verglichen werden.

Die Ergebnisse der Studie machen darüber hinaus deutlich, dass sich die Zusammenarbeit von Unternehmensgründern mit und ohne Migrationshintergrund auszahlt. So haben Unternehmen im gemeinsamen Besitz von Eigentümern mit und ohne Migrationshintergrund im Schnitt mindestens so viele Beschäftigte wie Unternehmen ausschließlich deutscher Gründer. Auch weisen im verarbeitenden Gewerbe beide Unternehmensgruppen eine vergleichbare Überlebenswahrscheinlichkeit auf.

"Die geringere Beteiligung von Personen mit Migrationshintergrund in wissensintensiven Branchen geht vermutlich auf Bildungsunterschiede zwischen Zuwanderern und Deutschen zurück", sagt Elisabeth Müller, für die Studie verantwortliche Wissenschaftlerin und Professorin an der Frankfurt School of Finance & Management. "Damit Deutschland sein volles Innovationspotenzial nutzen kann, ist es wichtig, dass mehr Unternehmer mit Migrationshintergrund in wissensintensiven Branchen gründen. Die wichtigste Folgerung der Politik aus den Ergebnissen unserer Studie müsste daher sein, deutlich mehr als bisher dafür zu tun, um das Bildungsniveau der Immigranten in der zweiten und dritten Generation zu erhöhen."

Die Studie basiert auf Informationen von 4.418 Gründungen von Unternehmern mit Migrationshintergrund, 2.127 Gründungen von Teams aus einheimischen Gründern und Gründern mit Migrationshintergrund sowie 133.384 Gründungen von deutschen Unternehmern.

Für Rückfragen zum Inhalt:
Prof. Dr. Elisabeth Müller, Tel. 069 154 008 790, Email: e.mueller@fs.de

Gunter Grittmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de/publikation6211

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