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Wirksamkeit der Psychotherapie chronischer Depression und ihre neurobiologischen Wirkmechanismen

28.08.2012
Deutsche Multicenter-Studien erforschen die Wirksamkeit der Psychotherapie chronischer Depression und ihre neurobiologischen Wirkmechanismen. Ergebnisse sollen der evidenzbasierten, individualisierten Diagnostik und Therapieplanung in der Behandlung an der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg dienen.

Mit welchen Behandlungsmethoden kann der chronische Verlauf von Depressionen verhindert oder erfolgreich behandelt werden? Wie wirkt Psychotherapie im menschlichen Gehirn? Lässt sich aufgrund von Funktionszuständen des menschlichen Gehirns die Auswahl der geeigneten Therapiemethoden verbessern?

Die Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg untersucht im Rahmen wissenschaftlicher multizentrischer Studien die Wirksamkeit des kognitiv behavioralen Analysesystems der Psychotherapie, „Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy“ (kurz CBASP), einer Therapiemethode, die der renommierte Psychotherapeut und Forscher James McCullough, Professor für Psychologie und Psychiatrie an der Virginia Commonwealth University, USA, entwickelt hat. Gleichzeitig sollen in enger Diskussion mit McCullough die neurofunktionellen Wirkmechanismen der Behandlung beschrieben werden.

„Noch vor einigen Jahren galt eine chronische Depression therapeutisch als schwer zu beeinflussen“, erklärt Professor Dr. Sabine Herpertz, Ärztliche Direktorin der Klinik. „Mit der Psychotherapie nach McCullough erzielen wir in der Praxis gute Erfolge. Wichtig sind jedoch umfassende wissenschaftliche Untersuchungen der Methode, deren Erkenntnisse in unsere evidenzbasierte Patientenversorgung einfließen“. In mehr als 70 Prozent der Fälle beginnt die chronische Depression bereits vor dem 21. Lebensjahr, verläuft häufig lebenslang und steht in der Regel im Zusammenhang mit frühen ausgeprägten Belastungen in der Kindheit. „Chronische Depressionen führen unter anderem zu ausgeprägter psychosozialer und beruflicher Beeinträchtigung“, sagt Professor Herpertz. „Eine erfolgreiche Therapie bedeutet für diese Patienten, am normalen Leben teilhaben zu können“.

Entwicklung sozialer Funktionen bereits in der Kindheit gestört

CBASP ist das einzige psychotherapeutische Modell, das speziell für die Behandlung der chronischen Depression entwickelt wurde. Die Theorie der Methode beruht auf der Annahme, dass bei den meisten Betroffenen die Entwicklung sozialer Funktionen bereits in der Kindheit – z.B. durch emotionale Vernachlässigung - gestört wurde und speziell die Entwicklung der Fähigkeit, sich emotional in andere Menschen hinein zu versetzen gehemmt wurde. Auf dieser Basis wird in der CBASP-Therapie speziell die Fähigkeit erlernt, mit anderen Menschen unvoreingenommen und ohne gedankliche Beeinflussung durch traumatische zwischenmenschliche Vorprägungen in Beziehung treten zu können.

McCullough überprüfte die Wirksamkeit des Verfahrens zunächst mit Hilfe von Einzelfallreihen und publizierte erste Erfolg versprechende Resultate schon 1980, inzwischen wurde die Wirkung des CBASP in großen randomisierten Studien in den USA überprüft.

Die Heidelberger Klinik für Allgemeine Psychiatrie nimmt gegenwärtig an einer Multicenterstudie teil, die die Wirksamkeit von CBASP in der ambulanten Behandlung bei chronisch depressiven Patienten mit einem Beginn vor dem 21. Lebensjahr überprüft. Das Universitätsklinikum Freiburg koordiniert diese Studie (nähere Informationen: http://www.cbasp-multizenterstudie.de/home.php).

Wie wirkt sich Therapie auf Hirnfunktionen aus?

Die Frage, wie sich CBASP auf die Hirnfunktionen chronisch depressiver Patienten auswirkt ist Fokus einer weiteren deutschen Multicenter-Studie, koordiniert vom Universitätsklinikum Heidelberg unter Leitung von Privatdozent Dr. Knut Schnell, leitender Oberarzt der Klinik für Allgemeine Psychiatrie und Leiter der Arbeitsgruppe Translationale psychiatrische Therapieforschung. Diese Studie wird parallel zur ambulanten CBASP-Psychotherapiestudie durchgeführt. Ein Verbund aus fünf Universitätskliniken untersucht dabei mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie, welche spezifischen Veränderungen der Hirnfunktion unter der Behandlung auftreten und ob die Wirkung der Therapie durch bestimmte Aktivierungsmuster vor Therapiebeginn vorhersagbar ist. Ziel der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Untersuchung sind hierbei die funktionellen Systeme der sozialen Kognition und Emotionsregulation. „Wir möchten herauszufinden, über welche Systeme des Gehirns die Effekte von Psychotherapie grundsätzlich vermittelt werden, aber auch auf welche therapeutische und medikamentöse Behandlungen ein Patient individuell ansprechen wird“, so Professor Herpertz.

Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen in der Klinik für Allgemeine Psychiatrie direkt in die Ausrichtung der Patientenversorgung ein. So wird für Patienten mit einer chronischen Depression ein neues stationäres Behandlungsangebot mit der CBASP-Methode aufgebaut. Patienten mit einer akuten Depression werden mit der wissenschaftlich bewiesenermaßen wirksamen kognitiven Verhaltenstherapie der Depression nach Beck und der interpersonellen Gruppen-Psychotherapie depressiver Störungen nach Klerman behandelt.

Ansprechpartner:
PD Dr. Knut Schnell
Leitender Oberarzt
Klinik für Allgemeine Psychiatrie
Tel.: 06221 56-5598
E-Mail: knut.schnell@med.uni-heidelberg.de

Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Klinik-fuer-Allgemeine-Psychiatrie.8791.0.html

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Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
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