Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn weniger mehr sein soll - Muß Konsumverzicht zu weniger Zufriedenheit führen?

22.09.2009
Wie kann man verhindern, dass individuelle Zufriedenheit bei weniger Konsummöglichkeiten sinkt?

Das hat Dr. Astrid Matthey vom Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik untersucht und ihre Ergebnisse auf aktuelle Diskussionen zum Umweltschutz angewandt. Ihr Fazit: Je stärker der gesellschaftliche Fokus auf materiellem Konsum liegt, desto mehr sinkt die Zufriedenheit bei Konsumreduktion, und desto weniger Rückhalt haben Maßnahmen zum Umweltschutz in der Bevölkerung.

Forscher und Politiker diskutieren Strategien, um einen nachhaltigen Umgang mit endlichen Ressourcen zu erreichen. Eine verbreitete Annahme lautet, dass hierzu der Ressourcenverbrauch in westlichen Industrienationen zurückgehen müsse. Wenn dies so ist, kann die Reduzierung von Konsum notwendig werden - was die Zufriedenheit des Einzelnen beeinträchtigen kann. Astrid Matthey, Forscherin am Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena, hat nun in Laborexperimenten mögliche Einflussfaktoren auf individuelles Wohlbefinden untersucht. Zentral sind dabei die Konzepte "Aspirationen" und "Priming".

Aspirationen (allgemeine Bestrebungen bzw. Hoffnungen) beruhen auf vagen Informationen hinsichtlich möglicher Erfolge und Errungenschaften in der Zukunft. Sie bilden die Grundlage für Referenzpunkte, mit denen man sich vergleicht. Im Allgemeinen ist man dann zufrieden, wenn das tatsächliche Ergebnis das Niveau des Referenzpunktes erreicht. Ist das erreichte Ergebnis schlechter, entsteht Unzufriedenheit. Im Experiment (einer Lotterie mit verschieden hohen Gewinnmöglichkeiten) zeigt Matthey nun, dass Menschen mit ursprünglich höheren Aspirationen bei Nicht-Erreichen stärkere Verlustgefühle erleben.

"Je höher die Aspirationen hinsichtlich zukünftiger Konsummöglichkeiten sind, desto mehr leiden Menschen, wenn sie sich nicht erfüllen", berichtet Matthey: "Vor allem braucht es Zeit, von diesen hohen Aspirationen wieder wegzukommen, selbst wenn man einsieht, dass sie sich nicht erfüllen werden. Wir hängen potentiell unserem Traum von der Villa und dem großen Auto lange nach. Deswegen können hohe Aspirationen unserer Zufriedenheit nachhaltig schaden."

Wie aber werden Aspirationen bzw. Referenzpunkte geformt oder beeinflusst? Hier erlangt das Konzept des Priming starke Bedeutung, der psychologische Umstand, dass bestimmte Assoziationen bei Menschen aktiviert sein können, ohne dass diese sich der Aktivierung bewusst sind. In einem weiteren Experiment weist Matthey nach, dass Menschen, bei denen eher materielle Errungenschaften aktiviert werden ("Kluge Investoren werden reich"), sich anders verhalten als Versuchspersonen, bei denen eher soziale Inhalte ("Kinder helfen ihren Eltern") aktiviert wurden. Materielles Priming führte zu höheren Erwartungen an wirtschaftlichen Erfolg - also zu höheren Referenzpunkten, anhand derer die Versuchspersonen ihren Erfolg bewerteten.

Diese Ergebnisse lassen sich auf den Alltag übertragen: "Je höher der Stellenwert von Konsum in unserer Gesellschaft ist, desto mehr streben wir diesen an - und desto schwerer fällt der Verzicht darauf", fasst Matthey zusammen und folgert: "Sinnvoll wäre, als Gesellschaft mehr Wert zum Beispiel auf soziale Beziehungen und solche Aktivitäten zu legen, die weniger stark vom Konsum abhängen." Dies gelte gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise, wo viele Menschen ohnehin wirtschaftlich schwereren Zeiten entgegen sehen. "Zudem könnte so der Rückhalt für Maßnahmen zur nachhaltigen Ressourcennutzung gestärkt werden", erklärt Matthey.

Originalveröffentlichung:
"Less is more: the influence of aspirations and priming on well-being"
Journal: Journal of Cleaner Production
doi: 10.1016/j.jclepro.2009.03.024
Das Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena beschäftigt sich mit einem breiten Spektrum von Fragen des wirtschaftlichen Wandels insgesamt, der experimentellen Ökonomik sowie des unternehmerischen Verhaltens (www.econ.mpg.de).

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Astrid Matthey
Max-Planck-Institut für Ökonomik
Kahlaische Straße 10
07745 Jena
Telefon: +49 - 3641 - 686 644
+49 - 176 - 641 25 063
Fax: +49 - 3641 - 686 667
e-mail: matthey@econ.mpg.de
Stephan Schütze, Petra Mader
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ökonomik
Kahlaische Straße 10
07745 Jena
Telefon: +49 - 3641 - 686 950, -960
Fax: +49 - 3641 - 686 710
e-mail: presse@econ.mpg.de

Stephan Schütze | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.econ.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten