Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welche Gene spielen eine Rolle bei Koronaren Herzerkrankungen?

19.12.2013
Zwei in Nature Genetics veröffentlichte Studien untersuchen den Einfluss genetischer Faktoren auf Lipidstoffwechsel und Atherosklerose

Zwei in der November-Ausgabe des renommierten Fachjournals Nature Genetics veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten berichten über neue Genvarianten, die einen Einfluss auf den Fettstoffwechsel haben und mit einem erhöhten Risiko verbunden sind, an der Koronaren Herzkrankheit zu erkranken.

In beide Arbeiten sind Daten aus der Ludwigshafen Risk and Cardiovasuclar Health-Studie (LURIC-Studie) eingegangen, die von Dr. Marcus Kleber und Prof. Dr. Winfried März an der Medizinischen Fakultät Mannheim durchgeführt wird.

Für ihre Untersuchungen nutzten die Wissenschaftler die Methode der SNP Genotypisierung, bei der das Erbgut mit hoher Präzision nach Variationen in einzelnen Basen (Single-Nucleotide Polymorphisms; SNPs) durchforstet wird und dabei krankheitsauslösende genetische Veränderungen nachgewiesen werden können.

Bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) ist die Durchblutung des Herzmuskels gestört. Ursache ist eine Verengung der Herzkranzgefäße, die das Organ mit sauerstoffreichem Blut versorgen, aufgrund von Fett- oder Kalkablagerungen in der Gefäßwand. Da zu wenig Blut durch die Herzkranzgefäße fließt, entsteht ein Sauerstoffmangel im Herzmuskel. Es sind vor allem Blutfette wie Cholesterin und Triglyzeride, die sich im Innern der Gefäße ablagern und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern.

In der ersten Studie konnten die Wissenschaftler, Mitglieder des Global Lipids Genetics Consortium, an insgesamt 157 Genorten des menschlichen Genoms Veränderungen identifizieren, die Auswirkungen auf die Konzentrationen von Cholesterin oder Triglyzeriden haben. Darunter waren 62 Gene, die bislang nicht mit Lipiden (Fetten) in Verbindung gebracht worden sind.

Zu diesen Ergebnissen gelangten die Wissenschaftler, indem sie Genotypisierungsdaten von fast 189.000 Personen europäischer Abstammung nach neuen Varianten absuchten, die mit den Werten von Blutfetten wie Cholesterin und Triglyzeriden assoziiert sind. Bei gut der Hälfte der Personen wurde über das gesamte Erbgut hinweg nach genetischen Variationen gesucht. Bei der anderen Hälfte wurde spezifisch nach Abweichungen in Genen gesucht, die mit dem Lipidstoffwechsel und der Koronarkrankheit in Verbindung gebracht werden.

Die Ergebnisse dieser Studie tragen dazu bei, die biologischen Prozesse, die die Lipidkonzentrationen im Blut regeln, besser zu verstehen. Sie geben aber auch einen Hinweis auf die genetischen Komponenten, die das Risiko für Koronare Herzerkrankungen beeinflussen. Dabei zeigt sich, dass einige der identifizierten Gene auch mit anderen Erkrankungen assoziiert sind, neben der Koronaren Herzkrankheit auch mit Typ2-Diabetes, Adipositas und Hypertonie.

Die weitere Untersuchung vor allem der neu identifizierten Genvarianten wird dazu führen, die Biologie des Fettstoffwechsels und die Grundlagen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser zu verstehen und möglicherweise auch neue Zielstrukturen für deren Behandlung zu identifizieren.

Die zweite Arbeit untersucht die bislang noch unzureichend aufgeklärte Rolle der Triglyzeride bei der Entstehung der Koronaren Herzerkrankung. Auch hier wurden genetische Polymorphismen untersucht, die die Blutfettwerte beeinflussen. Die Ergebnisse bestätigen die Hypothese, dass LDL-Cholesterin und Triglyceride, nicht aber HDL-Cholesterin ursächlich für die Entstehung der KHK sind.

Es zeigt sich nämlich, dass das Risiko für Koronare Herzkrankheiten direkt assoziiert ist mit hohen Konzentrationen der Triglyzeride. Ebenso gibt es einen direkten Zusammenhang mit der Erkrankung, wenn LDL-Cholesterin und Triglyzeride sich gleichförmig verhalten: hohe Konzentration gleich erhöhtes Risiko, niedrige Konzentration gleich geringes Risiko.

Verhalten sich die Konzentrationen entgegengesetzt (Triglyzeride erhöht und LDL-Cholesterin abgesenkt oder umgekehrt), so haben die Blutfettwerte keine Auswirkung auf die KHK. Und auch Polymorphismen, die das HDL-Cholesterin beeinflussen, zeigen nur sehr geringe Auswirkungen auf die Koronare Herzkrankheit, was darauf hindeutet, dass das HDL-Cholesterin nur eine untergeordnete Rolle bei der Entstehung der KHK spielt.

Publikationen in Nature Genetics

Discovery and refinement of loci associated with lipid levels
Global Lipids Genetics Consortium
Nature Genetics 45, 1274–1283 (2013)
doi:10.1038/ng.2797
Common variants associated with plasma triglycerides and risk for coronary artery disease
Ron Do et al.
Nature Genetics 45, 1345–1352 (2013)
doi:10.1038/ng.2795
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/ng/journal/v45/n11/full/ng.2797.html - Nature Publikation
http://www.nature.com/ng/journal/v45/n11/full/ng.2795.html - Nature Publikation

Dr. Eva Maria Wellnitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.umm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie