Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wagnis Wissenschaft? HoF veröffentlicht Studie zum wissenschaftlichen Nachwuchs

08.10.2008
Mit der soeben erschienen Studie "Wagnis Wissenschaft - Akademische Karrierewege und das Fördersystem in Deutschland" wird erstmals eine umfassende Bilanz der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland vorgelegt. Einerseits hat sich das deutsche Modell im internationalen Vergleich als erfolgreich erwiesen, andererseits ist eine wissenschaftliche Karriere mit Problemen und Risiken behaftet.

In Deutschland werden nicht zu letzt dank der Vielfalt der Qualifizierungswege, die den unterschiedlichen individuellen Lebenssituationen, Berufs- und Karrierevorstellungen Rechnung zu tragen in der Lage ist, mehr Promotionen pro Universitätsabsolvent/-in bzw. Einwohner abgeschlossen als in den meisten anderen Staaten.

Trotzdem wird dieser Erfolg mit hohen gesellschaftlichen und privaten Verlusten bezahlt, weil zu viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre angestrebten Ziele nicht erreichen: Von den auf der Basis von Statistiken und eigenen Erhebungen geschätzten bis zu 63.000 Doktorandinnen und Doktoranden (ohne Medizin) wird vermutlich höchstens ein Drittel das Promotionsvorhaben mit Erfolg abschließen. Dabei werden in Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften deutlich mehr Promotionen erfolgreich beendet, als etwa in den Sprach- und Kulturwissenschaften. Auch wenn sich ein Teil derjenigen, die ihre Promotionsabsicht nicht umsetzen können, andere berufliche Karrierewege erschließt, sollte diese Abbruchquoten Anlass geben, ernsthaft über die Verbesserung der Qualifizierungsbedingungen und der Berufsperspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses nachzudenken. Bundesregierung, Länder und Förderorganisationen reagieren auf diese Defizite insbesondere mit der Einführung strukturierter Promotionsprogramme. Zugleich stellen zahlreiche Bundesländer ihre Fördersysteme von einer direkten Förderung über Stipendien auf eher indirekte Anreizsysteme um, so dass die Verantwortung für die Promotionsförderung zunehmend bei den Hochschulen selbst. Gleichzeitig wächst die Bedeutung der außeruniversitären Forschungseinrichtungen für die Nachwuchsförderung.

In besonderem Maße gilt das hohe Risiko einer wissenschaftlichen Karriere - trotz Einführung der Juniorprofessur - für die Post-doc-Phase, in der die Voraussetzungen für die Berufung zur Hochschullehrerin/zum Hochschullehrer erworben werden. Scheitert man hier, ist ein erfolgreicher beruflicher Neustart außerhalb des Hochschulsystems altersbedingt oft nur schwer zu meistern. Die Reformbemühungen der vergangenen Jahre haben daran bisher nichts wesentliches geändert, so dass weitere Reformen zu erwarten sind.

In dem 700 Seiten umfassenden Band "Wagnis Wissenschaft" wird das System der Nachwuchsförderung in Deutschland umfassend erläutert. Ausgangspunkt ist die aktuelle hochschulpolitischen Diskussion zur Nachwuchsqualifizierung in Deutschland mit Juniorprofessur, Exzellenzinitiative und Hochschulpakt 2020 sowie den Konsequenzen der Föderalismusreform. Vor dem Hintergrund dieser Debatte werden die Promotionsphase und die Post-doc-Phase ausführlich analysiert. In jeweils einem historischen Rückblick wird aufgezeigt, wie das gegenwärtige Modell der wissenschaftlichen Qualifizierung in Deutschland entstanden ist. Die Qualifizierungswege werden erläutert und die Entwicklung von Promotion, Habilitation und Juniorprofessur mit umfangreichen statistischen Daten beschrieben. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren. Die Daten sind bis auf die Ebene der Bundesländer differenziert. Daneben werden die Ergebnisse anderer empirischer Studien zur Nachwuchsqualifizierung zusammengefasst und in den Kontext der Studie eingearbeitet. Auf der Grundlage von eigenen Studien zum Leistungsspektrum der Förderorganisationen, zu den gesetzlichen Grundlagen der Nachwuchsförderung und zu den Förderstrategien der Bundesländer, des Bundes und der EU wird untersucht, wie das Förderspektrum auf die Probleme und Defizite der Nachwuchsförderung reagiert. In einem abschließenden internationalen Vergleich wird die Nachwuchsförderung in Deutschland in den internationalen Kontext eingeordnet und Vor- und Nachteile der jeweiligen Systeme werden herausgearbeitet. Ein umfangreicher Datenanhang auf CD enthält weitere Tabellen und Übersichten im Excel-Format und ermöglicht weitere Recherchen bis auf Ebene der Bundesländer.

Bei dem Band handelt es sich um die wissenschaftliche Langfassung des "Bundesberichts zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses", der dem Bundestag im März 2008 zur Unterrichtung durch die Bundesregierung vorgelegt wurde (www.buwin.de; Bundestagsdrucksache 16/8491). Über diesen hinausgehend lieferte er insbesondere Aufschluss über bestehende Informationsdefizite und Forschungsdesiderata.

Die Studie wendet sich an all jene, denen in Politik und Hochschulpraxis die Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses ein Anliegen ist. Intendiert ist die Schaffung einer fundierten Grundlage für die Weiterentwicklung des Fördersystems und die Diskussion über den "Wissenschaftsstandort Deutschland".

Anke Burkhardt (Hrsg.) (2008): Wagnis Wissenschaft - Akademische Karrierewege und das Fördersystem in Deutschland. Akademische Verlagsanstalt Leipzig, 691 Seiten und CD, 35,00 €. ISBN 978-3-931982-58-4.

Eine Leseprobe sowie das Inhaltsverzeichnis finden Sie auf http://www.hof.uni-halle.de/cms/download.php?id=143

Ansprechpartnerin:
Dr. Anke Burkhardt
HoF Wittenberg
Collegienstraße 62
06886 Wittenberg
E-Mail: anke.burkhardt@hof.uni-halle.de
Tel. 03491/466-254

Dr. Anke Burkhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.hof.uni-halle.de/index,id,2.html
http://www.hof.uni-halle.de/cms/download.php?id=143

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie