Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Videospiele leisten Beitrag zur Senkung der Kriminalitätsrate

18.08.2011
Videospiele senken die Kriminalitätsrate, weil sie potenzielle Straftäter unter den Spielern an Konsole und Bildschirm fesseln.

Dadurch bleibt weniger Zeit, um Straftaten zu begehen. Dies zeigt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, in Zusammenarbeit mit der Baylor University und der University of Texas at Arlington. Sie untersucht den Einfluss von gewaltfreien und gewalthaltigen Videospielen auf die Anzahl der Verbrechen mit und ohne Gewalt in den Vereinigten Staaten.

Bei Videospielen mit Gewaltinhalten zeigt sich eine paradoxe Situation: Einerseits binden sie potenzielle Gewalttäter an den Bildschirm und halten diese so von anderen Aktivitäten fern, bei denen es zu Gewalt kommen könnte. Andererseits berichten zahlreiche psychologische Studien von einem gesteigerten aggressiven Verhalten durch den Konsum von Videospielen mit Gewaltinhalten. Insbesondere darf hierbei auch die allmähliche Steigerung der Gewaltbereitschaft bei Einzelpersonen durch den langfristigen Konsum gewalthaltiger Videospiele nicht unterschätzt werden, die dem Einzelnen und der Gesellschaft großen Schaden zufügen kann.

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse sehen politische Entscheidungsträger im Spielen gewalthaltiger Videospiele einen unterstützenden Faktor für aggressive Verhaltensmuster von Teenagern und jungen Erwachsenen. Die Regulierung bis hin zum Verbot von Gewaltdarstellungen in Videospielen wird daher oftmals als eine Möglichkeit in Betracht gezogen.

Die Erkenntnisse bezüglich der Steigerung der Aggressivität durch gewalthaltige Videospiele beruhen hauptsächlich auf psychologischen Laborexperimenten. Diese berücksichtigen indessen nicht die starke Nutzung solcher Spiele durch vergleichsweise gewaltbereite Personen und die daraus resultierende erhebliche zeitliche Bindung dieser Spieler. Dieser Effekt, der als "incapacitation effect" bezeichnet wird, hindert die Spieler daran, in der Zeit, die sie am Bildschirm verbringen, andere potenziell gewaltsame Tätigkeiten auszuüben.

Die Untersuchung auf Grundlage von US-amerikanischen Daten zeigt diese zwei gegensätzlichen Effekte sehr deutlich. Die Ergebnisse weisen zum einen auf eine erhöhte Aggressivität seitens der Spieler hin. Gewalthaltige Videospiele können mit einem Anstieg in der Zahl der Gewaltverbrechen in Verbindung gebracht werden. Zum anderen zeigt sich aber auch, dass die Spieler einen erheblichen Anteil ihrer verfügbaren Zeit freiwillig zum Spielen verwenden, was die Gewaltkriminalität verringert. Dieser zeitbeschränkende Effekt dominiert dabei in den Vereinigten Staaten den aggressionsfördernden Effekt. Daher ist dort sowohl das Spielen gewalthaltiger als auch gewaltfreier Videospiele mit einer sinkenden Anzahl an Straftaten verbunden.

"Die Auswirkungen des Videospielkonsums umfassen sowohl die Förderung aggressiven Verhaltens als auch die zeitliche Einschränkung für die Ausübung aggressiver Tätigkeiten", sagt Benjamin Engelstätter, Wissenschaftler am ZEW. "Unsere Ergebnisse für die Vereinigten Staaten zeigen, dass die Wirkung der zeitlichen Einschränkung der Videospieler stärker ist als der Effekt, der ihr aggressives Verhalten fördert. Eine mögliche Regulierung von Gewaltinhalten in Videospielen muss daher genau bedacht werden. Sie könnte zwar langfristig die Aggressivität der Spieler reduzieren. Auf kurze Sicht würde sie aber voraussichtlich zu einem Anstieg der Kriminalitätsrate führen, da eine ganze Reihe von Spielern dann weniger Zeit in die für sie nun möglicherweise uninteressanten Spiele investieren würden."

Die Studie basiert auf einem Datensatz, der sich aus unterschiedlichen Datenquellen zusammensetzt und wöchentliche Beobachtungen für die gesamten USA über vier Jahre von 2005 bis 2008 liefert. So erfasst das National Incident Based Reporting System die Anzahl und Einzelheiten der jeweiligen Verbrechen. Zudem werden die Daten des VGChartz-Systems genutzt, das die Verkaufszahlen der Videospiele auflistet. Die Klassifizierung des Gewaltinhalts der Spiele wiederum stammt von dem gemeinnützigen Entertainment Software Rating Board (in Deutschland analog zur Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle). Eine Qualitätseinstufung der jeweiligen Spiele, darunter bekannte Ego-Shooter wie Battlefield oder Modern Warfare, liefert schließlich die Videospiel-Webseite Gamespot des Mediennetzwerks CBS Interactive.

Die vollständige Studie ist als englischsprachiges ZEW Discussion Paper No. 11-042 unter dem Titel "Understanding the Effects of Violent Video Games on Violent Crime" erschienen und kann unter http://www.zew.de/publikation6273 heruntergeladen werden.

Für Rückfragen zum Inhalt:
Prof. Dr. Irene Bertschek (ZEW), Tel. 0621-1235-178, E-Mail bertschek@zew.de
Benjamin Engelstätter (ZEW), Tel. 0621-1235-134, E-Mail engelstaetter@zew.de

Gunter Grittmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen

24.05.2017 | Geowissenschaften