Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

USA und gesamte EU würden von transatlantischem Freihandelsabkommen erheblich profitieren

17.06.2013
Bertelsmann Stiftung untersucht die Folgen für 126 Staaten – Verlierer wären traditionelle Handelspartner und Entwicklungsländer

Die USA und alle EU Mitgliedstaaten würden von einer umfassenden Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) in erheblichem Umfang profitieren. Sollte es gelingen, neben Zöllen auch nichttarifäre Handelshemmnisse weitgehend zu eliminieren, würde das reale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner deutlich steigen und neue Arbeitsplätze könnten geschaffen werden.

Den Wohlfahrtsgewinnen in dieser mit über 800 Millionen Einwohnern größten Freihandelszone stünden jedoch reale Einkommens- und Beschäftigungsverluste im Rest der Welt gegenüber. Das zeigt eine aktuelle Studie des ifo-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung einen Tag vor dem Besuch des US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama in Berlin.

Die Studie zeigt für insgesamt 126 Länder, wie sich das langfristige reale Pro-Kopf-Einkommen infolge eines transatlantischen Freihandelsabkommens verändern würde. Den größten Zuwachs verzeichnen nach den Berechnungen die USA. Dort würde das langfristige Bruttoinlandsprodukt je Einwohner um 13,4 Prozent steigen. Auch im gesamten EU-Raum würden Wohlfahrtsgewinne erzielt. In allen 27 Mitgliedsstaaten würde das reale Pro-Kopf-Einkommen um durchschnittlich fast fünf Prozent höher ausfallen. Den größten Einkommenszuwachs verzeichnete Großbritannien mit einem realen Pro-Kopf-Einkommen von fast zehn Prozent.

Zu den EU-Mitgliedsstaaten, die überdurchschnittlich stark von einer weitgehenden Liberalisierung des Handels profitieren würden, gehören die exportorientierten kleinen Volkswirtschaften wie die baltischen Staaten, aber auch die südeuropäischen Krisenstaaten, für die sich die Importe aus den USA verbilligen würden. Die großen Volkswirtschaften Deutschland (4,7 Prozent) und Frankreich (2,6 Prozent) würden im europäischen Vergleich nur unterdurchschnittlich von einem umfassenden Freihandelsabkommen profitieren.

Die Intensivierung der Handelsbeziehungen zwischen den USA und der EU hätte allerdings zur Folge, dass diese Volkswirtschaften weniger Güter und Dienstleistungen aus dem Rest der Welt importieren würden. Dort käme es dann zu einer Verringerung des realen Pro-Kopf-Einkommens. Das beträfe vor allem traditionelle Handelspartner der USA wie Kanada (minus 9,5 Prozent) und Mexiko (minus 7,2 Prozent). Auch in Japan würde sich das langfristige Pro-Kopf-Einkommen um fast 6 Prozent vermindern. Weitere Verlierer wären die Entwicklungsländer; vor allem in Afrika und Zentralasien.
Allerdings ist TTIP kein Nullsummenspiel, sondern erzeugt reale Wohlfahrtsgewinne durch den Abbau von Handelskosten, so dass im Prinzip alle Länder von dieser Reduktion profitieren können. Weltweit würde das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen um 3,3 Prozent steigen.

Für die EU hätte ein tiefgreifendes Freihandelsabkommen eine deutliche Erhöhung der Beschäftigung in den beteiligten Volkswirtschaften zur Folge. Besonders stark profitieren nach den Berechnungen die USA und Großbritannien mit knapp 1,1 Millionen bzw. 400.000 zusätzlichen Arbeits¬plätzen. Auch für die südeuropäischen Krisenländer ergäbe sich ein überdurchschnittlich hoher Beschäftigungseffekt. Während die Arbeitslosigkeit im OECD-Durchschnitt um 0,45 Prozentpunkte zurückginge, würde sie in den vier Krisenstaaten in einer Bandbreite von 0,57 Prozentpunkten in Italien bis hin zu 0,76 Prozentpunkten in Portugal sinken.

"Ein transatlantisches Freihandelsabkommen wäre ein wichtiges Instrument für mehr Wachstum und Beschäftigung in Europa", sagte Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, bei der Vorstellung der Studie. "Gerade die krisengeschüttelten Südeuropäer würden davon überdurchschnittlich profitieren. Allerdings sollten entstehende Wohlfahrtsgewinne für die EU und die USA auch Anreiz sein, sich in zukünftigen multilateralen Verhandlungen kompromissbereit gerade gegenüber den Verlierern des Abkommens zu zeigen. Auf diese Weise könnte das transatlantische Freihandelsabkommen auch der ins Stocken geratenen Doha-Entwicklungsrunde einen neuen Schub geben."

Bei ihren Simulationsrechnungen betrachteten die Wissenschaftler zwei Szenarien. Eine aus-schließliche Abschaffung der Zölle (Szenario 1) würde kaum für positive Wachstumseffekte sorgen. Würde man dagegen die Handelshemmnisse umfassend abbauen (Szenario 2), käme es zu den oben berechneten Effekten. Zu diesen Handelshemmnissen gehören zollfremde Maßnahmen wie Qualitätsstandards, Verpackungs-und Bezeichnungsvorschriften oder Herkunftsangaben sowie technische oder rechtliche Anforderungen an importierte Produkte. Auch die Förderung der eigenen Exporte durch Steuervorteile oder finanzielle Förderungen gehören hierzu.

Rückfragen an:
Dr. Ulrich Schoof, Telefon: +49(5241) 81-81384;
E-Mail: ulrich.schoof@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise