Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ungünstiger Wind für chinesische Windturbinenhersteller

10.01.2012
Harte Zeiten für chinesische Hersteller: Betriebssicherheit, Qualität, Zuverlässigkeit und After-Sales-Serviceangebote könnten den weltweiten Markt zugunsten von westeuropäischen Herstellern einnehmen

Chinesische Windturbinenhersteller konnten ihren Marktanteil in den letzten Jahren drastisch erhöhen. Zwei der führenden chinesischen Windturbinenhersteller befinden sich derzeit unter den weltweiten TOP 3 der Branche, in Bezug auf an Megawatt abgesetzte Kapazität.

Dieser Aufstieg wurde durch die inländische Nachfrage nach Windenergie vorangetrieben sowie durch die staatlichen Zielvorgaben und die Erfordernis, dass 70 Prozent der Komponenten für Windturbinen im Land produziert werden müssen. Es gibt jedoch auch eine Schattenseite dieses raschen Erfolges. China war Schauplatz der bei weitem höchsten Anzahl von Unfällen durch Fehler und Störungen bei Windturbinen, bei denen es zu massiven Stromausfällen kam und sogar Menschen ums Leben kamen.

Aufgrund der Sättigung des nationalen Marktes und deutlichen Anzeichen von Überkapazität und beginnender Konsolidierung, haben die größten chinesischen Hersteller ihre Pläne für eine internationale Expansion bekannt gegeben. Es besteht kein Zweifel darüber, dass chinesische Hersteller fähig sind, rasch zu lernen und die Technologie zu adaptieren und weiter zu entwickeln, um die Kosten zu senken. Dennoch ist Frost & Sullivan davon überzeugt, dass die Volksrepublik im Markt für Windenergie und Windtechnologien vor einer extrem harten Bestandsprobe steht.

„Die chinesischen Hersteller müssen in erster Linie eine Reihe von technologischen Qualitätsfragen klären, bevor sie in der Lage sein werden, Technologielösungen auf dem Niveau der etablierten westeuropäischen Hersteller anzubieten“, erklärt Renewable Energy Research Managerin Alina Bakhareva von Frost & Sullivan. Die technologische Kluft wird zunehmend größer durch Unternehmen wie GE, Vestas und Siemens, die in die Verbesserung der Betriebsbereitschaft und Zuverlässigkeit ihrer Turbinen investieren. Ein technischer Fehler, der die Stromversorgung reduziert, stellt ein großes Risiko für Entwickler dar und kann einen großen Teil der erwarteten Profite zunichte machen. „Eine fehlerfreie Betriebsbilanz kann die Bedenken von Projektentwicklern über die Qualität der chinesischen Turbinen mindern, aber es wird Jahre dauern, um ein solches Vertrauen aufzubauen. Chinesische Windturbinenhersteller sind gerade dabei die ersten Schritte in die richtige Richtung zu machen, obwohl die Reg ierung einschreiten und striktere Regulierungen einführen musste“, ergänzt Bakhareva.

Die chinesische Staatliche Kommission zur Regulierung der Elektrizität SERC hat strengere technische Vorschriften herausgegeben, speziell für die Erneuerung der Netzstützung bei Spannungseinbruch (engl. LVRT - Low Voltage Ride Through). Zusätzlich wurden im November 2011 von der nationalen Energiebehörde 18 Branchenstandards veröffentlicht. Zwei unmittelbare Auswirkungen dieser Veränderungen in den Rechtsvorschriften sind bereits erkennbar. Das Hinzufügen einer LVRT-Leistungsfähigkeit wird die Preise der chinesischen Windturbinen erhöhen. Zusammen mit der geringeren Nachfrage wird dies die kleineren Hersteller hinausdrängen, die nicht in der Lage sind, die Kosten für neue Ausrüstung aufzubringen. Dem nationalen Windenergiemarkt in China stehen daher harte Zeiten bevor, wenn die Konsolidierung sogar die Positionierung der fünf führenden Unternehmen verändern kann.

Die Windenergiebranche in etablierten Märkten ist inzwischen über die Anfangsphase hinaus, in der das Hauptziel die Installierung von möglichst vielen Turbinen darstellte. Der Schwerpunkt liegt nun auf der Steigerung der Betriebseffizienz, auf der raschen Lösung von Leistungsfragen, Echtzeit-Kontrolle, Visibilität und Verringerung der Wartungszeiten. Die Fähigkeit, überzeugende Service-Lösungen anbieten zu können, ist hierbei fast genauso wichtig wie erstklassige Ausrüstung zu liefern.

Hochqualitative After-Sales-Services fügen hier leicht ein paar Prozentpunkte an Effizienzgewinn hinzu, was zu geringeren LCOE-Stromerzeugungskosten (engl. LCOE - levelised cost of electricity) führt. Es besteht kein Zweifel darüber, dass die chinesischen Hersteller eine billigere Windturbine liefern können, also einen geringeren Investitionsaufwand gewährleisten können. Wenn es jedoch um ein Gesamtpaket an Leistungen geht, so bleiben sie weiterhin deutlich hinter ihren westlichen Konkurrenten zurück.

Selbst wenn für den inländischen Markt überzeugende Serviceangebote entwickelt werden, würde ein groß angelegter After-Service-Support in ausländischen Märkten erhebliche Anfangsinvestitionen erforderlich machen. Indem die chinesischen Windturbinenhersteller weitgehend durch die Regierung gefördert werden, müssen sie sich mit anderen Prioritäten auseinandersetzen. Es scheint unwahrscheinlich, dass sie größere Investitionen für die Ausweitung ihrer Service-Angebote in denjenigen Märkten einsetzen, in denen sogar ihr Absatz gering ist. Aus diesem Grund dürften die etablierten europäischen und ein Teil der US-amerikanischen Windenergiemärkte für die chinesischen Hersteller schwierig zu erschließen sein. Einige Aufträge lassen sich sicher einholen, aber die Präsenz chinesischer Unternehmen dürfte in diesem Sektor wohl kaum ähnliche Ausmaße annehmen wie in der Solarenergiebranche.

„Aufstrebende Windenergiemärkte, wie Mittel- und Osteuropa und Lateinamerika, könnten geringere Ausrüstungskosten attraktiv finden, vor allem wenn sie großzügige Angebote der Projektfinanzierung einschließen“, resümiert Frau Bakhareva. Dennoch werden die erwiesene Betriebssicherheit, Qualität, Zuverlässigkeit und After-Sales-Serviceangebote das Blatt zugunsten von westeuropäischen Windturbinenherstellern wenden, auch wenn dies höhere Anfangsinvestitionen bedeutet.“

Bei Fragen an Frau Bakhareva zu aktuellen Entwicklungen im europäischen und internationalen Windenergiemarkt kontaktieren Sie bitte Katja Feick - Corporate Communications (katja.feick@frost.com).

Über Frost & Sullivan
Frost & Sullivan ist der globale Partner für Unternehmen, wenn es um Wachstum, Innovation und Marktführung geht. Die Dienstleistungen Growth Partnership Services und Growth Consulting helfen dem Kunden, innovative Wachstumsstrategien zu entwickeln, eine auf Wachstum ausgerichtete Kultur zu etablieren und entsprechende Strategien umzusetzen. Seit 50 Jahren in unterschiedlichen Branchen und Industrien tätig, verfügt Frost & Sullivan über einen enormen Bestand an Marktinformationen und unterhält mittlerweile mehr als 40 Niederlassungen auf sechs Kontinenten. Der Kundenstamm von Frost & Sullivan umfasst sowohl Global-1000-Unternehmen als auch aufstrebende Firmen und Kunden aus der Investmentbranche. Weitere Informationen zum Thema Growth Partnerships unter http://www.frost.com.
Kontakt:
Katja Feick
Corporate Communications – Europe
Clemensstr. 9
D – 60487 Frankfurt
Tel.: +49 (0) 69 7703343
E-Mail: katja.feick@frost.com
Twitter: twitter.com/frost_sullivan

Katja Feick | Frost & Sullivan
Weitere Informationen:
http://www.frost.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik