Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ungesund Lebende geben den Genen die Schuld

15.06.2010
Expertin: "Einseitige Sichtweise führt nur zum Stigma"

Es ist immer einfacher, den Genen die Schuld zu geben als den eigenen Lebensstil zu ändern. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Georgetown University in der Zeitschrift "Annals of Behavioral Medicine". Folgt man ihrer Logik, so ist es für Menschen mit Vorbelastung fatal, wenn man ihnen per Gentest ein erhöhtes Risiko für Lebensstil-Erkrankungen vorhersagt. Experten halten dagegen, dass das Verhalten bei erblicher Vorbelastung mit Lebensstil-Krankheiten eine noch wichtigere Rolle bekommt.

Wer gefährlich lebt meidet Vorbeugung

Die Forscher um Suzanne O'Neill untersuchten dafür 2.000 gesunde Erwachsene. Sie erhoben bei ihnen das Verhalten wie die Bewegung, Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum, Sonnenexposition, Vitamineinnahme und Body-Mass-Index, berücksichtigen Angaben über deren Familiengeschichte und untersuchten sie körperlich. Dabei konzentrierte man sich auf die Faktoren, die kausal mit Diabetes, Osteoporose, Herzerkrankungen, hohem Cholesterinwert, Bluthochdruck, sowie Lungen-, Darm- und Hautkrebs zusammenhängen.

Gleichzeitig legte man den Untersuchten Informationen über diese Krankheiten vor, die teils über vorbeugendes Verhalten aufklärten, teils den Einfluss der Gene betonten. Die Schlussfolgerung der Forscher: Wer eine Verhaltensänderung am dringendsten nötig hätte, geht am ehesten in die Defensive und wertet Vorbeugemaßnahmen ab." Als Erklärung vermuten sie, dass die Teilnehmer mit Vorbelastungen früher wahrscheinlich schon derartige Verhaltensratschläge bekommen und auch ausprobiert haben, ohne dass diese jedoch zum Erfolg geführt hätten. Deshalb würden sie nun weniger daran interessiert sein.

Verhalten bei Vorbelastung noch wichtiger

Etwas anders interpretiert Anja Hilbert, Psychologin an der Universität Fribourg, diese Ergebnisse. "Die Betroffenen handeln nur vernünftig, wenn sie etwa aus dem Übergewicht beider Elternteile schließen, dass sie selbst familiär belastet sind und bei gleicher Nahrungsaufnahme schneller zunehmen werden als andere", so die Adipositas-Forscherin gegenüber pressetext.

Die Gefahr sieht Hilbert vielmehr darin, dass der Einfluss der Gene als deterministisch verstanden wird. "Bei bestimmten monogenetischen Krankheiten wie Chorea Huntington kann das Verhalten die Expression eines Gens kaum beeinflussen. Das ist aber bei den komplexeren, polygenetischen Lebensstilkrankheiten nicht der Fall." Je größer bei diesen die Vorbelastung sei, desto wichtiger sei ein gesundheitsförderliches Verhalten wie etwa Bewegung und gesunde Ernährung, damit sich die Krankheit nicht entwickelt.

Medien fördern das Stigma

Ebenso falsch wie die Gene für alles verantwortlich zu machen sei auch das genaue Gegenteil. "In unseren Forschungen zu Adipositas bestätigte sich, dass Menschen, die die Ursache für die Adipositas nur im Verhalten sehen und andere Faktoren ausschließen, übergewichtige Menschen am meisten diskriminieren", so die Fribourger Psychologin. Eine wichtige Rolle komme den Medien als Meinungsbildner zu. "Solange die Berichterstattung die komplexe Interaktion verschiedenster Faktoren nicht hinreichend vermittelt, fördert sie das Stigma der Betroffenen."

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.georgetown.edu
http://www.unifr.ch

Weitere Berichte zu: Adipositas Ernährung Gen FTO Vorbelastung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics