Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tierliebe bedeutet soziale Kompetenz: These durch Untersuchung im Kindergarten bestätigt

03.12.2009
Nicht alle Menschen interessieren sich gleichermaßen für Tiere. Von welchen Faktoren Tierliebe abhängt, diese Frage stellten sich Manuela Wedl und Kurt Kotrschal vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien. Sie führten dazu eine Studie in einem Kremser Kindergarten durch. Die Ergebnisse erscheinen nun in der Dezember-Ausgabe des Magazins "anthrozoös" der International Society of Anthrozoology (ISAZ).

Wird durch Tierkontakt eine geringe soziale Vernetzung mit Menschen kompensiert (soziale Kompensationshypothese), oder suchen - im Gegenteil - gerade sozial gut eingebettete Menschen den intensiven Kontakt mit Tieren (soziale Kompetenzhypothese)? So lautete die Ausgangsfrage der von Manuela Wedl unter der Leitung von Kurt Kotrschal vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien durchgeführten Untersuchung in einem Kindergarten in Krems. ProtagonistInnen der Studie waren 28 Mädchen und 22 Buben, im Alter von drei bis sieben Jahren, sowie sechs Kaninchen.

Die VerhaltensbiologInnen analysierten, welche individuellen und sozialen Faktoren die Intensität und Qualität des Tierkontakts von den Kindern bestimmen. "Sozial gut vernetzte Kinder suchten häufigeren Kontakt zu den Kaninchen. Unsere Ergebnisse widersprechen daher der 'sozialen Kompensationshypothese', denn die sozial eher 'isolierten' Kinder nahmen teilweise gar keinen Tierkontakt auf", erläutert Manuela Wedl die Studienresultate. Zwischen den Geschlechtern gab es erwartungsgemäß auch Unterschiede, so Wedl: "Die Mädchen streichelten die Kaninchen häufiger als die Buben. Bei den Knaben standen eher die 'technischen' Tätigkeiten wie Stall ausmisten und Futter besorgen im Vordergrund. Selbstbewusste und 'sozial angesehene' Buben streichelten die Kaninchen aber auch."

Videoaufnahmen, Fragebögen und Spielverhaltensanalyse

Manuela Wedl setzte quantitative ethologische und soziometrische Methoden für die Studie ein. Neben der Installation einer Videokamera, die festhielt, wer in welcher Form und wie lange mit den Kaninchen interagierte, füllten PädagogInnen und Eltern einen Fragebogen bezüglich der Persönlichkeitsstruktur der Kinder und deren familiären Hintergrund (Geschwister, Haustiere etc.) aus. Zusätzlich wurde das Spielverhalten der Kinder beobachtet.

Weshalb speziell ein Kindergarten als Ort der Studie ausgewählt wurde, erklärt Projektleiter Kurt Kotrschal so: "Je jünger die Kinder sind, desto stärker und 'natürlicher' ist auch ihre Begeisterung für Tiere. Man kann sagen, dass uns ein Grundinteresse an Tieren in die Wiege gelegt wird, das sich im Erwachsenenalter dann unterschiedlich ausdifferenziert", und weiter: "Auch wenn unsere Studie die 'soziale Kompetenzhypothese' unterstützt, d.h. sozial gut vernetzte Kinder die meisten und längsten Tierkontakte zeigten, können Ausnahmen nie ausgeschlossen werden. Grundsätzlich sind Tiere wichtige Mittler zur eigenen Psyche und eignen sich deshalb für die institutionelle Pädagogik oder Therapie."

Publikation:
Wedl, Manuela, Kotrschal, Kurt (2009): Social and individual components of animal contact in preschool children. Anthrozoös 22 (4), S. 383-396
Kontakt
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Kurt Kotrschal
Department für Verhaltensbiologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA I)
M +43-664-602 77-545 42
kurt.kotrschal@univie.ac.at
Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen
01.02.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie