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Studie bestätigt Sicherheit von Darmspiegelungen

27.02.2013
Im Darmkrebsmonat März wird auch in diesem Jahr wieder für die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge geworben. Die zuverlässigste Methode dafür ist die Darmspiegelung.
Dass diese Untersuchung, anders als einige Kritiker befürchten, auch sehr sicher ist, bestätigt eine aktuelle Studie aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. Würden mehr Menschen die Vorsorge-Untersuchung wahrnehmen, ließen sich in Deutschland jedes Jahr etwa die Hälfte aller Darmkrebs-Neuerkrankungen und Sterbefälle vermeiden.

Darmkrebs entsteht langsam. Die Vorstufen brauchen meist viele Jahre, um sich zu einem gefährlichen Karzinom zu entwickeln. Sie sind bei einer Darmspiegelung, der so genannten Koloskopie, gut zu entdecken und können noch während der Untersuchung entfernt werden. Daher kann Darmkrebs weit besser als andere Krebsarten durch konsequente Früherkennung verhütet werden. Seit 2002 ist die Darmspiegelung für Versicherte ab dem 55. Lebensjahr Bestandteil des deutschen gesetzlichen Programms zur Krebsfrüherkennung.

Jedoch nimmt gerade mal ein Fünftel der Berechtigten das Früherkennungsangebot wahr. Die Gründe dafür sind vielschichtig, Angst vor einer erschreckenden Diagnose gehört ebenso dazu wie Angst vor der möglicherweise unangenehmen Untersuchung, bei der es auch zu Komplikationen kommen kann.

„Bei einer Untersuchung, die großen Teilen der Bevölkerung angeboten wird, ist die Sicherheitsfrage natürlich von zentraler Bedeutung. Entsprechend wichtig ist es, dass Ärzte und Public Health-Experten über die Risiken einer Komplikation genau Bescheid wissen“, sagt Professor Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum. „Nur so können sie mit ihren Patienten fundiert die Chancen und Risiken einer Darmspiegelung bewerten.“ Der Präventionsexperte analysierte daher nun, wie häufig es in Deutschland tatsächlich zu schwerwiegenden Nebenwirkungen bei der Koloskopie kommt.

In der nun veröffentlichten Studie kam es nach nur etwa fünf von 10.000 Untersuchungen zu einer Darmblutung, die eine Krankenhauseinweisung erforderte. Verletzungen der Darmwand waren ebenfalls sehr selten und traten mit einer Häufigkeit von weniger als einmal pro tausend Untersuchungen auf. Todesfälle und nicht-lokale Komplikationen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte kamen in der Koloskopiegruppe nicht häufiger vor als bei den Kontrollen.

Damit liegt die Komplikationsrate in einer Größenordnung, die Präventionsexperten erwartet hatten und angesichts des sehr viel größeren Nutzens der Vorsorge für vertretbar halten. „Zu den seltenen ernsthaften lokalen Komplikationen kommt es zumeist nur dann, wenn bei der Untersuchung ein großer Polyp entdeckt und abgetragen wird“, sagt Hermann Brenner. „Gerade in solchen Fällen profitieren die Patienten jedoch ganz besonders von der Darmspiegelung – die ihnen möglicherweise das Leben gerettet hat.“

Christian Stock, der Erstautor der Studie, wertete mit seinen Kollegen aus Brenners Team die Daten von über 33.000 AOK-Versicherten aus, die sich zwischen 2001 und 2008 einer ambulanten Darmspiegelung unterzogen hatten, entweder im Rahmen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms oder aufgrund medizinischer Indikationen. Als Kontrolle diente eine ebenso große Gruppe von Versicherten, die die Früherkennung nicht wahrgenommen hatten. Die Forscher analysierten die Häufigkeit von ernsthaften Ereignissen wie Darmwandverletzungen, Darmblutungen, die eine Krankenhauseinweisung erforderten, Herzinfarkt und Schlaganfall sowie auch die Sterblichkeit. Betrachtet wurde ein Zeitraum von 30 Tagen nach der Darmspiegelung, um auch eventuelle Spätfolgen zu erfassen.
In Deutschland erkranken jährlich etwa 65.000 Menschen an Darmkrebs, im Jahr 2010 erlagen 26.000 Menschen der Erkrankung. Darmkrebs ist bei beiden Geschlechtern die zweithäufigste Krebsart und die zweithäufigste Krebstodesursache. Hermann Brenners Fazit lautet: „Würden mehr Menschen die Darmkrebsvorsorge wahrnehmen, ließen sich in Deutschland jedes Jahr die Hälfte dieser Neuerkrankungen und Sterbefälle vermeiden.“

Christian Stock, Peter Ihle, Andreas Sieg, Ingrid Schubert, Michael Hoffmeister und Hermann Brenner: Adverse Events requiring hospitalization within 30 days after outpatient screening and nonscreening colonoscopies. Gastrointestinal Endoscopy 2013, DOI: 10.1016/j.gie.2012.10.028

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
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Deutsches Krebsforschungszentrum
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