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Stress behindert gute Entscheidungen

03.04.2009
Kein rationelles Abwägen der Möglichkeiten unter hohem Zeitdruck

Stress erhöht das Risiko, falsche Entscheidungen zu treffen. Das berichten die Psychologen Anthony Porcelli und Mauricio Delgado von der Rutgers University in der Fachzeitschrift Psychological Science.

Sie ließen eine Versuchsgruppe verschiedene Gewinnspiele durchlaufen, nachdem ein Teil der Freiwilligen ihre Hände für bestimmte Zeit in eiskaltes Wasser gesteckt hatte, was als stressauslösend gilt.

Die Gestressten gingen in den Spielen tendenziell auf Nummer sicher, wenn Gewinne in Aussicht standen, und steigerten ihre Risikobereitschaft, wenn Verlust drohte. In der Vergleichsgruppe ohne Stress war dieser Effekt zwar ebenfalls zu beobachten, jedoch in geringerer Ausprägung.

Diese Ergebnisse sind nach Ansicht der Forscher ein Hinweis darauf, wie die Umgebung unsere Entscheidungen beeinflusst. Stress könne dazu führen, dass Menschen in eine automatisierte, niedere Denkweise zurückfallen und dabei an Fähigkeit einbüßen, Entscheidungen rationell und abwägend zu fällen. Eine Umgebung, die den Stress steigert, wirke sich somit behindernd für die Wahl aus. Das könne besonders bei finanziellen Entscheidungen zum Tragen kommen, da bei diesen rationelles und abwägendes Denken sehr wichtig ist, so die US-Psychologen.

"Unter Stress klammern sich viele Menschen an gewohnte und bewährte Verhaltensweisen. Das kann dazu führen, dass sie nicht adäquat auf die Situation reagieren", erklärt der Wiener Psychologe Boris Zalokar http://www.wellworking.com . Manchen gelinge es, sehr aktiv auf Stresssituationen zuzugehen, Grenzen auszuloten und auch neue, ungewohnte Verhaltensweisen auszuprobieren. Zu viel Angst und Suche nach Kontrolle führten hingegen dazu, dass man Stresssituationen schon im Voraus umgehe, wodurch eine Reihe von Wahlmöglichkeiten blockiert werde. Das könne langfristig zu negativen Gefühlen führen. "Ständiges passives Verhalten bei Stress kann das Wohlbefinden einschränken", so der Arbeitspsychologe.

Die heutige Arbeitswelt bietet ein Umfeld, das den Stress häufig erhöht. "Zeit- und Termindruck und geringe Personalressourcen tragen dazu ebenso bei wie Arbeitsunterbrechungen und ständige Ablenkung, die die Konzentration für Aufgaben erschweren", erklärt Zalokar. Menschen wollten zwar Leistung bringen, gelangten unter diesen Voraussetzungen jedoch schnell zur Überforderung. "Es macht in diesen Situationen Sinn zu überlegen, welche Aufgaben die wichtigsten sind, und dementsprechend zu reduzieren", so die Empfehlung.

"Entscheidend ist das Ausmaß, in dem Stress wahrgenommen wird", betont die Gesundheitspsychologin Regina Lackner im pressetext-Interview. Stress könne in leichter Ausprägung die Entscheidungsfähigkeit auch schärfen, ab einem bestimmten Ausmaß schränke er jedoch die Wahrnehmung und die Fähigkeit klar zu denken ein. "In solchen Situationen hilft es, bewusst innezuhalten und die Aufmerksamkeit zu unserem Körper zu lenken.

Indem ich meine Atmung, meinen Körper, einen Körperteil, oder mit meinen Sinnen bewusst wahrnehme, bin ich ganz im Hier und Jetzt." So könne man negative Gedanken wie Sorgen und Ängste unterbrechen, den Kopf klarer bekommen und wieder sicherer mit beiden Beinen im Leben stehen, rät die Wiener Psychologin.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.rutgers.edu
http://www.traumapraxis.at

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