Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schützt Rauchen vor Parkinson?

19.05.2010
Parkinson-Studie der Europäischen Akademie Bozen und der Mayo Klinik Rochester (USA) von der Academy of Neurology ausgezeichnet

Rauchen verursacht Krebs – es könnte möglicherweise jedoch auch vor einer Parkinson-Erkrankung schützen. Zu diesem Ergebnis kommen verschiedene epidemiologische Studien. Dieser Zusammenhang ist bislang noch nicht eindeutig bewiesen worden, da einige Raucher dennoch erkranken.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es eine genetische Veranlagung gibt, die – zusätzlich beeinflusst von bestimmten Umweltfaktoren – für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich ist. Auf der Grundlage dieser Hypothese führte ein Forscherteam der Mayo Klinik Rochester (USA) eine Studie mit 1228 Probanden durch. Koordinator des Teams war Maurizio Facheris, Forscher am Institut für Genetische Medizin an der Europäischen Akademie Bozen (EURAC). Facheris absolvierte ein Forschungsjahr an der prestigeträchtigen amerikanischen Universität.

Die Ausgangsthese war folgende: Ob jemand an Parkinson erkrankt oder nicht, hängt zum einen davon ab, wie Medikamente auf ihn wirken, was je nach genetischer Veranlagung variieren kann. Zum anderen schützt der Wirkstoff Nikotin in bestimmten Fällen die Gehirnzellen. Nikotin ist somit „neuroprotektiv“ und kann vor Parkinson schützen.

„Wir haben die Testpersonen zu ihren Rauchgewohnheiten befragt und diese Daten mit einer Variante im CYP2A6 Gen verglichen. Dieses Gen kodiert für ein Enzym, das für den Abbau des Nikotinwirkstoffs verantwortlich ist“, erklärt Maurizio Facheris, auch Neurologe am Krankenhaus in Bozen.

Die Auswertung der Daten zeigt in der Tat: Wenn gerade Raucher eine bestimmte Variante des betreffenden Gens aufweisen, ist das Risiko einer Parkinsonerkrankung deutlich geringer als bei Menschen ohne diese Genvariante, die nicht rauchen. Es muss nun noch genauer untersucht werden, ob die Schutzwirkung tatsächlich auf diese Variante des CYP2A6-Gens oder auf das bei Rauchern nachweisbare Abbauprodukt Cotinin, das durch die Wirkung dieses Gens entsteht, zurückzuführen ist. „Sollte sich diese zweite Annahme bestätigen, könnte ein Medikament auf der Basis von Cotinin eine Parkinson-Erkrankung verhindern“, macht Maurizio Facheris deutlich.

Die Studie eröffnet vielversprechende Möglichkeiten auf dem Feld der Pharmakogenetik. Dieser Forschungsbereich geht davon aus, dass aufgrund der unterschiedlichen Genvarianten Medikamente auch unterschiedlich auf Menschen wirken. Eine DNA-Analyse ermöglicht es, bereits im Voraus zu erkennen, wie ein Medikament im jeweiligen Fall wirken wird. Darauf aufbauend können Arzneimittel entwickelt werden, die gezielt auf jeden Einzelnen zugeschnitten sind.

Die Studie ist auf dem Jahreskongress der American Academy of Neurology in Toronto vorgestellt und als eine der besten fünf Prozent von insgesamt 2000 Studien ausgezeichnet worden.

Laura Defranceschi | idw
Weitere Informationen:
http://www.eurac.edu

Weitere Berichte zu: Cotinin Gen FTO Genvariante Neurology Nikotin Parkinson Parkinson-Erkrankung Raucher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie