Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schon kleine Mädchen fürchten den Wettbewerb

28.06.2010
Studie zeigt: Spezielle Anreize zur Gleichberechtigung nötig

Schon im Alter von drei Jahren sind Mädchen weniger bereit als Jungen, einen Wettbewerb gegen Gleichaltrige anzutreten. Zu diesem Schluss kommen Matthias Sutter und Daniela Rützler vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck in einer Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit IZA. "Gezeigt wurde damit, dass gut qualifizierte Frauen in der Wirtschaft spezielle Anreize brauchen, um im Wettbewerb nicht unterzugehen", berichtet Sutter im pressetext-Interview.

In einem groß angelegten Versuch stellten die Forscher über 1.000 Kindern zwischen drei und 18 Jahren Aufgaben. Sie sollten altersgemäße Rechenaufgaben lösen oder eine Strecke laufen und erhielten dafür Geld. Dabei gab man ihnen die Option, ihre Verdienstmöglichkeiten noch zu steigern, wenn sie gegen Gleichaltrige im Wettkampf antreten wollten. 40 Prozent der Jungen entschieden sich dafür, während es bei den Mädchen nur 19 Prozent waren. Es war dabei egal, ob die altersgleichen Gegner vom selben Geschlecht waren oder nicht.

Evolution und Erziehung

"Es gibt zwei mögliche Erklärungen, die wohl beide zugleich zutreffen dürften", so Sutter. Aus Sicht der Evolution sei es "nicht aus der Luft gegriffen", dass Männer die Rivalität für den Kampf um Frauen in die Wiege gelegt bekommen und somit eher in Wettbewerb treten. Die zweite Logik bezieht sich auf gesellschaftliche Stereotypen, die vom Mann erwarten, dass er sich gern misst. "Das hinterlässt auch in der Erziehung Spuren, sogar schon im Alter von drei Jahren."

Ein Indiz für Zweiteres liefert das Ergebnis der Wettbewerbe, denn überraschenderweise schnitten beide Geschlechter gut ab. Sportwissenschaftler bestätigen, dass die unterschiedliche Laufgeschwindigkeit erst mit der Pubertät einsetzt - zuvor sind Mädchen und Buben gleich schnell. "In den Köpfen ist aber nur, dass männliche Sprinter wie Usain Bolt den weiblichen weit überlegen sind. So empörten sich etwa Mädchen im Kindergarten, dass ein Wettlauf gegen Burschen unfair sei", so der Innsbrucker Wirtschaftsforscher.

Rückstand trotz Qualifikation

Für die Suche nach Chancengleichheit hat das Konsequenzen. "Wir wollen nicht, dass alle ständig gegeneinander konkurrieren", macht Sutter klar. Es gehe vielmehr darum zu verhindern, dass höchstqualifizierte Frauen auf der Strecke bleiben, da sie nicht gerne in Wettbewerb treten. Weitere Studien sollen zeigen, was sie dazu motivieren kann. "Quoten erleichtern diesen Schritt sicher um einiges. Es gilt aber weiterzudenken, welche Interventionen noch dazu beitragen, damit sich die Schere der Geschlechter schließt."

Download der Studie unter http://ftp.iza.org/dp5015.pdf

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uibk.ac.at
http://www.iza.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen
01.02.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie