Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schifffahrtstudie: Drei Viertel der Studienteilnehmer rechnen mit sinkenden Frachtraten in den nächsten zwölf Monaten

15.09.2010
Schifffahrtstudie von Roland Berger Strategy Consultants

- Umfrage unter Linien-Reedereien, Charter-Reedereien, Emissionshäusern und Banken

- 75% der Befragten halten einen erneuten Einbruch der Frachtraten innerhalb der nächsten zwölf Monate für wahrscheinlich / Bulker und Multi Purpose Vessels (MPV) besonders betroffen

- Markterholung auf Vorkrisenniveau für MPV erst ab Mitte 2011 erwartet, für Container und Tanker 2012, für Bulker sogar erst Ende 2012

- Wettbewerb und Marktkonzentration werden weiter zunehmen

- Charterreedereien setzen auf Verlagerung ins Ausland und Spezialschiffe, Linienreedereien auf Größenvorteile durch Allianzen

Die deutsche Schifffahrtsindustrie hat die Krise noch nicht überwunden. Die meisten Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Frachtraten in den nächsten zwölf Monate wieder sinken werden. Das geht aus einer Umfrage der Strategieberatung Roland Berger unter Linien-Reedereien, Charter-Reedereien, Emissionshäusern und Banken hervor. Die Teilnehmer repräsentieren mehr als 1000 Schiffe, mehr als 3 Mrd. Euro emittiertes Eigenkapital in den letzten fünf Jahren sowie eine Kreditsumme von mehr als 80 Mrd. Euro. Ergebnis: Die Mehrzahl der Studienteilnehmer beurteilt die Situation bei Bulkern und MPV als besonders kritisch, aber auch Containerschiffe und Tanker sind betroffen. Mit einer Markterholung auf das Vorkrisenniveau rechnen die Befragten frühestens Mitte 2011, für Bulker sogar erst Ende 2012.

Einig sind sich die Teilnehmer auch darin, dass Wettbewerb und Marktkonzentration weiter zunehmen werden. Die geplanten Konsequenzen sind unterschiedlich: Charterreedereien wollen verstärkt auf die Verlagerung ins Ausland sowie Spezialschiffe setzen, Linienreedereien dagegen auf Größenvorteile durch Allianzen. Die Schiffsfinanzierung steht vor einem radikalem Umbruch: Die Platzierungen von Schifffonds ist eingebrochen, die Banken haben ihre Eigenkapitalanforderungen deutlich erhöht.

"In der Krise sind die Transportmengen im Schnitt um etwa fünf bis zehn Prozent zurückgegangen", sagt Nils von Kuhlwein, Partner im Kompetenzzentrum Corporate Performance bei Roland Berger Strategy Consultants. "Und auch wenn sich in den meisten Fahrtgebieten die Nettofrachterlöse langsam wieder erholen, glaubt die Mehrheit der von uns befragten Unternehmen, dass die Frachtraten in den nächsten zwölf Monaten wieder sinken werden." Bei Bulkern und Multi Purpose Vessels (MPV) sehen mehr als 75 Prozent der Befragten das Risiko wieder sinkender Charterraten. "Die Brancheninsider bewerten dabei die Marktaussichten für Container und Tanker am besten", sagt von Kuhlwein.

"Aber auch hier überwiegen mit mehr als 60 Prozent die konservativen Einschätzungen deutlich." Die Befragten rechnen damit, dass MPV die Krise am schnellsten hinter sich lassen und bereits ab Mitte 2011 wieder das Vorkrisen-Niveau von Ende 2008 erreichen werden. Den Containern und Tankern trauen sie das erst 2012, Bulkern sogar erst Ende 2012 zu.

Weitere Marktkonsolidierung und mehr Wettbewerb

Charterreedereien, Linien-Reedereien, Emissionshäuser und Banken rechnen übereinstimmend damit, dass Marktkonsolidierung und Wettbewerb weiter zunehmen werden. Die Konsequenzen, die sie daraus ziehen wollen, sind jedoch unterschiedlich. "Charterreedereien setzen auf Verlagerung ins Ausland sowie Spezialschiffe, die Linienreedereien dagegen auf Größenvorteile durch Allianzen", sagt von Kuhlwein.

Reeder: Zwischen Kostensenkung und Status quo

Die Krise hat bei den Reedern zu Liquiditätsengpässen geführt, auf die die Linienreedereien mehrheitlich mit Kostensenkungsmaßnahmen reagiert haben - besonders in den Bereichen Terminals, Transportkosten und Bunker. Um sich auf die nächste Krise vorzubereiten, setzen sie maßgeblich auf höhere Liquiditätsreserven und stärkeres Kostencontrolling. Die Charterreedereien haben dagegen nur in geringem Ausmaß operative Maßnahmen zur Kostensenkung ergriffen und sich auf finanzielle Maßnahmen wie Liquiditätsmanagement und Tilgungsstundung konzentriert. Die befragten Charterreedereien sehen nur geringen strategischen Handlungsbedarf. "Das legt nahe, dass die Charterreeder überwiegend am Status quo festhalten werden", sagt von Kuhlwein.

Schiffsfinanzierung vor radikalem Umbruch

In der Krise ist die Platzierung von Schifffonds eingebrochen.
Anleger sind derzeit bestenfalls noch zu Investitionen in Bulker oder Spezialschiffe bereit. Die Emissionshäuser haben die Krise besonders durch Tilgungsstundung überwunden. Sie setzen deshalb operativ auf intensives Controlling und die Bildung von Liquiditätsreserven. Strategisch wollen sie künftig ihre Marktanteile ausbauen und sich in Nischenmärkten positionieren.

"Bei den befragten Banken hat die Krise tiefe Spuren in den Bilanzen hinterlassen", sagt von Kuhlwein. "Derzeit befinden sich rund 29% ihres Schiffskreditportfolio im Workout, also in der Restrukturierung oder Abwicklung - das summiert sich auf einen Betrag von insgesamt rund 23,7 Mrd. Euro." Mit den Maßnahmen ihrer Kunden in der Schifffahrtsindustrie, die Krise zu überwinden, sind die Banken daher überwiegend unzufrieden. Handlungsbedarf sehen sie besonders im Liquiditätsmanagement, bei den operativen Kosten und strategischen Maßnahmen. "Besonders in der Finanzierung von Containerschiffen sind die Eigenkapitalanforderungen deutlich gestiegen. Die Befragten sehen Eigenkapitalquoten von jenseits 50% in Zukunft als durchaus realistisches Szenario. "Durch die Krise haben sich die Bedingungen, unter denen Banken Schiffskredite vergeben, nachhaltig verändert", sagt von Kuhlwein. "In der Zukunft werden harte Sicherheiten bei der Kreditbesicherung wie etwa Kontenverpfändungen oder Kreditversicherungen immer wichtiger. Bürgschaften durch Bund oder Länder werden dagegen an Bedeutung verlieren."

Die komplette Studie können Sie kostenfrei herunterladen unter:
www.rolandberger.com/pressreleases
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter unter:
www.rolandberger.com/press-newsletter
Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 36 Büros in 25 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. 2.000 Mitarbeiter haben im Jahr 2009 einen Honorarumsatz von mehr als 616 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von rund 180 Partnern.

Sebastian Deck | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.rolandberger.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten