Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prognostische Tests zur Vermeidung von Über- oder Untertherapie bei Brustkrebs

10.12.2013
Eine Studie zur Aussagekraft des genetischen Fingerabdrucks eines Tumors wird auf dem Brustkrebs-Kongress in San Antonio vorgestellt

Das Brustzentrum am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) unter Leitung von Prof. Dr. Nadia Harbeck bietet gemeinsam mit dem Pathologischen Institut der LMU (Direktor: Prof. Dr. Thomas Kirchner) als erstes Zentrum in Deutschland und eines der ersten Zentren in Europa Patientinnen mit frühem Brustkrebs seit September 2013 den Prosigna® Test zur Einschätzung des individuellen Rückfallrisikos an.

Im Rahmen der BCIST-Studie der Westdeutschen Studiengruppe (WSG) erhalten postmenopausale Patientinnen mit einer hormonempfindlichen Brustkrebserkrankung ohne axillaren Lymphknotenbefall kostenlos Zugang zu diesem neuen vielversprechenden Gentest, der helfen soll, eine Übertherapie durch Chemotherapie zu vermeiden.

Der Prosigna® Test (Nanostring Technologies) ist ein neuer multianalytischer, auf der PAM 50 Gen Signatur basierter Test, der in den USA bereits von der FDA (Food and Drug Administration) zugelassen und in Europa CE zertifiziert ist. Mit diesem Test kann nicht nur das Rückfallrisiko der einzelnen Patientin abgeschätzt werden, er gibt zudem als erster Test auch Auskunft über den biologischen Subtyp des Tumors – eine Information, die für den betreuenden Arzt für die weitere Therapieentscheidung unbedingt notwendig ist und nicht nur Übertherapie vermeidet, sondern auch vor Untertherapie schützt.

Ziel der BCIST-Studie ist es, den psychologischen Effekt des Test-Einsatzes bei der Erstdiagnose auf Ärzte sowie Patientinnen zu untersuchen. Deutschlandweit sollen insgesamt 200 Patientinnen in neun Zentren an dieser Studie teilnehmen.

Brustkrebs ist mit ca. 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Die Brustkrebssterblichkeit konnte in den letzten Jahren insbesondere durch den postoperativen Einsatz vorbeugender Therapien, wie Chemo-, Antihormon- und Immuntherapie, deutlich gesenkt werden. Durch eine verbesserte Früherkennung werden die Tumoren bei Diagnosestellung immer kleiner und etwa 70% der Patientinnen haben keine befallenen Achsellymphknoten.

Die Vermeidung von Übertherapie durch Chemotherapie, aber auch die frühzeitige Feststellung von Resistenzen der Krebszellen gegen moderne Standardtherapien, sind daher die wissenschaftlichen Fragestellungen dieses Jahrzehnts. Der Einsatz vorbeugender Therapien orientiert sich am Rückfallrisiko (Prognose) der Patientin. Dieses wird derzeit anhand der klassischen Prognosefaktoren (Tumorgröße, Lymphknotenbefall, Hormonempfindlichkeit, Her2-Überexpression, Alter, etc.) ermittelt. Ab einem 10-Jahresrückfallrisiko von 10% wird einer Patientin eine vorbeugende Chemotherapie empfohlen. Derzeit erhalten ca. 80% aller Brustkrebspatienten eine vorbeugende Chemotherapie und/oder Antihormontherapie.

Prognoseeinschätzung durch Genanalyse des Tumors
Die herkömmliche Prognoseabschätzung beinhaltet die Inkaufnahme eines hohen Grades an Überbehandlung, insbesondere bei Patientinnen mittleren und niedrigen Rückfallrisikos. Um die Prognoseabschätzung zu optimieren und so die Gefahr einer Überbehandlung zu reduzieren, wurden prognostische Tests entwickelt, die den „genetischen Fingerabdruck“ des Tumors prüfen. Hier werden insbesondere Gengruppen bestimmt, die direkt mit der Wachstumsaktivität (= Aggressivität) des Tumors verbunden sind. Kommerziell sind derzeit in Deutschland drei Gentests erhältlich.
In Deutschland wurden und werden diese Tests unter Federführung der Westdeutschen Studiengruppe (WSG) in verschiedenen Studien evaluiert (PlanB, MINDACT, ADAPT). Je nach Studie konnte den Teilnehmerinnen in mindestens 20% bis über 50% der Fälle eine Chemotherapie erspart werden.

„Der Prosigna-Test ist ein wissenschaftlicher Durchbruch für die individualisierte Therapie bei Brustkrebs. Wir sind sehr stolz, als erste Pathologie in Deutschland, diesen Test anbieten zu können“ sagte Prof. Karl Sotlar, der als Pathologe die Studie an der LMU München betreut und die Testung für alle 9 Studienzentren durchführt. Frau Prof. Harbeck, die die deutschlandweite BCIST-Studie leitet, ergänzt: „dieser Test ermöglicht uns ein besseres Verständnis der Tumorbiologie bei frühem Brustkrebs – wir hoffen dadurch, die Gefahr einer Übertherapie durch eine vorbeugende Chemotherapie bei unseren Patientinnen deutlich senken zu können.“

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Nadia Harbeck
Leitung des Brustzentrums der Universität München
Studienleitung BCIST Studie
Standorte: Frauenkliniken Großhadern und Maistrasse-Innenstadt
Postadresse: Brustzentrum, Universitätsfrauenklinik
Klinikum Großhadern, Marchioninistr. 15, 81337 München
T: +49 (0)89/7095-7581
F: +49 (0)89/7095-7582
Prof. Dr. med. Karl Sotlar
Stellv. Institutsdirektor
Pathologisches Institut
Ludwig-Maximilians-Universität München
Thalkirchner Straße 36
80337 München
T: +49 (0)89/2180 - 73706
F: +49 (0)89/2180 - 73604
E-mail: Karl.Sotlar@med.uni-muenchen.de
www: http://pathologie.web.med.uni-muenchen.de
NanoString Technologies bietet Life-Science-Tools für translationale Forschung und molekulare Diagnostik an. Das nCounter®-Analyse-System des Unternehmens, das seit 2008 in der Grundlagenforschung und der translationalen Forschung eingesetzt sowie in mehr als 300 peer-reviewten Publikationen zitiert wurde, wurde nun auch im diagnostische Betrieb als nCounter Dx Analyse System angewandt. Die Technologie des Unternehmens bietet eine kosteneffektive Möglichkeit auf einfache Weise das Expressionsprofil von hunderten von Genen, miRNAs oder Streuung der Kopienzahl gleichzeitig mit hoher Empfindlichkeit und Präzision zu bestimmen. Ebenso ermöglicht die Technologie eine Vielzahl von Anwendungen in der Grundlagenforschung und der translationalen Medizin, einschließlich der Entdeckung von Biomarkern und der Validierung. Der nCounter-basierte prognostische Prosigna™ Brustkrebs Gen-Signatur-Test ist der erste diagnostische in-vitro-Test, der über das Diagnostik-Geschäft des Unternehmens vermarktet wird. Das nCounter Dx Analyse System ist durch die FDA (510(k)) für die Verwendung mit dem prognostischen Prosigna™ Brustkrebs Gen-Signatur-Test freigegeben. Zur Verwendung mit anderen Tests oder für andere Indikationen wurde das System von der FDA bisher nicht freigegeben. Weitere Informationen finden Sie unter www.nanostring.com.
Westdeutsche Studiengruppe GmbH (WSG):
Die Westdeutsche Studiengruppe GmbH (WSG) ist eine seit 1995 bestehende nationale Forschungseinrichtung mit den Schwerpunkten Planung, Organisation und Durchführung von klinischen Studien im Bereich Mamma-Karzinom. Die WSG ist eng vernetzt mit anderen nationalen und internationalen Forschungsgruppen. Sie ist Mitglied der „Breast International Group“ (BIG) und ermöglicht ihren Prüfzentren dadurch auf internationalem Niveau früh an Innovationen teilzuhaben. In Deutschland sind in den unterschiedlichen Studien bundesweit 80-150 Brustzentren Partner der WSG. Insgesamt haben bereits mehr als 8000 Patientinnen in mehr als 200 Kliniken und Praxen in Deutschland an klinischen Studien der WSG teilgenommen. Die wissenschaftliche Leitung der WSG obliegt Frau Prof. Dr. U. Nitz, Brustzentrum Niederrhein und Frau Prof. Dr. N. Harbeck, Brustzentrum der Universität München. Ergänzt wird das Leitungsteam durch Herrn Dr. O. Gluz, Brustzentrum Niederrhein, Dr. R. Würstlein, Brustzentrum der Universität München sowie PD Dr. C. Liedtke, Frauenklinik der Universität Lübeck. Mehr Informationen finden Sie auf www.wsg-online.com.
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2012 an den Standorten Großhadern und Innenstadt 473.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Den 45 Fachkliniken, Instituten und Abteilungen sowie den 45 interdisziplinären Zentren stehen 2.080 Betten zur Verfügung. Von insgesamt über 10.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner und 3.400 Pflegekräfte. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2012 rund 78 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an fünf Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 596, 684, 914), an drei Transregios (TR 05, 127, 128), zwei Forschergruppen (FOR 535, 809) sowie an zwei Graduiertenkollegs (GK 1091, 1202) beteiligt. Hinzu kommen die vier Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP), „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) und „Munich Cluster for Systems Neurology“ (SyNergy) sowie die Graduiertenschulen „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU) und „Graduate School of Quantitative Biosciences Munich (QBM)“.

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise