Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Preiswerte Wunderpille gegen Herzinfarkt und Schlaganfall?

26.05.2010
Eine Tablette pro Tag und schon gibt es weniger Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

In Irland, den Niederlanden und im Vereinigten Königreich ist man derzeit auf der Suche nach Freiwilligen, die an einer zweijährigen Studie zur "Polypille" teilnehmen wollen. Diese Pille soll nämlich Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen.

Die Studie wird teilweise durch das UMPIRE-Projekt ("Use of a multidrug pill in reducing cardiovascular events") finanziert, das aus dem Themenbereich "Gesundheit" des Siebten EU-Rahmenprogramms (RP7) Mittel in Höhe von 3 Mio. EUR erhalten hat.

Häufigste Todesursache weltweit sind kardiovaskuläre Erkrankungen - soweit die Realität. Zielgruppe der UMPIRE-Projektpartner sind Menschen, die mit dem Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen leben oder bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden mussten. Die Wissenschaftler erhoffen sich aus der Studie zu erfahren, ob diese Patienten zur Prävention kardiovaskulärer Zwischenfälle lieber eine einzige Tablette schlucken wollen oder eher an ihrer üblichen Routine der Einnahme mehrerer Tabletten hängen.

Die neue, ursprünglich in Indien entwickelte, kostengünstige Pro-Tag-eine-"Polypille" (auch als "Red Heart Pill" bekannt) enthält niedrig dosiertes Aspirin, ein Statin (Cholesterinsenker) und zwei den Blutdruck senkende Medikamente. Diese Arzneimittel werden bisher einzeln verschrieben - gemeinsam eingenommen können sie das Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko einer Person halbieren. Dieser Vorteil kann jedoch nicht ausgenutzt werden, wenn die Patienten das Medikament nur für kurze Zeit einnehmen. Derzeit gelingt es vielen Leuten nicht, die Tabletten langzeitig ununterbrochen einzunehmen.

"Die Idee der Polypille ist wirklich recht einfach: Sie soll es den Leuten einfacher machen, die notwendige Medikation zu bekommen, indem sie täglich nur eine Polypille anstatt vieler verschiedener Pillen - möglicherweise auch noch zu verschiedenen Zeitpunkten - einnehmen müssen", erläutert Professor Simon Thom vom National Heart and Lung Institute am Imperial College London im Vereinigten Königreich.

Die UMPIRE-Forscher werden außerdem untersuchen, ob die Eine-Tablette-Strategie tatsächlich Blutdruck und Cholesterinspiegel senkt, und ob sie die Wahrscheinlichkeit weiterer kardiovaskulärer Erkrankungen für die Patienten verringert. Die Resultate der europäischen Studien werden mit parallelen Studien, die in Australien und Neuseeland durchgeführt werden, sowie weiteren Studien zusammengefasst, auf deren Genehmigung man in Brasilien, Kanada, China, Indien und Südafrika wartet. Die endgültigen Daten repräsentieren dann 7.000 Patienten aus 10 Ländern.

"Wahrscheinlich kann die Kombination von Medikamenten in einer Polypille den Menschen in ärmeren Ländern einen leichteren Zugriff auf billige vorbeugende Medikamente ermöglichen", gibt Professor Thom zu bedenken.

Die sehr niedrigen Kosten machen die Red-Heart-Pille zu einem Retter in der Not für Risikopatienten, die in Ländern leben, in denen der Zugang zum Gesundheitswesen nur beschränkt möglich ist, oder denen die Mittel fehlen, dafür zu bezahlen. Haben die Studien Erfolg, planen die Projektpartner die Suche nach Wegen, um die Polypille für Menschen mit geringem Einkommen in Entwicklungs- und Schwellenländern verfügbar zu machen. Die Forscher gehen davon aus, dass die Polypille einen kostengünstigen Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Millionen Menschen auf der ganzen Welt darstellen könnte.

"Polypillen sind bei der Behandlung anderer Krankheiten wie Tuberkulose und HIV (humanes Immundefizienzvirus) bereits erfolgreich im Einsatz, aber wir wissen noch nicht, ob sie bei Herz-Kreislauf-Problemen ebenso wirksam sind", erklärt Professor Thom. "Die UMPIRE-Studie soll letztlich prüfen, ob die Polypille den Menschen dabei behilflich ist, langfristig ihre Herz-Kreislauf-Medikamente einzunehmen und ob es bei diesem Ansatz irgendwelche unerwarteten Probleme geben könnte."

Kliniken des Imperial College Healthcare NHS (National Health Service) Trust, des Royal College of Surgeons in Irland, des University Medical Centre Utrecht, Niederlande, des George Institute, Indien, des Centre for Chronic Disease Control in New Delhi, der Public Health Foundation of India, des George Institute for International Health, Sydney, Australien und der Dr. Reddy's Laboratories, Indien, werden ungefähr 2.000 Freiwillige rekrutieren.

Weitere Informationen unter:

Imperial College London:
http://www3.imperial.ac.uk/
Mehr Informationen zur Teilnahme an den klinischen Studien zur Polypille finden Sie hier: http://www.georgeinstitute.org/major-collaboration-investigates-four-one-polypill
Weitere Informationen zu EU-finanzierter Gesundheitsforschung
http://ec.europa.eu/research/health/index_en.html

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://www3.imperial.ac.uk/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten