Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Partnerschaftliche Entscheidungen gewünscht

09.10.2009
Ergebnisse einer Studie mit Brustkrebs-Patientinnen

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland. Jedes Jahr erkranken über 57.000 Frauen neu daran. Die Diagnose ist meist ein großer Schock für die Betroffenen.

Eine qualitative Studie des Instituts für Gesundheitswissenschaften der Technischen Universität Berlin hat jetzt untersucht, wie die Patientinnen die Diagnose verarbeiten und in wie weit sie bei der Therapiewahl mitentscheiden wollen. Das Ergebnis: Ein gleichberechtigter Dialog zwischen Arzt und Patientin ist für viele betroffene Frauen besonders wichtig. Diese emotionale Unterstützung kann die Krankheitsbewältigung deutlich verbessern.

In der Praxis fühlen sich die Patientinnen jedoch oft nicht ausreichend durch den Arzt informiert und in die Entscheidungen miteinbezogen. Die Deutsche Krebshilfe hat das Projekt mit rund 100.000 Euro gefördert.

In der Studie wurden Brustkrebs-Patientinnen rückblickend zu ihrer Entscheidungsfindung bei der Therapiewahl befragt. Zudem berichteten Experten aus den Bereichen Versorgung, Rehabilitation, Beratung und Selbsthilfe über ihre Sicht auf das Verhalten der betroffenen Frauen. Das Ergebnis: Es gibt zwei Gruppen von Brustkrebs-Patientinnen, die sich in grundsätzlichen Aspekten unterscheiden. Die eine Gruppe gibt den Ärzten einen Vertrauensvorschuss und lässt sie über den Behandlungsweg entscheiden. Die anderen Patientinnen haben das Bedürfnis, sich bereits vor der Behandlung mit der Krankheit auseinanderzusetzen und bei der Therapiewahl mitzubestimmen.

"Der Stil der ersten Gruppe lässt sich als 'handlungsorientiert' definieren, charakterisiert durch die Aussage: 'Sofort eingreifen!'", erklärt die Leiterin der Studie, Professor Dr. Ulrike Maschewsky-Schneider von der Berlin School of Public Health an der Charité. Diese Patientinnen erwarten, durch möglichst schnelles Handeln ihr Gefühl von Sicherheit zurückzuerlangen, das durch die Diagnose Krebs erschüttert ist. Ihre Entscheidungswege sind kurz, ihr Wunsch nach Information eher gering. Diese Patientinnen waren mit der Therapie überwiegend zufrieden.

Im Gegensatz dazu sahen sich die Patientinnen der anderen Gruppe sowohl von der Erkrankung als auch von der Therapie bedroht. "Sie waren eher skeptisch gegenüber der Medizin und wünschten sich, von den Behandelnden ausreichend informiert und in die Entscheidungen miteinbezogen zu werden", erläutert Regina Stolzenberg, die die Studie zusammen mit Maschewsky-Schneider an der Technischen Universität Berlin durchführte. Diese so genannten gesprächsorientierten Patientinnen hätten es jedoch schwer gehabt, im Versorgungssystem ausreichende Informationen und Gesprächsmöglichkeiten zu erhalten. Dies habe dazu geführt, dass ein Teil der Betroffenen selber aktiv wurde, um die Defizite auszugleichen: Sie erkundigten sich im Internet oder befragten Bekannte, nahmen Zweitmeinungen in Anspruch oder wechselten den Arzt oder das Krankenhaus.

"Diese Aktivitäten wirkten sich zwar positiv auf den Krankheitsverlauf aus und die Frauen waren ein bis vier Jahre nach der Behandlung zuversichtlich und emotional stabil", erklärt Stolzenberg. "Allerdings wurde diese Eigeninitiative von den Patientinnen oft als belastend empfunden, so dass sie sich unzufriedener über die Betreuung und Therapie äußerten." Besonders schwierig sei es für diejenigen Frauen, die sich mehr Informationen wünschten, diese aber nicht selber finden konnten. "Sie fühlten sich ausgeliefert und wiesen eine schlechtere psychische Befindlichkeit auf", sagt Stolzenberg. "Zwar sind die Rechte und Einflussmöglichkeiten von Patienten und Patientinnen in den letzten Jahren deutlich gestärkt worden, doch die Studie zeigt noch erhebliche Defizite in deren Umsetzung auf: Krebs-Patienten brauchen einen Pfad des Vertrauens, auf dem sie ihre Entscheidungen treffen können", betont die Gesundheitswissenschaftlerin. Dafür bedürfe es einer besseren Kommunikation im Arzt-Patienten-Verhältnis und weiterer, in die Versorgung integrierter Gesprächsmöglichkeiten.

Infokasten: Arzt und Patient als Partner

Die Deutsche Krebshilfe gibt den blauen Ratgeber "TEAMWORK - Krebs-Patienten und Ärzte als Partner" heraus. Diese Broschüre gibt Betroffenen konkrete Hilfen für ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch. Speziell für Ärzte gibt es das Faltblatt "TEAMWORK - Arztexemplar". Die Ratgeber können kostenlos bestellt werden bei der Deutschen Krebshilfe e.V., Buschstr. 32, 53113 Bonn oder im Internet unter http://www.krebshilfe.de heruntergeladen werden.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise