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Neue Studie zur finanzwirtschaftlichen Lage des bayerischen Mittelstands

15.06.2011
Wie beurteilen mittelständische Firmen in Bayern ihre finanzwirtschaftliche Lage?

Dieser Frage widmet sich eine Studie, die das Betriebswirtschaftliche Forschungszentrum für Fragen der Mittelständischen Wirtschaft (BF/M-Bayreuth) jetzt veröffentlicht hat. Das BF/M-Bayreuth, ein An-Institut der Universität Bayreuth, hat im Jahr 2010 rund 1.000 mittelständische Unternehmen befragt, die ihren Hauptsitz im Freistaat Bayern haben und zum Kundenstamm der Volks- und Raiffeisenbanken zählen. 319 Unternehmen haben mit detaillierten Auskünften geantwortet. Fazit: Die eigene Geschäftslage wird insgesamt, trotz weltweiter Finanzkrise, vom bayerischen Mittelstand als überaus positiv eingeschätzt.

Dipl.-Kfm. Alexander Rauch, der am BF/M-Bayreuth den Bereich Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre leitet, hat das Design der Studie entworfen und die Ergebnisse ausgewertet. Er wurde dabei unterstützt von Dr. Christina Stadler, der Geschäftsführerin des Instituts, sowie von Prof. Dr. Klaus Schäfer, der an der Universität Bayreuth den Lehrstuhl für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre innehat und dem Vorstand des BF/M-Bayreuth angehört.

Optimistischer Blick in die eigene Zukunft

Die bayerischen Mittelstandsunternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, blicken ausgesprochen optimistisch in die eigene Zukunft. Deutlich mehr als 90 Prozent erklären, dass sich ihre allgemeine Geschäftslage, die Auftragslage, der Umsatz, die Gewinnsituation und die Risikovorsorge innerhalb der nächsten 12 Monate „stark verbessern“, „verbessern“ oder „eher verbessern“ werden. Für die Konkurrenzsituation machen 87,1 Prozent diese Angaben. Infolge dieser positiven Erwartungshaltung gehen 32,6 Prozent der Mittelständler davon aus, dass die Zahl ihrer Beschäftigten in den nächsten 12 Monaten steigt; 64,2 Prozent von ihnen wollen im gleichen Zeitraum die Zahl ihrer Beschäftigten nicht verändern.

Im Visier: Eine Erhöhung der Eigenkapital-Quote

Die Ausstattung mit Eigenkapital gilt in der betriebswissenschaftlichen Forschung als wichtiger Hinweis darauf, wie krisenanfällig ein mittelständischer Betrieb ist und wie hoch das Risiko einer Insolvenz einzuschätzen ist. 51,8 Prozent der bayerischen Mittelständler nennen eine Eigenkapital-Quote von unter 20 Prozent, bei 28,9 Prozent liegt die Quote sogar unter 10 Prozent. Daher können diese Unternehmen nicht oder jedenfalls nicht ohne Einschränkung als „wetterfest“ angesehen werden. Die Mittelständler scheinen sich aber der Gefahren, die in einer zu geringen Eigenkapitalausstattung liegen, bewusst zu sein. Insgesamt streben 68 Prozent eine Erhöhung ihrer Eigenkapital-Quote an.

Finanzierungsziele: Kontinuierliches Wachstum in längerfristiger Perspektive

Welche Ziele stehen im Mittelpunkt, wenn es um Finanzierungsentscheidungen geht? Die meisten Unternehmer wollen offenbar an die vorhandene Firmenstruktur und an die bisherige Geschäftspolitik anknüpfen. 90,1 Prozent streben ein „Organisches Wachstum“ an, 70,3 Prozent planen „Ersatzinvestitionen“, 62,1 Prozent steuern „Erweiterungsinvestitionen“ an. Grundlegende Veränderungen, die in die Substanz des Unternehmens eingreifen, sind hingegen in deutlich weniger Betrieben geplant. Nur 27,4 Prozent der Mittelständler wollen Restrukturierungsmaßnahmen finanzieren, und lediglich 2,8 Prozent denken an eine Schließung ganzer Geschäftsbereiche.

Bei ihren Finanzierungsmaßnahmen denken die bayerischen Mittelstandsunternehmen weit über den Tag hinaus. 48,0 Prozent haben bei den Maßnahmen, die sie innerhalb der nächsten 12 Monate tätigen wollen, mittelfristige Ziele im Blick; 41,0 Prozent konzentrieren sich sogar auf langfristige Ziele. Nur 11,0 Prozent nennen kurzfristige Ziele.

Trotz Finanzkrise: Keine verschlechterten Chancen auf einen Bankkredit

Die internationale Finanzkrise hat den bayerischen Mittelstand nicht in eine Kreditklemme geführt. Im Gegenteil: 74,7 Prozent der Unternehmer sind der Auffassung, ihre Chancen auf einen Bankkredit hätten sich nicht verschlechtert; 18,8 Prozent sind sogar der Meinung, sie hätten sich verbessert. Diese positive Einschätzung ist umso auffälliger, als gleichzeitig der Eindruck vorherrscht, die Banken hätten ihre Anforderungen an eine Kreditvergabe erhöht. Möglicherweise wirkt sich die positive Einschätzung der eigenen Geschäftslage auch in der Weise aus, dass eine große Mehrheit der Mittelständler glaubt, den gestiegenen Anforderungen standhalten zu können.

Starkes Vertrauensverhältnis zur Hausbank

Diese Zuversicht wird gestützt durch ein sehr starkes Vertrauensverhältnis zur jeweiligen Hausbank. Die mittelständischen Unternehmen haben ausgesprochen gute Erfahrungen mit dem Kommunikationsverhalten und dem Engagement gemacht, das ihnen die Bankmitarbeiter entgegenbringen. Weniger als 2 Prozent der Mittelständler sehen einen Anlass, ihrer Bank zu misstrauen. Kreditanfragen werden in der Regel zügig beantwortet: 79,5 Prozent der Mittelständler nennen eine Bearbeitungszeit von höchstens drei Wochen, 15,5 Prozent von höchstens zwei Monaten.

Ein deutlicher Nachholbedarf wird allerdings erkennbar, wenn es um die Transparenz des Ratingverfahrens geht, mit dem die Banken – aufgrund einer Vielzahl von Kenngrößen – die Kreditwürdigkeit (Bonität) eines Unternehmens beurteilen. Knapp ein Drittel der Mittelständler sieht sich noch nicht hinreichend über das Rating informiert; nur 18,7 Prozent erhielten eine umfassende Beurteilung ihrer Bonitätsprüfung.

Alternativen zum Bankkredit: Fördergelder und Leasing bevorzugt

Auch hinsichtlich der bevorzugten Finanzierungsformen kommt die Umfrage des BF/M-Bayreuth zu aufschlussreichen Ergebnissen. Wenn ein klassischer Bankkredit nicht in geeigneter Höhe oder nicht unter annehmbaren Rückzahlungsbedingungen akquiriert werden kann, müssen alternative Finanzierungsinstrumente gefunden werden. In diesem Bereich gibt es auch für Mittelstandsunternehmen ein sehr breites Angebot, das z.B. auch Factoring, Mezzanine-Kapital und Debt-Equity-Swap umfasst. Diese Bandbreite wird von den mittelständischen Unternehmen jedoch längst nicht ausgeschöpft. 33,9 Prozent der bayerischen Mittelständler haben Fördergelder in Anspruch genommen, die in der Regel über die Hausbank beantragt wurden. 30,7 Prozent haben sich für Leasing-Maßnahmen entschieden; 23,2 Prozent haben für die Eigenfinanzierung auf den Cash-Flow zurückgegriffen. Alle weiteren alternativen Finanzierungsformen wurden jeweils von deutlich weniger als 5 Prozent der Unternehmen genutzt. Selbst in Fällen, in denen alternative Finanzierungsinstrumente zur beabsichtigten Steigerung der Eigenkapital-Quote beitragen können, zeigen die Mittelständler bisher eine deutliche Zurückhaltung gegenüber einer ganzen Reihe neuartiger Finanzierungsformen.

Sowohl die gesamte Studie als auch eine Kurzfassung können auf Anfrage
bezogen werden bei:
Dr. Christina Stadler
Geschäftsführerin
BF/M-Bayreuth
Parsifalstraße 25
D-95445 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 55-7078
Fax: +49(0)921 55-7070
E-Mail: christina.stadler@bfm-bayreuth.de
Ansprechpartner zum Design und zu den Ergebnissen der Studie:
Dipl.-Kfm. Alexander Rauch
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Bereich Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre
BF/M-Bayreuth
Parsifalstraße 25
D-95445 Bayreuth
Tel.: +49(0)921 55-7075
Fax: +49(0)921 55-7070
E-Mail: alexander.rauch@bfm-bayreuth.de

Christian Wißler | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

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