Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue NRW-Studie zeigt Risiken des Klimawandels auf

28.04.2009
Die Klimazukunft Nordrhein-Westfalens wird risikoreicher. Die Hochwassergefahr im Winter nimmt zu, im Sommer sind häufigere Trockenheiten zu erwarten, zeigt eine Studie von Wissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) im Auftrag des Landesministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV).

Die Forscher haben Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Regionen und Sektoren in NRW untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen Bedarf für zukunftsweisende Politik auf.

"Die Klimaveränderungen laufen schneller ab als angenommen", sagt Jürgen Kropp, der Leiter der Studie vom PIK. Darauf müsse man sich auch in Deutschland einstellen. Das Forscherteam um Kropp hat zwischen Mai 2008 und April 2009 die Verwundbarkeit von sieben Sektoren wie zum Beispiel Gesundheit, Tourismus, Land- und Forstwirtschaft, oder Naturschutz in Nordrhein-Westfalen (NRW) untersucht. In der Studie, die am Mittwoch durch das PIK veröffentlicht wurde, zeigen die Wissenschaftler zudem auf, welche Möglichkeiten zur Anpassung bestehen.

Ihre Modellierungen zeigen, wie viel Wasser die Flüsse NRWs zukünftig führen werden. Im Winter ist aufgrund stärkerer Niederschläge mit stärkeren Abflüssen, also auch mit erhöhter Hochwassergefahr zu rechnen. Im Sommer kehrt sich dieser Effekt um: Das Risiko für Niedrigwasser in den Flüssen nimmt zu, was unter anderem den Energiesektor betreffen würde, der auf ausreichend Flusswasser für Kühlzwecke angewiesen ist. Zudem kann aufgrund der Erwärmung und der damit verbundenen erhöhten Verdunstung in einigen Regionen die Grundwasserneubildung abnehmen.

Die Erwärmung begünstigt auch die Verbreitung von Krankheitserregern, die durch Mücken oder Zecken übertragen werden sowie die Verbreitung von Allergie auslösenden Pflanzen. Zudem könnten im Sommer häufiger Hitzewellen auftreten, was ein Risiko für ältere Menschen darstellt. Besonders deutlich wirkt sich dies in den Ballungszentren des Ruhrgebiets aus. Maßnahmen wie Grünflächen anzulegen, die Temperatur in öffentlichen Gebäuden zu regeln und Verhaltensänderungen der Betroffenen könnten dieses Risiko jedoch minimieren, berichten die Wissenschaftler.

Gewinner und Verlierer

Während der Sommertourismus durch die Zunahme von Sommertagen mit Temperaturen über 25 Grad Celsius profitieren könnte, wird Skitourismus in NRW trotz künstlicher Beschneiung nur noch eingeschränkt möglich sein. Nicht nur die natürlichen Schneetage nehmen deutlich ab, sondern auch die Tage, an denen Kunstschnee produziert werden könnte: Bis 2020 um bis zu 30 Prozent, bis 2050 sogar um bis zu 55 Prozent. "Der Skitourismus im Sauerland ist ein Auslaufmodell", sagt Kropp.

In der Natur wirkt sich der Klimawandel bereits deutlich aus. Die Wachstumsphasen einiger Pflanzenarten im Jahresverlauf beginnen heute bereits um einige Tage früher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Auch die Artenzusammensetzung könnte durch Klimawandel und Landnutzungsänderungen deutlich verändert werden. Die landwirtschaftlichen Ertragsaussichten für NRW sind insgesamt günstig. Trotz zunehmender Verdunstung wird in den meisten Regionen wahrscheinlich ausreichend Wasser vorhanden sein.

Häufigere und stärkere Stürme könnten jedoch speziell die besonders anfälligen monokulturellen Forstflächen in den Höhenlagen der Mittelgebirge gefährden. Das zeigt ein am PIK entwickelter Sturmwurfindex. Da auch die Waldbrandsaison künftig länger wird, steigt insgesamt das Waldbrandrisiko. Die Klimaänderungen haben aber zunächst keinen starken Einfluss auf das Wachstum der Wälder in NRW. Um dies abschließend beurteilen zu können, müsste genauer untersucht werden, wie sich die Konkurrenz zwischen einzelnen Arten zukünftig auswirken wird.

Kontakt:
Dr. Jürgen Kropp/Anne Holsten
E-Mail: kropp[at]pik-potsdam.de
Tel.: 0331 288-2526/-2689
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die PIK-Pressestelle:
Tel.: 0331/288 25 07
E-Mail: presse@pik-potsdam.de

Patrick Eickemeier | idw
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de
http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/klimawandel/index.php
http://www.pik-potsdam.de/research/research-domains/climate-impacts-and-vulnerabilities/research/research-field-2-1/nsp/pubs/nrw-study-

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics