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Neue Erkenntnisse zu Einfluss emotionaler Bilder aufs Gehirn

15.11.2011
Wissenschaftler der Universität Leipzig haben in einer Studie neue Erkenntnisse über den Einfluss emotionaler Ereignisse und Bilder auf das menschliche Gehirn gewonnen.

Eine Arbeitsgruppe von Psychologen um Prof. Dr. Matthias Müller fand in ihren mehrjährigen Forschungen heraus, dass emotionale Bilder oder Ereignisse in unserer Umwelt vom Gehirn immer wahrgenommen werden – egal, was man zum entsprechenden Zeitpunkt gerade tut. Ihre Forschungsergebnisse wurden vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift "The Journal of Neuroscience" veröffentlicht.

Die Wissenschaftler konnten mit Hilfe von Gehirnstrommessungen (EEG) zeigen, dass selbst die sehr kurze Präsentation von emotionalen Bildern die Aufmerksamkeit von einer Aufgabe, die die Probanden im Experiment lösen mussten, ablenkt. Die Folge waren deutliche Leistungseinbrüche bei der Lösung dieser Aufgabe. "Dieser Leistungseinbruch dauert bis zu einer Sekunde nach Darbietung eines emotionalen Stimulus, was unter gewissen Umständen - wie etwa beim Autofahren - eine gefährliche lange Zeit ist", sagt Prof. Müller. Wurden den Probanden neutrale Bilder gezeigt, sei dieser Effekt der Ablenkung nicht eingetreten.

Die Ergebnisse liefern eine Antwort auf eine seit Jahren in den Neurowissenschaften kontrovers diskutierte Frage, ob emotionale Stimuli in der Umwelt automatisch wahrgenommen werden oder dies nur unter ganz bestimmten Umständen der Fall ist. Besonders spektakulär ist die neue Erkenntnis, dass die Ablenkung von der zu lösenden Aufgabe eigentlich erst dann erfolgt, wenn das emotionale Bild nicht mehr zu sehen ist. Dies konnte bisher so noch nie nachgewiesen werden. Daraus kann geschlossen werden, dass ein emotionaler Stimulus in unserer Umwelt dazu führt, dass das Gehirn die Aufmerksamkeit darauf lenkt.

Anscheinend kann dann der einmal angestoßene Vorgang, den Inhalt des Bildes weiter zu analysieren, nicht mehr unterbrochen werden. Dies lenkt nach Angaben Müllers immer die Aufmerksamkeit des Betrachters auf dieses Bild. Dadurch kann er sich nicht mehr auf seine zu lösende Aufgabe konzentrieren. Die Folge sind Fehler und Leistungsverminderungen.

Diese Verschiebung von Aufmerksamkeitsressourcen hin zum emotionalen Stimulus und wieder zurück zur eigentlichen Aufgabe ist der Studie zufolge ein relativ langsamer Vorgang, der bis zu einer Sekunde nach Darbietung des emotionalen Bildes dauern kann. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Werbeplakat am Straßenrand mit einem emotionalen Bild wahrscheinlich dazu führt, dass die Aufmerksamkeit vom Verkehr hin zu dem Plakat verschoben wird. "Damit steigt das Risiko, genau in dieser Zeit entweder einen Fahrfehler zu machen oder nicht zu merken, wenn der Vordermann bremst", erklärt Prof. Müller.

Emotionale Bilder werden in unserer Gesellschaft gezielt eingesetzt, um das Verhalten ihrer Betrachter in eine bestimmte Richtung zu lenken. Schockierende Bilder sollen beispielsweise Raucher zur Aufgabe ihres Lasters bewegen.

Ein bekannter Bekleidungshersteller bekam vor ein paar Jahren mit seiner Werbekampagne mit angenehmen, aber auch schockierenden Bildern sehr viel Aufmerksamkeit und entfesselt eine Diskussion über Ethik in der Werbung.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Matthias Müller
Telefon: +49 341 97-35962
E-Mail: m.mueller@rz.uni-leipzig.de

Susann Huster | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~psycho

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