Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mundhygiene gut erklärt – Individuelle Hinweise motivieren mehr

24.02.2012
Die Bedeutung individueller Mundhygieneinstruktionen spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau von Hygienefertigkeiten.

Auf die Bedeutung individueller Mundhygieneinstruktionen weist eine jüngst veröffentlichte Studie aus dem Institut für Medizinische Psychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Leitung von Frau Prof. Deinzer hin.

Die Wissenschaftlerinnen hatten Studierende per Zufall vier verschiedenen Instruktionsbedingungen zugeordnet. Eine Gruppe erfuhr über eine Patientenbroschüre, wie sie die Zähne am besten von Zahnbelägen befreien soll. Einer zweiten Gruppe wurden die gleichen Informationen standardisiert mündlich durch eine angehende Zahnärztin vermittelt.

Bei der dritten Gruppe kannte die angehende Zahnärztin die individuellen Hygienedefizite ihres Gegenübers und ging speziell darauf ein. Eine Kontrollgruppe erhielt keine Instruktion zur Mundhygiene sondern zu einem anderen medizinischen Thema. Vor der Instruktion hatten alle Probanden einen professionelle Zahnreinigung erhalten, um gleiche Mundhygiene- und Mundgesundheitsbedingungen herzustellen. Vier Wochen nach der Instruktion wurden die Mundhygienefertigkeiten und die Zahnfleischgesundheit der Probanden erfasst. Die besten Erfolge stellten sich dabei in der Gruppe mit der individualisierten Information ein.

Damit wurde nun erstmals in einer randomisierten kontrollierten Studie gezeigt, dass die Vermittlung von Hygienefertigkeiten am besten individualisiert erfolgen sollte. Weiter geht hervor, dass dieser individualisierte Zugang weniger die Fertigkeiten verbessert als das Mundhygieneverhalten selbst. Die Hygienefertigkeiten der Probanden waren auch nach der Intervention weit von dem entfernt, was zahnärztlich erwünscht ist. Offensichtlich hatten aber die Probanden mit der individuellen Instruktion in der vierwöchigen Wartezeit nach der Zahnreinigung und der Instruktion am gründlichsten geputzt, denn sie wiesen danach die geringste Rate an neuen Zahnfleischentzündungen auf.

Auf Mängel in der Mundhygiene weisen auch die Daten der vierten Deutschen Repräsentativerhebung zur Mundgesundheit (Deutsche Mundgesundheitsstudie IV) hin, die bei über 90% der untersuchten Erwachsenen Zahnfleischentzündungen nachweisen konnte. Die Studie der Arbeitsgruppe von Frau Prof. Deinzer zeigt, dass auch Angehörige höherer Bildungsschichten möglicherweise gar nicht über die notwendigen Fertigkeiten verfügen, um solche Erkrankungen zu vermeiden. In weiteren Studien untersucht die Arbeitsgruppe daher in multidisziplinärer Zusammenarbeit mit Zahnmedizin und Bewegungswissenschaften, mit welchen Methoden man Mundhygienefertigkeiten weiter verbessern kann.

Diese multidisziplinäre Zusammenarbeit liegt Frau Prof. Deinzer, die zugleich Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie ist, besonders am Herzen. „Gesundsein und gesund werden ist nie nur eine Frage der körperlichen Verfassung. Oft sind psychologische und soziale Faktoren bedeutsam, in unserem Beispiel spielen sogar motorische Fertigkeiten eine Rolle. Es lohnt sich daher, die verschiedenen Disziplinen an einen Tisch zu holen und gemeinsam zu überlegen und zu erforschen, wie man Fortschritte zum Nutzen der Patienten erreichen kann.“

Publikationsverweis:
Harnacke D, Beldoch M, Bohn GH, Seghaoui O, Hegel N, Deinzer R (2012). Oral and Written Instruction of Oral Hygiene: A Randomized Trial. J Periodontol. 2012 Jan 20 (Epub), doi:10.1902/jop.2012.110550, PMID:22264206.
Kontakt zur Autorin:
Prof. Dr. Renate Deinzer, Institut für Medizinische Psychologie, Justus-Liebig-Universität Gießen, Friedrichstraße 36, 35392 Gießen. Tel.: 0641 99 45680, Fax: 0641 99 45689
Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie http://www.dgmp-online.de:

Prof. Dr. Peter Kropp, Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsmedizin, Gehlsheimer Straße 20, 18147 Rostock http://www.imp.med.uni.-rostock.de

Prof. Dr. Peter Kropp | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgmp-online.de
http://www.imp.med.uni.-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten