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Menschliches Genom als Atlas der Geographie

01.09.2008
Gen-Diversität in Europa sehr klein

Die Gene eines Europäers geben ganz genau Auskunft darüber, wo ein Mensch geboren wurde. Zu diesem Schluss kommt eine Studie eines Forscherteams der University of California in Los Angeles UCLA.

Die Genauigkeit der Abstammung ließe sich auf wenige hundert Kilometer genau bestimmen. So könnte man einen Finnen von einem Dänen und einen Deutschen von einem Briten genau unterscheiden, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner Online-Ausgabe. In Zukunft hoffen die Forscher könnte man dieses Wissen in der Medizin nutzen.

"Es zeigt uns deutlich, dass die Geographie sehr wohl eine Rolle spielt", meint der Populationsgenetiker und Studienautor John Novembre. Das bedeute allerdings nicht, dass die Bewohner der europäischen Staaten sozusagen "Mini-Rassen" sind. "Die genetische Diversität in Europa ist sehr niedrig. Da gibt es wirklich nicht sehr viel", meint der Genetiker Manfred Kayser von der Erasmus Universität in Rotterdam, der eine andere Studie geleitet hatte.

Beide Forscherteams haben für ihre Untersuchungen so genannte Single Nucleotid Polymorphismen (SNPs) - das sind einzelne ausgetauschte DNA-Bausteine, die einen Großteil der Variationen im menschlichen Genom ausmachen - unter die Lupe genommen. Obwohl die Forscherteams nicht miteinander arbeiteten, hatten sie zum Teil dieselben DNA-Proben untersucht.

Diese wurden vom Pharmakonzern GlaxoSmithKline für die Suche nach Nebenwirkungen bei Medikamenten genommen worden. Dabei konnte das Forscherteam um Novembre entdecken, dass jene Menschen, die näher beieinander wohnten, auch ähnlichere Genome aufwiesen. Mehr als 500.000 Ausschnitte aus dem Erbgut von mehr als 3.100 Europäern wurden untersucht. Zusätzlich hatten die Forscher die Herkunft der Großeltern oder wenn dies unmöglich war, den Geburtsort registriert.

Als beide Forscherteams tausende Genome untersucht hatten, führten sie eine Analyse durch, bei die Daten zusammengefasst, strukturiert und veranschaulicht wurden. Als die Daten dann auf zwei Achsen dargestellt wurden, erhielten die Forscher eine Karte, die den Umrissen Europas entsprach. Demnach gibt es die größte genetische Vielfalt im südlichen Europa. Für Kayser spiegelt die daraus gewonnene Erkenntnis die Migrationsrate in Europa perfekt wider. In Zukunft sollten solche Gen-Atlanten bei der Suche nach krankmachenden Genveränderungen berücksichtigt werden, meint Novembre.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ucla.edu
http://www.erasmusmc.nl

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