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Menschliches Blickfeld größer als angenommen

07.01.2013
Gehirn bildet Umgebung auch außerhalb des sichtbaren Bereiches ab

Forscher des Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften der Universität Tübingen zeigen, dass wir uns unserer Umgebung auch bewusst sind, wenn wir sie gerade nicht im Blick haben. "Ich kann beispielsweise nach einer Tasse Kaffee auf dem Tisch greifen und dabei in eine ganz andere Richtung schauen", sagt Andreas Bartels, einer der Studienautoren, im pressetext-Gespräch. Wir wissen zum Beispiel während der Lektüre eines Buches, dass die Tür rechts, der Bücherschrank links und das Fenster hinter uns liegen.

Experimente im Raum

"Die Hirnforschung hat bisher nicht gefragt, was mit den Information außerhalb unseres Blickfeldes passiert", sagt Bartels. Man wusste bisher nicht, wo genau im Gehirn der Raum dargestellt wird, der aus unserem Blickfeld verschwindet. Man habe diesen Effekt bisher nur im Gesichtsumfeld erforscht. Menschen prägen sich also die Details im Raum so ein, dass sie wissen, was sich etwa hinter ihnen befindet. Das bedeutet aber nicht, dass wir Änderungen außerhalb unseres Blickfeldes wahrnehmen können.

Einige Versuchspersonen wurden in die Mitte eines virtuellen achteckigen Raumes gestellt. In jeder Ecke wurde ein Gegenstand postiert. Die Gehirnaktivität der Probanden wurde mit Hilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie aufgenommen. Die Testpersonen hatten eines von acht möglichen Objekten im Blick und die Aufgabe, die Position eines zufällig ausgewählten zweiten Objektes im Raum relativ zu seiner derzeitigen Perspektive zu bestimmen.

Erklärung von Neglect-Störungen

Die Gehirnaktivitätsmuster im Parietallappen kodieren die Position der Umgebung zum Menschen. Dieses Resultat passt zum bereits Entdeckten: Gehirnschäden im Parietalcortex können zu schweren Störungen der egozentrischen räumlichen Wahrnehmung führen. Patienten, die an optischer Ataxie leiden, fällt es schwer, zielgerichtete Greifbewegungen auszuführen. Neglect-Patienten mit einer halbseitigen Gehirnschädigung haben Schwierigkeiten, die der Gehirnläsion gegenüberliegende Seite ihrer Umgebung wahrzunehmen.

Oranus Mahmoodi | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.cin.uni-tuebingen.de

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