Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie kann man Krebspatienten an Therapie-Entscheidungen beteiligen?

21.07.2010
Kommunikationstraining für onkologisch tätige Ärzte mit begleitender Studie

Die Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg bietet in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Freiburg seit diesem Jahr Schulungen zum Thema „Shared Decision Making“ (Partizipative Entscheidungsfindung) für onkologisch tätige Ärzte an. Das Kommunikationstraining vermittelt den Ärzten notwendige Kompetenzen, um Krebspatienten bei medizinischen Entscheidungen stärker beteiligen zu können.

Denn gerade, wenn es um langandauernde und eingreifende Behandlungen geht, wollen Patienten mitentscheiden. Dazu müssen sie über medizinische Maßnahmen laiengerecht informiert werden und geeignete Entscheidungshilfen erhalten. Die Schulungen sind kostenlos, setzen aber die Teilnahme an der begleitenden Evaluationsstudie voraus. Teilnehmen können Ärzte, die Brust- oder Darmkrebspatienten behandeln. Das Projekt „Patient als Partner in der Onkologie“ wird von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Die aktuelle Studie unter der Leitung von Frau Dr. Christiane Bieber und Professor Dr. Wolfgang Eich untersucht Wirksamkeit und Nutzen des Kommunikationstrainings für die Arzt-Patienten-Beziehung und soll diejenigen Faktoren identifizieren, die für positive Effekte verantwortlich sind. Dazu werden 50 Onkologen und etwa 400 Patienten mit Brust- oder Darmkrebs einbezogen. Die eine Hälfte der Ärzte erhält die Schulung nach einem anfänglichen Konsultationsgespräch, die andere Hälfte erst nach Abschluss der Nachbefragung. Die Arzt-Patienten-Gespräche werden aufgezeichnet und evaluiert. Nach den Patientengesprächen und drei Monate nach der Audioaufzeichnung müssen Ärzte und Patienten einen Fragebogen ausfüllen, der den Einfluss des Trainings überprüft.

Erprobtes Schulungskonzept

Das Training in „Shared Decision Making“ wurde bereits in zwei Vorläuferstudien entwickelt und evaluiert. Es erfolgt in kleinen Gruppen über 12 Stunden und ist auch vor Ort möglich. In Vorträgen, Rollenspielen und Videoanalysen erlernen die Teilnehmer eine patientenzentrierte Gesprächsführung und Kommunikationstechniken, die ihnen helfen, das Konzept der partizipativen Entscheidungsfindung anzuwenden. „Die Ärzte lernen und üben, wie man Patientenerwartungen und Behandlungsziele ermittelt, wie man über Vor- und Nachteile verschiedener Therapien informiert und welche Entscheidungshilfen man einsetzen kann, um eine gemeinsame Behandlungsentscheidung herbeizuführen“, erklärt Dr. Jennifer Nicolai vom Studienteam Darmkrebs in Heidelberg. „Das sind Gesprächskompetenzen, die nicht Bestandteil anderer Fort- oder Weiterbildungen sind.“

Patienten wollen mitentscheiden

Behandlungserfolge sind besser und Patienten zufriedener, wenn Therapieentscheidungen gemeinschaftlich gefällt werden. Das konnte die Arbeitsgruppe von Professor Eich und Dr. Christiane Bieber bereits 2006 in ihrer Studie an Patienten mit der rheumatischen Erkrankung Fibromyalgie zeigen. Dabei nahmen Patienten, die zusätzliche Informationen erhielten und mit kommunikationsgeschulten Ärzten sprachen, aktiver an ihrer Behandlung teil und bewerteten die Zusammenarbeit mit dem Arzt positiver. Entscheidungskonflikte und Behandlungsstress traten seltener auf und die Patienten konnten besser mit ihren Schmerzen umgehen. Auch die Ärzte beschrieben das Verhältnis zum Patienten als unkomplizierter und kooperativer.

Weitere Informationen über das Projekt „Patient als Partner in der Onkologie“ im Internet:

www.pefmed.de

Am Kommunikationstraining interessierte Ärzte wenden sich bitte an:
Dr. phil. Jennifer Nicolai, Dipl.-Psych.
Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik
Universitätsklinikum Heidelberg
Thibautstr. 2
69115 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 37410
Fax: 06221 / 56 84 50
E-Mail: jennifer.nicolai@med.uni-heidelberg.de
Weitere Informationen über die Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Innere-Medizin-II-Klinik-fuer-Allgemeine-Innere-Medizin-und-Psychosomatik.106653.0.html

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.600 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.400 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics