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Magersüchtige Mütter verstecken sich

29.03.2010
Studie zeigt psychische Belastung von Müttern mit Essstörungen

Für Frauen mit Magersucht oder Bulimie bedeutet es eine erhebliche zusätzliche Belastung, wenn sie Mutter werden. Das berichtet die norwegische Forscherin Kristine Rortveit von der Universität Stavanger.

Sie führte Tiefeninterviews mit Müttern, die von diesen Essstörungen betroffen sind, um den Alltag dieser Patientinnen zu beschreiben. Dabei zeigte sich, dass Störungen wie extreme Diät, zwanghafte Essattacken und Erbrechen vor den Kindern häufig versteckt werden. Zudem leiden viele dieser Frauen an mangelndem Selbstbewusstsein und eigener Abwertung gegenüber anderen.

Viele Magersüchtige unfruchtbar

Mutterschaft ist für viele junge Frauen mit Anorexie gar kein Thema - auch aus biologischen Gründen. Viele der Patientinnen sind so mager, dass eine Schwangerschaft gar nicht möglich ist. "Zu den körperlichen Symptomen der Magersucht gehört in vielen Fällen auch der Verlust des Monatszyklus. Das geht zurück auf Hormonänderungen, die das Essverhalten mit sich bringt", berichtet die Expertin für psychiatrische Krankenpflege im pressetext-Interview.

Tritt die Schwangerschaft jedoch ein, sind die Reaktionen sehr unterschiedlich. "Manche bezeichnen sie als ihre 'beste Zeit', bei anderen verstärkt sich die Magersucht sogar noch und sie verlieren an Gewicht. Denn das Stressempfinden steigt durch die körperlichen und seelischen Veränderungen oft zusätzlich", so die norwegische Forscherin. Als "gute Nachricht" könne man allerdings sagen, dass die Essstörung der Mutter der Embryo während der Schwangerschaft meist nicht ernsthaft gefährdet.

Ziel der perfekten Mutter

Was die Pflege und Erziehung des Kindes betrifft, berichtet Rortveit von "vielen Magersüchtigen mit einem starken Drang, eine perfekte Mutter zu sein". Manchen gelinge das auch erstaunlich gut, wobei die wichtigste Voraussetzung dafür die Schaffung von Strukturen im eigenen Leben und in jenem der Kinder sei. Viele seien allerdings aufgrund ihres Lebensalltags zu erschöpft um am Alltag des Kindes noch teilzunehmen. Die Kommunikation erfolge oft über lange Zeit nur sehr kurz angebunden.

Mit zunehmendem Alter der Kinder wachsen jedoch auch die Probleme, wobei das Essen wiederum eine wichtige Rolle spielt. "Die größte Angst vieler Mütter mit Anorexie ist, dass die Kinder die Krankheit übernehmen. Viele versuchen selbst in den eigenen vier Wänden die Fassade zu wahren und essen dem Kind zuliebe am Tisch mit, ehe sie die Nahrung heimlich auf der Toilette erbrechen. Das erfordert viel Kraft", erzählt die Forscherin. Hätten die Mütter den Verdacht, dass auch das Kind betroffen sein könnte, fühlten sie sich aufgrund der eigenen Geschichte außer Stande, Ratschläge zu geben.

Hebammen in Schlüsselposition

Vier von 1.000 Frauen haben in Norwegen Anorexie und 20 Bulimie. Doch nur jede dritte Magersüchtige und weniger als jede 15. Bulimikerin erhalten Behandlung. "Schuld und Scham sind für Patientinnen die größte Hürde vor der Hilfesuche. Speziell die Mütter haben aufgrund ihres Doppellebens ständiges schlechtes Gewissen und Schamgefühl, und viele werten sich anderen gegenüber stark ab. Sie nehmen wahr, dass sie sich falsch verhalten, spüren aber auch, dass sie selbst nichts dagegen tun können", so Rortveit.

Die häufigen ärztlichen Kontrollen in der Schwangerschaft sieht die Forscherin als Chance, um Unterstützung von Außen zu erfahren. "Mediziner und Hebammen sollten gut geschult sein, um die Essstörung zu erkennen und mit Feingefühl ein Gespräch zu führen. Kann die Patientin sich öffnen, hilft ihr das schon um Stress abzubauen." Bei schwerer Anorexie und Bulimie sei es unumgänglich, an den richtigen Spezialisten weiterzuleiten, was diesen Personen auch möglich sein sollte.

Darüber hinaus hätten Studien den Vorteil kurzer kognitiver Interventionen gezeigt. "Wichtige Bestandteile dieser Therapie sind die psychische Bildung, die Reflexion und Übungen für Zuhause", so Rortveit.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uis.no

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