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Männer haben höheres Darmkrebsrisiko

25.05.2011
Wissenschaftliche Studie legt nahe, dass Männer früher mit der Darmkrebsvorsorge beginnen sollten als Frauen

Die Darmspiegelung erkennt Vorstufen – so genannte Adenome - und frühe Formen von Dickdarmkrebs. Dadurch sinkt das Risiko, an den Tumoren zu erkranken und zu sterben.

Der Nutzen der „Koloskopie“ in der Vorsorge des Dickdarmkrebses gilt in der medizinischen Fachwelt mithin als gesichert. Weniger klar ist allerdings, in welchem Alter die erste Darmspiegelung erfolgen sollte. Derzeit empfehlen medizinische Fachgesellschaften Menschen ohne familiäre Vorbelastung für Dickdarmkrebs, sich ab dem 55. Lebensjahr alle 10 Jahre per Koloskopie untersuchen zu lassen.

Im Sinne einer bevölkerungsweiten Vorsorge erstatten die gesetzlichen Krankenkassen die Untersuchung ab diesem Alter. Zwischen Männern und Frauen wird allerdings nicht unterschieden, ein für Prof. Dr. Frank Kolligs im Lichte einer neuen Studie „unbefriedigender Zustand“. Der Leitende Oberarzt der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Klinikums der Universität München und seine Kollegen haben die Daten von 625.000 Koloskopien detailliert ausgewertet, die die kassenärztliche Vereinigung Bayern dokumentiert hat.

Eindeutiges Resultat: „Männer haben in jedem Alter ein deutlich höheres Risiko als Frauen, dass im Rahmen einer Darmspiegelung ein fortgeschrittenes Adenom oder Darmkrebs gefunden wird“, wie Prof. Kolligs erklärt. Konsequenterweise sollten Männer früher mit der Dickdarmkrebs-Vorsorge beginnen als Frauen.

Alljährlich erkranken allein in Deutschland fast 70.000 Menschen an Dickdarmkrebs - einige tausend Männer mehr als Frauen. Er zählt damit zu den häufigsten Krebsarten mit einer noch immer hohen Sterblichkeit. Die Tumoren entwickeln sich meist aus den gutartigen Adenomen, die Ärzte durch die Koloskopie entdecken und entfernen können. Seit einiger Zeit mehren sich Hinweise, wonach die Vorstufen bei Männern grundsätzlich früher entstehen als bei Frauen. Bisherige Untersuchungen überblickten aber meist nur kleinere Fallzahlen oder verwendeten Daten aus Krebsregistern und Sterblichkeitsstatistiken.
Erstmalig konnten die Münchner Forscher jetzt die Daten von weit über 600.000 Koloskopien statistisch auswerten, die in Bayern bei Erwachsenen zwischen 2006 und 2008 ab dem 18. bis zum 79. Lebensjahr vorgenommen wurden. „Die Daten bilden die Realität in den Praxen sehr gut ab“, betont Prof. Kolligs. Denn sie umfassen erstens die Vorsorge-Koloskopien, zweitens Darmspiegelungen, die in allen Altersgruppen wegen Beschwerden veranlasst wurden, drittens Darmspiegelungen nach einem positiven „Hämoccult-Test“, mit dem sich Blut im Stuhl nachweisen lässt, was ein Hinweis auf eine bösartige Erkrankung sein kann.

In allen drei Gruppen entdeckten die Mediziner in jeder Altersgruppe bei Männern etwa doppelt so viele Vorstufen und Dickdarmtumoren wie bei Frauen. Um ein fortgeschrittenes Adenom zu entdecken, müssen beispielsweise im Alter von 55 Jahren gemäß der Studie durchschnittlich 24,9 Frauen, aber nur 13,5 Männer koloskopiert werden. „Diese neuen Ergebnisse müssen wir jetzt in der Fachwelt und den verantwortlichen Gremien diskutieren“, erklärt Prof. Kolligs. Ziel sollte es sein, die Screening-Koloskopie für Männer schon ab 50 Jahren anzubieten.

Die aktuelle Arbeit bestätigt, „dass der Qualitätsstandard der Koloskopie in Bayern sehr hoch ist“, betont der Münchner Internist. Mehr als 90 Prozent aller Koloskopien erfolgten in Sedierung. Und Komplikationen wie Blutungen oder Verletzungen des Darms traten nur sehr selten auf.
Literatur:
Kolligs FT, Crispin A, Munte A, Wagner A, Mansmann U, Göke B. Risk of Advanced Colorectal Neoplasia According to Age and Gender. PLoS ONE, 24.5.2011 [Epub],

online: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0020076

Kontakt:
Prof. Dr. med. Frank Kolligs
Ltd. Oberarzt
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Klinikum der Universität München - Campus Großhadern
Marchioninistrasse 15, 81377 München
Tel.: 089/7095-5272
Fax.: 089/7095-5271
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2009 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt fast 10.000 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2009 rund 62 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an sechs Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 594, 596, 684, 824), an drei Sonderforschungsbereichen-/Transregio (TR 05, TR 22, TR 36), zwei Forschergruppen (KFO 128 und FOR 535) sowie an zwei Graduiertenkollegs (GK 1091 und 1202) beteiligt. Hinzu kommen die beiden Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM) und „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP) sowie die Graduiertenschule „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU).

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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