Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch leichte Schwangerschaftsdiät schadet der Hirnentwicklung des Babys

20.01.2011
Obwohl das körperliche Wachstum der Babys und das Gewicht der Mütter kaum vermindert waren, beeinträchtigte eine 30%ige Nährstoffreduktion während der ersten Schwangerschaftshälfte die kindliche Gehirnentwicklung wesentlich. Dies ist das Ergebnis einer Studie mit Pavianen, die Neurologen des Universitätsklinikums Jena gemeinsam mit Genetikern und Fetalphysiologen aus Antonio, Texas, jetzt in den renommierten Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA veröffentlichten.

Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass eine moderate Nährstoffreduktion Alterungsprozesse verlangsamt und so lebensverlängernd wirkt. „Während der Schwangerschaft aber, insbesondere in der ersten Hälfte, stellt auch eine leichte Reduktion der Energiezufuhr eine Gefährdung für die gesunde Entwicklung des Baby-Gehirns dar“, fasst der Jenaer Neurologe Professor Matthias Schwab das Ergebnis einer Studie zusammen.

Darin untersuchte ein Wissenschaftlerteam aus Neurologen des Jenaer Universitätsklinikums, Genetikern des Primatenforschungszentrums San Antonio und Fetalphysiologen der Universität San Antonio in Texas die fetale Gehirnentwicklung von Pavianen. Die Mütter erhielten in der Schwangerschaft 30% weniger Nahrung als sie vorher in einer ad libitum Ernähung zu sich genommen hatten. Nach der Hälfte der Schwangerschaft verglichen die Neurowissenschaftler anhand von immunhistochemischen und molekularbiologischen Analysen den anatomischen und funktionellen Entwicklungsstand der fetalen Hirnreifung mit dem der Kinder normal ernährter Pavianmütter.

Verminderte Wachstumsfaktoren bremsen Hirnentwicklung

Obwohl sich das Gewicht der Babys und ihrer Gehirne nicht unterschied, zeigten sich bei der Entstehung der Nervenzellen und beim Grad ihrer Vernetzung Defizite. „Die Ursache hierfür ist eine Verminderung von Wachstumsfaktoren“, so Professor Schwab. „Dies schränkt die Expression von Genen und Eiweißen ein, die für die Hirnentwicklung wesentlich sind.“ Die Folge ist eine gestörte oder zumindest verzögerte Entwicklung des fetalen Gehirns.

Offensichtlich kann der Körper der Mutter einen Nahrungsmangel nicht so gut kompensieren wie bisher angenommen Hiervon ist der neuronale Wachstums- und Entwicklungsprozess insbesondere betroffen, denn er fordert die Hälfte der Energie, die der Fötus verbraucht. Die Verminderung der Bildung von Wachstumsfaktoren im Baby schützt möglicherweise auch die Gesundheit der Mutter und verhindert, dass all ihre Ressourcen aufgebraucht werden. So waren die mangelernährten Mütter nur etwa 9% leichter.

Defizite beeinflussen die Hirnfunktion möglicherweise zeitlebens

Moderate Minderernährung in der Schwangerschaft tritt sowohl in Entwicklungs- als auch in Industrieländern häufig auf. Ursachen sind neben niedrigem Einkommen auch das heutige Schlankheitsideal der Frauen oder plazentare Versorgungsprobleme der Babys bei Teenager-Schwangerschaften und bei älteren Müttern. Wie epidemiologische Studien zeigen, ist ein niedriges Geburtsgewicht im späteren Leben häufig mit verminderten kognitiven Leistungen assoziiert. „Wir vermuten, dass die Defizite in der strukturellen Hirnentwicklung, die aus einer Minderernährung der Mütter während der Schwangerschaft resultieren, die Hirnfunktion zeitlebens beeinflussen“, betont die Jenaer Wissenschaftlerin Iwa Antonow-Schlorke. „In einer Folgestudie werden wir dies weiter analysieren.“

Literatur: I. Antonow-Schlorke, M. Schwab, L. A. Cox, C. Li, K. Stuchlik, O. W. Witte, P. W. Nathanielsz, T. J. McDonald. Vulnerability of the fetal primate brain to moderate reduction in maternal global nutrient availability, PNAS, 2011, in press

Kontakt:
Prof. Dr. Matthias Schwab, Hans-Berger-Klinik für Neurologie,
Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 32 34 86
E-Mail: Matthias.Schwab[at]med.uni-jena.de

Dr. Uta von der Gönna | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise