Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der lange Rückweg des Golfstroms - Neue Erkenntnisse über die Tiefenzirkulation im Nordatlantik

14.05.2009
Nach bisheriger Auffassung erfolgt der Rückweg des vom Golfstroms transportierten Wassers hauptsächlich entlang des nordamerikanischen Kontinentalhanges.

Eine Studie amerikanischer und Kieler Meereswissenschaftler weist nun nach, dass weit weniger Wasser als bisher angenommen dieser direkten Route folgt. Auf der Höhe von Neufundland bricht der Rückstrom durch starke Verwirbelungen auseinander und verteilt Wasser in den zentralen Nordatlantik.

Die Ergebnisse sind für das Verständnis der Ausbreitung von Klimasignalen im tiefen Nordatlantik und die Planung von Beobachtungsprogrammen von erheblicher Bedeutung. Die Studie erscheint am 14. Mai in der Fachzeitschrift Nature.

Die Vorstellung von den Meeresströmungen im Nordatlantik war bisher relativ einfach: Der Golfstrom und seine Ausläufer transportieren warmes Wasser nach Norden, was sich in subpolaren Breiten abkühlt und entlang des nordamerikanischen Kontinents unterhalb von etwa 1000 Metern Wassertiefe zurückströmt.

Die genaue Route des Tiefenwassers in den mittleren Breiten des Nordatlantiks konnte nun mit Hilfe einer Flotte von automatischen, frei im tiefen Ozean treibenden Mess-Robotern entschlüsselt werden. Überraschender Befund: von über 70 nördlich von Neufundland ausgesetzten Sonden verblieben nur wenige im tiefen Randstrom und damit auf direktem Wege in den tropischen Atlantik. Ein großer Teil wurde in der Höhe Neufundlands durch episodisch auftretende starke Wirbel in den zentralen Atlantik abgetrieben.

"Die jetzt entdeckten Umwege, die das Tiefenwassers nimmt, sind für die Ausbreitung von Klimasignalen im Ozean von großer Bedeutung ", erklärt Prof. Dr. Claus Böning vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) aus Kiel. Bei der Tiefenwasserbildung im Nordatlantik werden unter anderem erhebliche Mengen des durch Verbrennungsprozesse emittierten Kohlendioxids aufgenommen. "Für Aussagen über die zukünftige Klimaentwicklung ist es deshalb wichtig zu wissen, wie schnell neugebildetes Tiefenwasser den subpolaren Nordatlantik verlässt und wohin das Wasser transportiert wird", erläutert Prof. Böning, Co-Autor der Studie weiter.

Die Interpretation der von den autonomen Mess-Robotern aufgezeichneten Daten wird durch Modellsimulationen mit einem hochauflösenden Computermodell gestützt. "Mit unserem Modell, das eine Maschenweite von wenigen Kilometern aufweist, konnte der Befund aus dem vergleichsweise kleinen, wenn auch präzisen Beobachtungsdatensatz auf eine wesentlich breitere Basis gestellt werden", erläutert Prof. Böning. Die in Kooperation mit Meereswissenschaftlern an der Woods Hole Oceanographic Institution und der Duke University in den USA entstandene Studie zeigt zudem die zunehmende Bedeutung der Verknüpfung von innovativen Messverfahren mit Modellsimulationen in der modernen Meeresforschung. "Meine amerikanischen Kollegen haben gemessen, wir haben die Simulationen durchgeführt und dann gemeinsam die Ergebnisse analysiert und diskutiert", resümiert Böning.

Originalarbeit:
Bower, A.S., M.S.Lozier, S.F. Gary and C.W. Böning, 2009: Interior pathways of the North Atlantic meridional overturning. Nature, 459.
Kontakt:
Prof. Dr. Claus Böning, Tel: 0431-600 4003, cboening@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (Öffentlichkeitsarbeit), Tel: 0431-600 2802, avillwock@ifm-geomar.de

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

22.01.2018 | Physik Astronomie

Magnetische Kontrolle per Handzeichen: Team entwickelt elektronische „Haut“ für virtuelle Realität

22.01.2018 | Physik Astronomie

Innovatives Messmodul zur Bestimmung der Inaktivierungsleistung von UV-Hygienisierungsanlagen

22.01.2018 | Energie und Elektrotechnik