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Kurze Schulwege - aber wie lange noch?

01.09.2011
Die Bevölkerung in Deutschland altert und schrumpft. Das verändert die Nachfrage nach Angeboten in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Pflege.

Während die Nachfrage nach Leistungen der schulischen Bildung abnimmt, steigt die Zahl der Krankenhaus- und Pflegefälle. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat in einer Studie ermittelt, wie sich die Bevölkerungsentwicklung auf die Auslastung von Schulen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen auswirken wird. „Vor allem in ländlichen, dünn besiedelten Gebieten wächst der Druck auf das Standortnetz“, sagt Dr. Claus Schlömer, der im BBSR die Studie geleitet hat.

Bei den Grundschulen ist der Handlungsbedarf dort besonders groß, wo die Schülerzahlen weiter zurückgehen werden und wo bereits heute das Standortnetz sehr dünn ist – etwa in den Randbereichen Brandenburgs und in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns. Auch im Westen Deutschlands ist in den ländlichen und peripheren Räumen der größte Rückgang der Schülerzahlen zu erwarten. Während in Ostdeutschland bereits im letzten Jahrzehnt die Schülerzahlen massiv eingebrochen sind, ist der Rückgang für viele westdeutsche Regionen eine neue Entwicklung. „Schulschließungen würden vor allem in der Sekundarstufe II zu deutlich längeren Fahrzeiten führen, da das Standortnetz an Gymnasien und Gesamtschulen längst nicht so dicht ist wie das der Grundschulen“, erläutert Dr. Schlömer.

Zahl der Krankenhaus- und Pflegefälle steigt stark an

Während in der schulischen Bildung die Nachfrage sinkt, wächst sie in den Bereichen Gesundheit und Pflege. Nach Berechnungen des BBSR steigt die Zahl der Krankenhausbehandlungen bis 2030 um rund 16 Prozent in Westdeutschland und um gut 6 Prozent im Ostdeutschland. Entscheidend für die Versorgung der Bevölkerung ist die schnelle Erreichbarkeit von Krankenhäusern: Das nächste Krankenhaus ist für fast drei Viertel der Bevölkerung innerhalb von 10 Minuten erreichbar, für 97,5 Prozent innerhalb von 20 Minuten. Die Schließung von Standorten würde jedoch die Versorgungs- und Erreichbarkeitssituation in vielen Regionen erheblich einschränken, zeigen die Berechnungen der Forscher.

Die Zahl der Pflegefälle steigt vor allem in Westdeutschland im Umland der Großstädte sowie im Umland von Berlin. Dies ist eine Folge der massiven Wanderungsgewinne dieser Gebiete durch Familien in der Vergangenheit. Die Elterngeneration kommt in den nächsten 20 Jahren in das Alter höherer Pflegebedürftigkeit. „Gerade die suburbanen Räume, wo Wohnformen und Wohnumfeld einschließlich der Infrastruktur an den Bedürfnissen von jungen Familien orientiert waren, stehen hier vor einer neuen Herausforderung. Diese betrifft nicht nur die stationäre, sondern auch die häusliche Pflege“, erklärt Dr. Schlömer.

Die Studie ist in der Reihe „BBSR-Berichte KOMPAKT“ erschienen. Die Ausgabe 11/2011 kann unter dem Stichwort „Soziale Infrastruktur“ bei marisa.trimborn@bbr.bund.de kostenfrei angefordert werden. Eine PDF-Version ist auf der Internetseite des BBSR unter http://www.bbsr.bund.de in der Rubrik „Veröffentlichungen“ verfügbar.

Kontakt:
Christian Schlag, Stab Wissenschaftliche Dienste
Telefon: +49 22899 401-1484
E-Mail: christian.schlag@bbr.bund.de
Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Claus Schlömer, Referat I1 - Raumentwicklung
Telefon: +49 22899 401-2331
E-Mail:claus.schloemer@bbr.bund.de

Christian Schlag | idw
Weitere Informationen:
http://www.bbr.bund.de

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