Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kunst des Wartens schon im Kindesalter sichtbar

02.09.2011
Selbstregulation ist angeboren, kann aber trainiert werden

Schon als Kind zeigen Menschen, wie gut sie sich später unter Kontrolle haben. Das konnten US-Psychologen anhand des berühmten "Marshmallow-Tests" beweisen.

"Die Fähigkeit zur Selbstregulation bestimmt in hohem Ausmaß, wie sich Menschen entwickeln. Wer sie besitzt, hat bei den exekutiven Funktionen sowie bei der Lernleistung die Nase vorne und produziert weniger Stresshormone", erklärt Sabine Kubesch vom Transferzentrum für Neurowissenschaft und Lernen der Universität Ulm gegenüber pressetext.

Der "Marshmallow-Test" aus den 60er-Jahren gehört zu den bekanntesten Experimenten der Psychologie. Forscher um Walter Mischel platzierten damals die Süßigkeit vor vierjährigen Kindern und stellten ihnen zur Wahl, entweder den Marshmallow sofort zu essen oder später einen zweiten zu bekommen, falls sie der Versuchung widerstehen konnten. Dieser Belohnungsaufschub gelang einigen Kindern, anderen hingegen nicht. Der Test und dessen Folgebeobachtungen waren Grundlage für die Erforschung der Selbstregulation.

Aus Hänschen wird Hans
Die Teilnehmer der Studie - damals Vorschulkinder, inzwischen erwachsene Mittvierziger - wurden nun noch einmal zu einem ähnlichen Versuch eingeladen.

Statt Marshmallows zeigten ihnen die Forscher Gesichter am Computer, wobei sie bei Bildern glücklicher Gesichter einen Knopf drücken sollten. Da Menschen andere gerne fröhlich sehen, drücken viele bei dieser Aufgabe auch dann den Knopf, wenn sie dies nicht tun sollten.

Das Ergebnis: Genau jene, die einst vor Marshmallows kapituliert hatten, taten dies nun auch vor den Gesichtern.

"Der Persönlichkeitszug der Selbstkontrolle ist auffallend konstant - von der frühen Kindheit bis zum Erwachsenenalter", so das Resümee von Studienleiterin B.J. Casey vom Sackler Institute in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences". Als sie das Experiment nochmals im Gehirnscan wiederholte, stellten sie in zwei Regionen des Großhirns - im präfrontalen Kortex und im ventralem Striatum - Unterschiede je nach Grad der Selbstregulierung fest. Hier ist also die Fähigkeit des Wartenkönnens verortet.

Viel Übung macht den Meister
Auch Kubesch sieht die Selbstregulierung als Merkmal der Persönlichkeit. Zum Vorschein komme es in Situationen, in denen man Bedürfnisse hinten anstellt, auf Belohnungen wartet oder Impulse kontrolliert. Die Grundlage ist genetisch beeinflusst, doch auch das Lernen bestimmt die Ausprägung mit (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20110126023 ). "Um Selbstregulation zu entwickeln, braucht man nicht nur Bewusstsein dafür, sondern auch viele Gelegenheiten des Einübens", so die Expertin.

Erziehung, Strukturen, klare Regeln oder auch Rituale fördern die Selbstregulierung, wobei besonders Eltern, Kindergärten und Schulen gefordert sind. Pionier in der schulischen Vermittlung ist die kanadische Hawn Stiftung http://thehawnfoundation.org . "Sie vermittelt Kindern und Jugendlichen, dass sie einen Geist haben und diesen auch pflegen müssen. Das geschieht durch Atem-, Aufmerksamkeits- und Achtsamkeitsübungen", berichtet Kubesch. In Deutschland leistet bisher das Programm "Fex" http://znl-fex.de Vorarbeit.

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.znl-ulm.de
http://www.sacklerinstitute.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften