Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

KPMG-Umfrage: "Kleine" Mittelständler fühlen sich von Kreditinstituten vernachlässigt

11.02.2009
"Banken lassen im Geschäft mit mittelständischen Unternehmern viel Potenzial ungenutzt"

Banken und Sparkassen vernachlässigen bei ihrem Geschäft die Bedürfnisse von kleinen mittelständischen Unternehmen mit bis zu fünf Millionen Euro Umsatz. Das ist bemerkenswert, da diese Unternehmen über 95 Prozent der Unternehmenslandschaft in Deutschland repräsentieren.

Viele "Mittelstandsbanken" versäumen damit in Zeiten der Finanzkrise die Chance, ihre Risiken im kleinteiligen Geschäft breiter zu streuen und lassen zudem relevante Ertragspotenziale ungenutzt. Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts forsa unter 1.000 "kleinen" mittelständischen Unternehmern in Deutschland im Auftrag von KPMG.

Am wichtigsten für ihre Bankbeziehung bezeichnen die befragten Mittelständler "gegenseitiges Vertrauen" (71 Prozent). 61 Prozent sind "Flexibilität und unbürokratisches Verhalten" sehr wichtig. Fast die Hälfte aller befragten Unternehmer (44 Prozent) wählt "Rückhalt in schwierigen finanziellen Situationen" als entscheidendes Qualitätskriterium für eine gute Bank. Unter den Firmenkunden, die in der Hausbank den Kreditgeber sehen, sind es sogar 59 Prozent. Mit deutlichem Abstand folgen unter allen Befragten eine "gute Beratung" (28 Prozent) und "guter Service" (22 Prozent). Konditionen und Gebühren haben aus Sicht mittelständischer Unternehmer für die Qualität einer Bankbeziehung nur eine untergeordnete Bedeutung.

"Beratung" bislang kein geeignetes Differenzierungsmerkmal

Die Umfrage zeigt, dass eine Bankberatung so, wie sie bisher angeboten wird, kaum geeignet ist, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Erst eine schlechte Beratung wird zum Geschäftsverlagerungsgrund, wobei Bankwechsel allerdings selten sind. Fast zwei Drittel der Unternehmen sind schon länger als zehn Jahre Kunde bei der Bank, mit der sie noch heute am intensivsten zusammenarbeiten - im Normalfall bezeichnen sie diese Bank auch als "Hausbank". Bernhard Sauer, Partner im Bereich Financial Services bei KPMG: "Doch die Hausbanktreue scheint in nicht wenigen Fällen eher durch Frustrationstoleranz als durch Geschäftspartnerschaft geprägt zu sein. Die Hälfte der Unternehmen unterhält für geschäftliche Finanzen mehr als eine Bankverbindung - oft aus taktischen Gründen. Allein in den letzten zwei bis drei Jahren haben 30 Prozent der "kleinen" Mittelständler neue Bankbeziehungen eröffnet."

"Hausbank" nicht gleich "Kreditgeber"

Neun von zehn befragten Firmenkunden bekennen sich zu einer "Hausbank". Entgegen einem verbreiteten Missverständnis ist "die Hausbank" für Mittelständler keineswegs automatisch "der Kreditgeber". Noch nicht einmal die Hälfte nimmt Kredite komplett bei der Hausbank in Anspruch. Als einen Grund gibt jeder vierte Unternehmer an, bei seiner Hausbank bewusst bestimmte Kreditgrenzen nicht überschreiten zu wollen. Ohnehin sieht nur jeder Zehnte (9 Prozent) eine Hausbank-Beziehung durch die Kreditaufnahme definiert. Dagegen ist "Hausbank" für über 40 Prozent der Unternehmen durch eine "persönliche Beziehung" zu einem festen Ansprechpartner charakterisiert.

Fast die Hälfte der Kreditkunden würde lieber "ein paar Prozentpunkte mehr" an Sollzinsen zahlen, bevor die Gefahr besteht, gar keinen Kredit zu bekommen. Darüber hinaus sind fast 40 Prozent aller Befragten derzeit ohnehin nicht an Krediten interessiert. Klaus Ott, Partner im Bereich Financial Services bei KPMG: "Bei vielen stehen die Bankdienstleistungen fürs Tagesgeschäft im Vordergrund, gebündelt im Geschäftsgirokonto als der Liquiditätssteuerungsplattform des kleinen Mittelständlers. Bankfachliche Kompetenz, für die in diesem Zusammenhang von Kundenseite Bedarf angemeldet wird, bezieht sich auf Themen des Liquiditätsmanagements oder auch der Risikofrüherkennung."

Unterschiedliche Erwartungen von Banken und Kunden

Nur ein Drittel der Unternehmer gesteht seinem Kundenbetreuer vorbehaltlos zu, dass er bei den Kreditkonditionen das unternehmerische Risiko des Firmenkunden "richtig" einzuschätzen weiß. Im Hinblick auf die Kreditvergabe ist nur ein gutes Drittel der Kreditkunden mit dem Entscheidungsspielraum ihres Betreuers bei der Bank zufrieden. Drei Viertel aller befragten Unternehmer sind der Ansicht, dass Banken zu viele Sicherheiten vom Kreditnehmer verlangen. Bernhard Sauer: "Viele Mittelständler werten dies nicht nur als Misstrauen gegenüber ihrer Person und damit als Störung des gesamten Vertrauensverhältnisses zwischen Unternehmen und Bank. Sie zweifeln auch die Wirtschaftlichkeit des Verhältnisses und der Prozesse an."

Das gleiche gilt für die Wahrnehmung des Banken-Rating-Procedere: Für knapp drei Viertel der Unternehmer mit Basel II-Erfahrung steht der Aufwand, der für sie mit einem Rating oder Scoring verbunden ist, in keinem akzeptablen Verhältnis zum Nutzen. Und insgesamt 70 Prozent der Firmenkunden stimmen prinzipiell zu, dass ein gutes Rating weniger über die Qualität ihres Unternehmens aussagt, sondern vielmehr Resultat einer gelungenen Präsentation ist. Zudem geben über drei Viertel der Unternehmen an, dass sie bei der Bilanzgestaltung oder bei Rating-relevanten Finanztransaktionen ohnehin eher gemäß steuerlichen - oder auch anderen - Motiven handeln.

Fazit:
Klaus Ott: "Kleine Mittelständler fühlen sich von Banken vernachlässigt. Viele fragen sich, was sie eigentlich davon haben, dass sie den Banken regelmäßig ihre Finanzdaten liefern, und würden auch gerne wissen, was mit all diesen Informationen geschieht. Unsere Gesprächspartner wünschen sich, dass `die Banker´ ihre Tools - hier wurden insbesondere die Rating-Systeme erwähnt - und das Wissen, das sie ja so umfassend über den Firmenkunden haben, mehr zugunsten des Kunden einsetzen."
Thomas Blees
Stellv. Leiter Unternehmenskommunikation
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Klingelhöferstraße 18, D-10785 Berlin
Tel +49 30 2068-1408
Mobil +49 174 338 32 39
Fax +49 1802 11991-0104
mailto:tblees@kpmg.com

Thomas Blees | KPMG
Weitere Informationen:
http://www.kpmg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die Kieler Förde – ein Trainingsbecken für Miesmuscheln

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskop im Kugelschreiberformat: Auf dem Weg zur endoskopischen Krebsdiagnose

28.04.2017 | Medizintechnik

Leipziger Forscher kreieren borhaltiges künstliches Vitamin

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie