Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kohleverbrennung sorgt für Schwermetallbelastung in Arktis

20.08.2008
Furcht vor Folgen durch neuerlichen Aufschwung der Kohle

Die Verbrennung von Kohle in Europa und Nordamerika ist der Grund für die Schwermetallbelastung im grönländischen Eis. Dies hat ein Forscherteam des Desert Research Institute in Reno nun in einer Studie im Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS nachgewiesen.

Die Wissenschaftler haben die Kohle als Hauptverursacher für die Thallium, Cadmium und Blei-Belastung im hohen Norden ausgemacht. Das Expertenteam um Joseph McConnell hat dazu Eisbohrkerne ausgewertet. Nun befürchten die Wissenschaftler, dass auch die zunehmende Verbrennung von Kohle in Asien eine ähnlich schädliche Wirkung auf die Umwelt haben wird.

Die Umwelt reagiert auf die Schwermetallbelastung ganz besonders heftig, denn die meisten der Schwermetalle wirken kumulativ, das heißt sie reichern sich in Lebewesen - egal ob in Tieren oder Pflanzen - an. Nachgewiesen werden konnten die Substanzen in Walen, in Eisbären, in Karibus und sogar bei Menschen, die in dieser Region leben. Die Forscher konnten in den Eisbohrkernen Umweltgifte bis zum Jahr 1772 analysieren. Demnach stiegen die Werte der drei Schwermetalle zwischen 1850 und 1900 deutlich an. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts konnten die Forscher eine Steigerung um das Zehnfache im Vergleich zur vorindustriellen Ära ausmachen. Während der großen Depression in den 1930er Jahren sank die Belastung merklich, ehe sie mit der Konsolidierung des Weltmarktes wieder anstieg.

Nach 1970 sanken die Werte schließlich neuerlich. "Da haben offensichtlich Luftreinhaltegesetze in Nordamerika und in Europa ihre Wirkung gezeigt", so der Wissenschaftler. Das sei einerseits darauf zurückzuführen, dass Kohle bei höheren Temperaturen und in effektiverer Form verheizt wurde. Andererseits habe bereits ein Umschwung von Kohle auf Öl eingesetzt. "Das konnten wir auch anhand von Ruß und Schwefel, die zweifellos bei der Verbrennung von Kohle entstehen, nachweisen." Seit den 1950er Jahren konnten die Forscher auch einen Anstieg von Bleiwerten feststellen.

Schwermetalle gehören zu den Chemikalien, die sich im Körper anreichern. Diesen Vorgang der Erhöhung der Konzentration von Stoffen in biologischen Systemen nennt man Bioakkumulation. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Weitergabe von Schadstoffen in Nahrungsketten, wobei Stoffe mit einer langen biologischen Halbwertszeit, also solche, die nicht oder nur sehr langsam abgebaut oder ausgeschieden werden, sich bis an das Ende derNahrungskette sehr stark anreichern können. Bisher hat man nur einige chemische Substanzen dazu genauer unter die Lupe genommen. In Untersuchungen an Bewohnern der Arktis konnten die Forscher deutlich erhöhte Schwermetallwerte feststellen. "Über das Schwermetall Thallium in der Arktis gibt es bisher kaum Untersuchungen", so McConnell. Dabei zähle dieser Stoff, mit dem der ehemalige KGB-Agent Alexander Litvenko vor zwei Jahren in London ermordet wurde, zu den gefährlichsten.

"Wie verschiedene Chemikalien in die Nahrungskette gelangen, ist uns ja bekannt. Was aber immer noch weitgehend unbekannt ist, ist die Frage was geschieht, wenn verschiedene Chemikalien gemeinsam auftreten", erklärt der Chemie-Experte Herwig Schuster von Greenpeace-Österreich http://www.greenpeace.at im pressetext-Interview. "Chemikalien interagieren ebenso wie auch verschiedene Medikamente, die ein Mensch zu sich nimmt", gibt der Chemiker zu bedenken. Unklar ist auch der Anreicherungsfaktor. Für den Fall, dass 20, 30 oder sogar 50 Substanzen auf einmal in den Organismus gelangen. "Da gibt es immer noch viel zu klären", meint Schuster.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.dri.edu
http://www.greenpeace.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie