Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kindererziehung macht fit für die Wirtschaft

18.06.2009
Flexibilität und Empathie bei Eltern besonders entwickelt

Die Fähigkeiten, die Eltern durch die Erziehung ihrer Kinder erwerben, entsprechen den Anforderungen der Wirtschaft weit mehr als allgemein vermutet wird. Zu diesem Schluss kommen Wirtschaftsforscher der Open University of Catalonia im International Journal of Knowledge and Learning.

Ihre Analyse von mehreren Studien der Entwicklungspsychologie zeigt, dass das Großziehen eines Kindes den Eltern ein stillschweigendes Wissen vermittelt, das auch in Arbeitssituationen hilft. Würde diese Form des Lernens mehr anerkannt, ergäben sich daraus positive Effekte sowohl für Eltern als auch für die Arbeitswelt, so die spanischen Wissenschaftler.

Zwei Kompetenzen erkannten die Forscher als besonders wertvoll für die Wirtschaft. "Erstens sind das Fähigkeiten im Umgang mit der anderen Person, wozu Empathie, Interesse am anderen oder Kommunikationsstärke zählen", betont Studienleiterin Eva Rimbaut-Gilabert im pressetext-Interview. Eltern müssen ihre Kinder stets zu verstehen versuchen, um auf ihre Bedürfnisse einzugehen, was häufiges Nachfragen und genaues Hinhören erfordert. Das sei auch die Voraussetzung für Teamarbeit, für erfolgreichen Kundenkontakt oder die Betreuung von Personen etwa bei der Pflege. Die zweite familiäre Schlüsselkompetenz sei die Flexibilität. "Kinder wachsen und ändern dabei andauernd ihre Bedürfnisse. Um mit dieser Situation zurechtzukommen, brauchen Eltern ein hohes Maß an dialektischem Denken." Besonders Berufe, die der Wissensgesellschaft zugeordnet werden, profitierten laut der Organisationsforscherin von diesen beiden Kompetenzen.

Was Rimbau-Gilabert damit verdeutlicht, ist die Bedeutung des informellen Lernens im Alltag, für das es bisher noch wenig Anerkennung gibt. "Studien zeigen, dass nur ein Fünftel aller Fähigkeiten, die man im Beruf braucht, aus der formellen Bildung stammen. Den Rest erlernt man durch Erfahrungen im Alltag." Die Bildungssysteme würden dieses Zusatzwissens immer mehr berücksichtigen, die Wirtschaft habe in dieser Entwicklung jedoch noch großen Aufholbedarf. "Meist wird aus Gründen der Einfachheit nur messbares Vorwissen wie akademische Abschlüsse oder Ausbildungen berücksichtigt. Stillschweigende kognitive Fähigkeiten erfahren kaum ökonomische und soziale Anerkennung. Ein großes Potenzial geht damit verloren", so die spanische Forscherin.

Um die informell erworbenen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter besser zu nutzen, schlägt Rimbau-Gilabert den Betrieben Schulungsangebote vor, die Verknüpfungen zwischen Vorerfahrungen und der konkreten Arbeitssituation schaffen. "Dabei geht es etwa darum, im Kundenkontakt am Telefon nach Mustern vorzugehen, die man schon bei der Kindererziehung gelernt hat. Erst durch das Bewusstwerden des Unbewussten kann dieses Potenzial voll genutzt werden." Ein entscheidender Moment dafür sei auch die Mitarbeiterauswahl in Bewerbungsgesprächen. "In der Regel bleibt kaum Zeit, um Erfahrungen der Bewerber außerhalb der Arbeitswelt anzusprechen. Dass sich jemand der Kindererziehung gewidmet hat, kann jedoch ein Hinweis darauf sein, dass er wesentliche Schlüsselkompetenzen besitzt."

Man braucht keine eigenen Kinder, um sich Empathie und Flexibilität anzutrainieren. "Auch wenn man eine intensive Beziehung zu Neffen oder Nichten pflegt, als Babysitter tätig ist oder im Rahmen eines sozialen Volontariats sich um die Bedürfnisse anderer einsetzt, schult man diese Fähigkeiten", so Rimbaut-Gilabert. Eine wichtige Vorbedingung dafür, dass sie bei Eltern zur Ausprägung kommen, sei der Erziehungsstil. "Eltern, die flexibel sind und nach demokratischen Ansätzen erziehen, entwickeln die Kompetenzen eher als mit einem streng autoritären Stil oder wenn sie sich nur wenig mit den Kindern befassen. Damit verspielen sie viele Möglichkeiten", so die Forscherin.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uoc.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics