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Kein Spiel mit dem Feuer - Trennschärfe der Therapieoptionen muss auf den Prüfstand

27.09.2012
Active Surveillance (AS) als Alternative für das Niedrigrisiko Prostatakarzinom – dies ist die zentrale Frage der seit vier Jahren durchgeführten HAROW-Studie.
Die kontrovers geführte Diskussion der Urologen, Strahlentherapeuten und Onkologen, welches lokalisierte Prostatakarzinom behandelt werden muss, bei welchem zugewartet werden oder gar langfristig völlig auf eine Therapie verzichtet werden kann, wird mit dem 2013 vorliegendem Studienabschluss auf einen neuen wissenschaftlichen Prüfstand gestellt werden müssen.

„Wir werden den Ergebnissen nicht vorausgreifen“, so Professor Dr. Lothar Weißbach, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Männergesundheit und Studienleiter von HAROW auf dem DGU-Kongress in Leipzig. „Doch das bisherige Vorgehen beim Prostatakarzinom – nicht selektierte Früherkennung, Frühdiagnose, radikale Frühbehandlung – wird in Frage gestellt, denn Diagnose und Therapie bleiben zu oft ohne Nutzen für den Patienten.“

Dokumentiert wird der Verlauf von Männern mit lokal begrenztem Tumor nach Operation, Bestrahlung, primärere Hormontherapie, Watchful Waiting und Active Surveillance. Die Studie läuft über fünf Jahre, bisher sind 2.753 Patienten eingebracht worden, von denen 376 (13,7 %) aktiv überwacht werden. „Wir wissen genau, dass ein Prostatakarzinom bei der Primärdiagnose unterschätzt werden kann und dass Biopsien irren können: Understaging und Undergrading werden von HAROW keinesfalls ignoriert. Die Kritik, dass AS mit dem Feuer spiele, zeigt eine Scheu vor der Auseinandersetzung mit trennscharfen Therapieoptionen“.
Zu diesem Zeitpunkt lassen sich an AS keine höhere Heilserwartung als an die radikale Prostatektomie oder Bestrahlung knüpfen. „Die Strategie muss korrekt weiter beobachtet und bewertet werden, mahnt Dr. Dietrich Schnell, Urologe und Berater der HAROW-Studie. „Doch bereits jetzt zeigt sich, dass ein alleiniges Ausrichten an einem möglichen Progress verbunden mit den Hoffnungen in eine Operation und ein Ignorieren von Alter, Komorbidität, nicht-rehabilitierbaren Nebenwirkungen sowie ein Überschätzen der Möglichkeiten einer Operation nicht richtig sind“, so Schnell.

Eine Stärke der Studie zeigt sich bereits zu diesem Zeitpunkt: die Einbindung des Patienten. Nach der Diagnose trifft der behandelnde Arzt auf Ungewissheit und Angst des Patienten. Die AS ermöglicht es ihm, in der gebotenen zeitlichen Ruhe dem Patienten Vertrauen zurückzugeben, mit ihm gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und zu einer bestimmten Behandlung hinzuführen.

Nicole Bongard | idw
Weitere Informationen:
http://www.harow.de/
http://www.stiftung-maennergesundheit.de/

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