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Kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko für Neugeborene in der Umgebung von Biblis und Philippsburg

21.07.2010
Kleinkinder in der näheren Umgebung der Kernkraftwerksstandorte Biblis und Philippsburg haben kein höheres Risiko, mit einer angeborenen Fehlbildung zur Welt zu kommen als Kinder in anderen Regionen Deutschlands. Das ist das Ergebnis einer Studie des Geburtenregisters der Universität Mainz im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS).

Die Studie ermittelte in der Umgebung dieser Kernkraftwerke die Häufigkeit angeborener Fehlbildungen und verglich die Daten mit der Fehlbildungshäufigkeit in einer Region ohne Kernkraftwerk.

Das BfS hatte bereits die Häufigkeit von Tumoren bei Kindern unter fünf Jahren in der Umgebung aller westdeutschen Kernkraftwerke untersuchen lassen. Dabei zeigte sich, dass im Nahbereich der Reaktoren ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Krebserkrankungen bei Kindern, insbesondere bei Leukämien besteht. Die Ursache dieses Risikos ist allerdings bislang nicht geklärt. Denn nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand kann der beobachtete Anstieg der Erkrankungen nicht allein durch die Strahlenbelastung aus einem Atomkraftwerk erklärt werden.

Parallel dazu wurde in der jetzt vorgestellten Untersuchung der Frage nachgegangen, ob es in der Umgebung von Kernkraftwerken möglicherweise auch ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko gibt. Hierzu wurden im Umkreis von zehn Kilometern um die Reaktoren Biblis und Phillipsburg sowie in einer kernkraftwerksfernen Vergleichsregion alle Geburten und Aborte zwischen November 2006 und Februar 2008 erfasst (prospektive Kohortenstudie). Die Studie umfasste 5.273 Kinder und Feten, davon 5.218 Lebendgeborene, 30 Totgeborene und 25 induzierte Aborte. Die Lebendgeborenen wurden von speziell geschulten Kinderärzten untersucht. Alle erfassten Fehlbildungen wurden von einem internationalen Expertengremium klassifiziert.

Dabei zeigte sich kein Unterschied in der Häufigkeit angeborener Fehlbildungen zwischen der Umgebung der beiden Kernkraftwerksstandorte und der Vergleichsregion. Außerdem zeigt sich auch kein Abstandtrend in der Umgebung der Reaktoren, der auf ein zunehmendes Risiko mit zunehmender Nähe des Wohnorts zu den Reaktoren hinweist. Mit der vorgelegten Studie wurde eine der weltweit umfangreichsten Studien zum Thema Fehlbildungen in der Umgebung von Kernkraftwerken durchgeführt.

Bei nachgelagerten Auswertungen der Daten der Fehlbildungsstudie wurde ein Hinweis gefunden, dass eine Beschäftigung der Mütter als beruflich strahlenexponierte Person im Bereich der Medizin möglicherweise mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko einhergehen könnte. Allerdings beruht dieser Hinweis auf wenigen Einzelfällen. Ob hier ein Zusammenhang zu Strahlenexpositionen oder zu anderen Ursachen im beruflichen Umfeld besteht und ob dieser Zusammenhang in weiteren Studien bestätigt werden kann oder möglicherweise zufällig ist, bedarf der weiteren Klärung. Das BfS wird hierzu weitere Untersuchungen beauftragen.

Der Bericht zur Fehlbildungsstudie steht auf der Internet-Seite des BfS zur Verfügung: http://www.bfs.de/de/bfs/druck/Ufoplan/Fehlbildungen_in_der_Umgebung_

deutscher_Leistungsreaktoren

Anja Schulte-Lutz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfs.de

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