Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Katheterverfahren statt Operation am offenen Herzen

13.08.2010
Neue Behandlungsmethode an der MHH: Metallclip hält Herzklappen zusammen

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wird jetzt eine innovative Methode der Herzklappenreparatur praktiziert: Menschen mit sehr undichten Mitralklappen müssen nicht mehr am offenen Herzen operiert, sondern können minimal-invasiv durch die Leiste mit einem Katheterverfahren behandelt werden. Bisher wurden an der MHH zehn Patienten auf diese Weise therapiert.

Bei gesunden Menschen wird mit jedem Herzschlag das sauerstoffreiche Blut der linken Herzhauptkammer durch die Hauptschlagader an die verschiedenen Organe gepumpt. Dafür sorgen funktionstüchtige Herzklappen wie die sogenannte Mitralklappe. Ist die Mitralklappe undicht, kann während des Herzschlags Blut aus der Herzhauptkammer zurück in die linke Vorkammer und damit in die Lunge fließen. Dort staut sich das Blut und führt unter Belastung oder bereits im Ruhezustand zu Atemnot. Bei der herkömmlichen Operationsmethode am offenen Herzen wird die Herzklappe entweder repariert oder durch eine Prothese ersetzt. Seit kurzem lässt sich die Mitralklappe aber auch durch ein Katheterverfahren, dass der Kardiologe durchführt, reparieren. Hierbei werden die beiden schlecht schließenden Klappensegel der Mitralklappe durch einen Metallclip so aneinander geheftet, dass die Klappe wieder dicht schließt und während des Herzschlags kein Blut mehr in die Lunge zurückfließen kann. Die Therapie wird wie bei einem Herzkatheter durch die Gefäße der Leiste vollzogen. Die optimale Position des Clips wird durch Ultraschall von der Speiseröhre aus überwacht. Der Eingriff dauert eineinhalb bis zwei Stunden, die Patienten müssen zwischen zwei und vier Tage im Krankenhaus bleiben.

Bislang sind mit dieser Methode weltweit rund 1.500 Menschen behandelt worden. „In einer großen internationalen Studie wurde an 279 Patienten gezeigt, dass nach zwölf Monaten der klinische Nutzen dieses sogenannten Mitral-Clips genauso groß ist wie bei einer herzchirurgischen Mitralklappenoperation bei geringerer Komplikationsrate“, sagt Privatdozent Dr. Arnd Schaefer, leitender Oberarzt an der MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie. Langzeitergebnisse über zwölf Monate hinaus seien natürlich noch abzuwarten. Derzeit bietet die Klinik das neue Verfahren Menschen an, die wegen anderer begleitender gesundheitlicher Probleme nicht für eine Operation in Frage kommen. „Bei allen Patienten, die wir bisher mit der neuen Methode behandelt haben, konnte die zuvor schwere Mitralklappenundichtigkeit auf eine allenfalls leichte Undichte reduziert und die Beschwerden deutlich verringert werden“, erklärt Professor Dr. Gunnar Klein, Oberarzt an der Klink für Kardiologie und Angiologie. Die beiden Mediziner sind froh, nun auch Risiko-Patienten eine Behandlungsmöglichkeit anbieten und ihre Atemnot lindern zu können.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Privatdozent Dr. Arnd Schaefer, MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie, Telefon (0511) 532-6628, E-Mail schaefer.arnd@mh-hannover.de oder Professor Dr. Gunnar Klein, MHH-Klinik für Kardiologie und Angiologie, Telefon (0511) 532-3565, E-Mail klein.gunnar@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops