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Kapitalbeschaffung weiter schwierig, Handlungsspielräume stark eingeschränkt, aber selten Kündigung bei Covenants-Bruch

27.07.2009
Roland Berger Studie zu Financial Covenants
  • Banken geben nur noch Kredite, wenn ihr Ausfallrisiko überschaubar ist
  • Covenant-Bruch führt jedoch nur selten unmittelbar zur Kreditkündigung
  • Manager sehen Handlungsspielraum durch Covenants deutlich stärker eingeschränkt
  • Unternehmen erwarten weiter zunehmende Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung

Die Kreditmittelverknappung setzt sich angesichts der Krise fort. Banken geben nur noch Kredite, wenn ihr Ausfallrisiko überschaubar ist. Für die nächsten 6 bis 12 Monate erwarten die meisten Unternehmen, dass es noch schwieriger wird, Fremd- und Eigenkapital zu beschaffen. Allerdings können sich Firmen durch Gläubigerschutzmechanismen wie Financial Covenants weiterhin Zugang zu Fremdkapital sichern. Das ist das Ergebnis der Studie "Financial Covenants in der Unternehmensfinanzierung", für die Roland Berger Strategy Consultants insgesamt 500 CFOs von führenden Unternehmen befragt hat.

"Im Zuge der Krise entscheidet die Unternehmensfinanzierung mehr denn je über die Existenz von Unternehmen", sagt Dr. Sascha Haghani, Partner von Roland Berger Strategy Consultants und Leiter der Practice Group Corporate Finance. "Banken sind nur noch zu Kreditengagements bereit, wenn ihr Ausfallrisiko überschaubar ist beziehungsweise reduziert werden kann." Financial Covenants (Finanzkennzahlen des kreditnehmenden Unternehmens bei Bankdarlehen) erlauben Kreditinstituten, das Schuldnerunternehmen zu beeinflussen und somit ihr Ausfallrisiko zu reduzieren. Financial Covenants verpflichten den Kreditnehmer zum Beispiel, während der Kreditlaufzeit bestimmte Kennzahlen zum Eigenkapital, zur Verschuldung, zum Ertrag oder zur Liquidität einzuhalten. Inzwischen weist nahezu jeder Kreditvertrag General Covenants auf. Vor drei Jahren war das noch nicht der Fall. Das sind die Ergebnisse der Studie "Financial Covenants in der Unternehmensfinanzierung", für die Roland Berger Strategy Consultants im ersten Halbjahr 2009 mehr als 500 CFOs von führenden Unternehmen aus verschiedenen Branchen befragt hat.

Informationspflichten in Kreditverträgen

Bei General Covenants unterscheidet man positive und negative Covenants. 96 Prozent der teilnehmenden Unternehmen geben an, positive Covenants im Rahmen von Kreditverträgen zu verwenden.

Negative Covenants dagegen sind nur bei 76 Prozent Bestandteil der Kreditverträge. Bei den Unternehmen, die positive Covenants in ihren Kreditverträgen verwenden, sind dies mit 98 Prozent und damit mit Abstand am häufigsten Informationspflichten gefolgt von Versicherungspflichten (51 Prozent). 76 Prozent der Unternehmen haben Financial Covenants in Kreditverträgen. Von großer Bedeutung sind besonders solche Financial Covenants, die sich auf den Unternehmensertrag (EBITDA) bzw. den Cashflow und damit auf die laufende Schuldendienstfähigkeit beziehen, etwa EBITDA Interest Cover (64 Prozent der Unternehmen, die Financial Covenants verwenden) oder eine Obergrenze für jährliche Investitionen bzw. ein Capex Limit (31 Prozent). Bilanzielle Verschuldungskennzahlen wie Leverage Ratio (59 Prozent) und Debt/Equity Ratio (28 Prozent) kommen in Kreditverträgen ebenfalls häufig zum Einsatz.

Covenant-Bruch führt selten zu Kreditkündigung

Ein Covenant-Bruch führt aber - so das Ergebnis der Studie - nur selten unmittelbar zur Kreditkündigung. Zunächst ergriffen die Kreditgeber offenbar andere Maßnahmen: Sie erhoben eine Gebühr bzw. eine sogenannte Covenant Waiver Fee (20 Prozent), verhandelten den Kreditvertrag nach und passten dabei zukünftige Financial Covenants an (18 Prozent) oder zwangen das Unternehmen anders gegenzusteuern (14 Prozent), etwa durch Kostensenkungsprogramme oder den Verkauf unprofitabler Unternehmensteile. 55 Prozent der befragten Unternehmen haben keine Erfahrung mit einem Covenant-Bruch und den negativen Folgen daraus.

Handlungsspielraum durch Convenants eingeschränkt

Viele Manager empfinden allerdings durch Convenants ihren strategischen Handlungsspielraum beschnitten, 52 Prozent sehen eine starke Einschränkung. Bemerkenswerterweise sind nur 14 Prozent der Unternehmen der Auffassung, dass ihre spezifische Markt- und Branchensituation bei der Festlegung von Covenants ausreichend berücksichtigt wird. "Die Situation für deutsche Unternehmen ist derzeit schwierig, denn sie erleben zwei Krisen gleichzeitig: eine realwirtschaftliche und eine finanzwirtschaftliche", sagt Co-Autor Dr. Matthias Holzamer. Kein Wunder, dass die Aussichten getrübt sind: Für die nächsten 6 bis 12 Monate erwarten die meisten der befragten Unternehmen zunehmende Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung.

Eine Mehrheit fürchtet striktere Kreditvergabekriterien sowohl bei Neukreditaufnahmen (81 Prozent mit sehr hoher oder hoher Zustimmung) als auch bei Kreditverlängerungen (64 Prozent mit sehr hoher oder hoher Zustimmung). "Das zeigt deutlich, dass sich die Finanzierungssituation für viele Unternehmen deutlich verschlechtert hat und dass derzeit keine Besserung bei der Beschaffung von Kapital beziehungsweise Liquidität in Sicht ist", so Haghani.

Herausforderungen für Manager nehmen zu

Durch die Wirtschafts- und Finanzkrise sind die Herausforderungen für CFOs und CEOs bei der Kapitalbeschaffung, aber auch beim Stakeholder-Management mit Gläubigern und Anteilseignern stark gestiegen. Als Antwort sollten Unternehmen alle Möglichkeiten ausschöpfen, um ihre Finanzierung zu optimieren. Im Bereich der Eigenfinanzierung hilft zum Beispiel ein besseres Cash- und Working-Capital-Management. "Bei der Fremdfinanzierung sollten Unternehmen die Beziehung zu ihrer Hausbank festigen, allgemein die Abhängigkeit von Bankkrediten verringern und im Bereich der Kapitalstruktur Dividenden und Aktienrückkäufe kritisch unter die Lupe nehmen", so Haghani.

Die Studie können Sie kostenfrei herunterladen unter:
www.rolandberger.com/pressreleases

Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 36 Büros in 25 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. 2.100 Mitarbeiter haben im Jahr 2008 einen Honorarumsatz von mehr als 670 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von rund 180 Partnern.

Sebastian Deck | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.rolandberger.com

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