Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kampf gegen Überfischung zeigt Erfolge

31.07.2009
Wirkung von Fangquoten, Beifang-Reduktion und Schutzzonen bestätigt

Es besteht Hoffnung, dass die Menschheit auch in Zukunft Fisch essen wird. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Expertenteam, das von der US-Behörde National Marine Fisheries Service koordiniert wurde. In zweijähriger Forschung fanden die Wissenschaftler Nachweise dafür, dass Maßnahmen gegen die in vielen Meeresteilen bereits erfolgte Überfischung der Meere Erfolg haben.

Die Verringerung der Fangquoten sowie des Beifangs in den Netzen zeigten sich gemeinsam mit der Errichtung von Meeresschutzgebieten als geeignete Strategien, um Bestand und Vielfalt der Fische zu schützen. In fast zwei Drittel aller Fischereiregionen müssen diese Anstrengungen allerdings verstärkt werden, damit ein Aussterben verhindert werden kann, geben die Forscher zu bedenken.

Ausgangspunkt der Untersuchung war die Behauptung des Meeresbiologen Boris Worm - ebenfalls in der Zeitschrift Science - vor drei Jahren, dass die Meeresfischerei angesichts der Zerstörung des Ökosystems Meer durch die kommerzielle Fischerei spätestens im Jahr 2048 zu ihrem Ende kommen würde. Mit Unterstützung von 20 weiteren internationalen Experten trug Worm nun alle verfügbaren Daten zur Meeresfischerei in zehn großen Fischereiregionen der Industrieländer zusammen und bewertete diese Daten nach einer Vielzahl unterschiedlicher Analysemodelle. In fünf der zehn untersuchten Ökosysteme zeigte sich ein Rückgang der Ausbeutungsrate in den letzten Jahren. Bei sieben der zehn Regionen befindet man sich auf oder unterhalb der Rate, die man als die höchste verträgliche für nachhaltige Fischerei erkannt hat. "Es gibt Hoffnung, dass wir das Problem der Überfischung in den Griff bekommen und die Meeresfischerei und damit verbundenen Ökosysteme langfristig erhalten bleiben", so Worm.

Euphorie ist dennoch fehl am Platz. Bei 63 Prozent der untersuchten Fischbestände weltweit sind noch immer drastische Maßnahmen wie eine Reduzierung des Fangs notwendig, um das drohende Aussterben von besonders verletzlichen Arten zu verhindern. Ein Schwachpunkt der Studie ist zudem, dass sie aufgrund fehlender Daten Fänge in Entwicklungsländer nicht berücksichtigen konnte. Die Lage dürfte hier weit weniger positiv sein, wenn es auch hier vereinzelt Signale der Hoffnung gibt. So haben Experten und lokale Gemeinden in Kenia, wo Fischbestände drastisch zurückgegangen waren, gemeinsam Einschränkungen der Fischerei und Auflagen bezüglich des Fanggerätes durchgesetzt. Die Fischer vor Ort fangen heute wieder mehr und größere Fische und verzeichnen dadurch ein höheres Einkommen.

"Die Studie beweist, dass Managment-Maßnahmen zum Schutz des Fischbestands endlich greifen und funktionieren", kommentiert WWF-Fischereiexperte Georg Scattolin http://wwf.at gegenüber pressetext die Ergebnisse. Durch die Errichtung von Meeresschutzgebieten sei es etwa gelungen, dass in kurzer Zeit neue Schellfisch-Populationen entstanden, nachdem diese durch den Fang komplett ruiniert waren. Zahlreiche Probleme würden jedoch weiterhin bestehen. "60 bis 70 Prozent der weltweiten Fischerei geschieht in Entwicklungsländern, wo es noch wenig Schutzmaßnahmen gibt. Mitverantwortlich dafür sind auch die europäischen Länder, die nach dem sukzessiven Leerfischen von Mittelmeer und Nordsee nun zunehmend vor der Küste tropischer Ländern des Südens fangen, teilweise mit Flotten der Entwicklungsländer. Hier gibt es bisher kaum Regulative", so Scattolin.

Werden die beschriebenen Maßnahmen konsequent fortgesetzt, kann sich auch Scattolin den Erhalt des Fisches als Nahrungsmittel vorstellen. Richtige Entscheidungen im Fischereimanagement seien dabei wichtiger als Verzicht oder Einschränkung des Fischverzehrs seitens des Konsumenten. "Der wichtigste Beitrag des Einzelnen ist, beim Fischkauf auf das MSC-Gütesiegel für nachhaltige Fischerei zu achten", betont der WWF-Experte. Auf Ebene der Politik tritt mit 1.1.2010 das EU-Einfuhrverbot für Fische ohne Herkunftsbezeichnung in Kraft, was dem Problem der illegalen Fischerei, die besonders bei Tunfischen weit verbreitet ist, entgegenwirken soll. Weitere fischereipolitische Entscheidungen seien jedoch noch ausständig, so Scattolin. "Wir fischen entlang der Nahrungskette abwärts, beginnend bei den größeren Räubern wie Tunfisch und wechseln, sobald dieser ausgestorben ist, zu den nächstgrößeren. Da diese Taktik das Gleichgewicht enorm gefährdet, sind hier politische Entscheidungen wie ein Fangstopp notwendig."

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nefsc.noaa.gov

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive