Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Je reicher ein Land, desto mehr Stammzelltransplantationen

10.05.2010
Forschende der Universität Basel zeigen zusammen mit Kollegen erstmals klare Zusammenhänge zwischen der Ökonomie und der Zahl der Stammzelltransplantationen in einem Land auf: Entscheidend für eine hohe Transplantationsrate sind Reichtum und Entwicklungszustand, die staatlichen Gesundheitsausgaben und der Zugang der Bevölkerung zur Technologie. Die Resultate der Studie wurden in der medizinischen Fachzeitschrift «Journal of the American Medical Association» veröffentlicht.

Die Transplantation von blutbildenden Stammzellen des Knochenmarks ist heute eine etablierte Therapie für viele schwere Erkrankungen wie etwa Leukämie oder Lymphomen. Solche Transplantationen nehmen seit einigen Jahren weltweit sehr stark zu.

Dazu beigetragen haben wirksamere Medikamente, bessere Techniken auch für ältere Patienten und eine starke Zunahme an freiwilligen, nichtverwandten Spendern. Trotzdem bleibt diese Transplantation eine Behandlung mit beträchtlicher Mortalität und ist an aufwändige Infrastrukturen gebunden.

Nun zeigen Forschende der Universität Basel in Zusammenarbeit mit dem Institute for Operations Research and Computational Finances der Universität St. Gallen erstmals anhand internationaler Daten den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Faktoren und einer modernen, komplexen und teuren medizinischen Technologie, wie sie die Stammzelltransplantation darstellt. Untersucht und statistisch berechnet wurden über 50'400 solcher Transplantationen aus dem Jahr 2006, deren Daten von rund 1300 Teams aus 71 Ländern aus fünf Kontinenten geliefert wurden. In 57% aller Fälle waren Spender und Empfänger identisch; hier spricht man von autologer Transplantation.

Als wichtigste Kerngrössen für die Transplantationszahlen eines Landes ergaben sich die staatlichen Gesundheitsausgaben und die Dichte der Transplantationsteams in einem Land; so führten bevölkerungs- und flächenmässig kleine und ärmere Länder überhaupt keine Stammzelltransplantationen durch. Fast eine ebenso wichtige Rolle spielten das Pro-Kopf-Einkommen und der Entwicklungsstand eines Staates. Weitere Indikatoren für die Qualität eines Gesundheitswesens wie etwa Mortalitätsraten erwiesen sich dagegen als weniger aussagekräftig.

Weltweit grösste Studie
Die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie von Forschenden aus Medizin und Ökonomie weist darüber hinaus erstmals auf deutliche Unterschiede und Bedürfnisse zwischen den verschiedenen Ländern und Regionen hin: Die autologe Form der Transplantation, eine bei bestimmten Lymphomen und dem Multiplen Myelom angewandte Therapie, wird zum Beispiel vor allem in Europa und den USA eingesetzt. Nicht verwandte Spender fanden sich sehr häufig in Asien und praktisch nie in Afrika und im Mittleren Osten.

Die Resultate der Studie können erstmals detailliertere Erklärungen zum bekannten Zusammenhang zwischen Einkommen und Transplantationsraten eines Landes liefern. Noch nie war mit modernen ökonomischen Methoden und Statistiken eine solche Studie in diesem Umfang weltweit durchgeführt worden. Die Interpretation scheint eindeutig: Für die Einführung komplexer Therapien wie der Stammzelltherapie ist ein Minimum an Ressourcen notwendig, eine staatliche Unterstützung fördert sie und die Patienten benötigen Zugang zur Therapie. Die Forschenden gehen davon aus, dass diese Aussagen auch für andere komplexe und teure Technologien anwendbar sind.

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Alois Gratwohl, Universitätsspital Basel, Abteilung Hämatologie, Petersgraben 4, CH-4031 Basel, Tel. 0041 (0)61 265 42 54, E-Mail: alois.gratwohl@unibas.ch
Weitere Informationen:
http://jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/303/16/1617 - Originalbeitrag: A Gratwohl, H Baldomero, M Aljurf, M Pasquini, L Bouzas, A Yoshimi, J Szer, J Lipton, A Schwendener, M Gratwohl, K Frauendorfer, D Niederwieser, M Horowitz, Y Kodera, for the Worldwide Network of Blood and Marrow Transplantation: Hematopoietic Stem Cell Transplantation: A Global Perspective. JAMA. 2010;303(16):1617-1624

Christoph Dieffenbacher | idw
Weitere Informationen:
http://jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/303/16/1617
http://www.unibas.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive