Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Große Stadt-Land-Unterschiede bei Unternehmensgründungen – Ostdeutschland holt auf

10.05.2012
Der neue GEM-Länderbericht vergleicht Gründungen in Deutschlands Regionen / Menschen in städtischen Regionen sind gründungsfreudiger als die ländliche Bevölkerung.

In den vergangenen zwölf Jahren haben in urbanen Ballungsräumen rund fünf Prozent der Erwachsenen ein Unternehmen gegründet oder waren zum Zeitpunkt der Befragung gerade dabei, es zu tun. Unter den Menschen in ländlichen Räumen waren es nur 3,6 Prozent.

Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Im Mittelpunkt des diesjährigen Länderberichts Deutschland zum Global Entrepreneurship Monitor (GEM) stehen „Gründungen in deutschen Regionen“, also der Vergleich zwischen Regionen und Regionstypen innerhalb Deutschlands. Zusätzlich haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber auch, wie in den Vorgängerstudien des GEM-Länderberichts 2011, das Gründungsverhalten in Deutschland im Allgemeinen und im Vergleich zu anderen Ländern untersucht.

In vielen großstädtischen Regionen ist – trotz schärferen Wettbewerbs - die lokale Nachfrage nach den Produkten von Gründerinnen und Gründern größer als auf dem Land. Zudem ist der Zugang zu Arbeitskräften, Kapital und Wissen - den entscheidenden Produktionsfaktoren - im urbanen Umfeld häufig leichter. Auch das Gründungsklima ist in urbanen Zentren meist besser. Allerdings gilt dies nicht für alle Großstadtregionen, wie einige Ruhrgebietsstädte (zum Beispiel Duisburg/Essen, Bochum/Hagen) zeigen, deren Gründungsquoten beträchtlich unter jenen etwa von München, Hamburg oder Köln liegen.

Die viele Jahre sehr großen Ungleichgewichte zwischen West- und Ostdeutschland sind mittlerweise bei den Gründungsaktivitäten verschwunden: In beiden Teilen Deutschlands wurde 2011 fast gleich häufig gegründet. Mehrere Variablen der Gründungseinstellung der Bevölkerung weisen allerdings weiterhin Differenzen zuungunsten Ostdeutschlands auf: Beispielsweise meinen 27 Prozent der Westdeutschen, aber nur 17 Prozent der Ostdeutschen, dass sich in den nächsten sechs Monaten in der Region, in der sie leben, gute Gründungschancen ergeben werden, erläutern die Gründungsforscher der Leibniz Universität Hannover. Positiv ist hervorzuheben, dass im Westen sowie im Osten die Gründungsquote unter den 18- bis 64-Jährigen gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozentpunkte und damit deutlich auf 5,6% angestiegen ist.

Die Daten der Studie zeigen, dass die Unterschiede zwischen den Bundesländern zwar vorhanden, aber geringer sind als zwischen Stadt und Land. Die Bevölkerung in städtisch geprägten Bundesländern wie Hamburg und Berlin (nicht aber Bremen) ist gründungsfreudiger und hat günstigere Gründungseinstellungen als in Flächenländern. Niedersachsen liegt im Mittelfeld der 16 Bundesländer –sowohl, was die Gründungsaktivitäten als auch die Gründungseinstellungen betrifft. In Niedersachsen sehen die 18- bis 64-Jährigen beispielsweise im langjährigen Mittel deutlich bessere Gründungschancen als in jedem der fünf Bundesländer Ostdeutschlands (ohne Berlin), aber erheblich schlechtere als etwa in Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Die Ergebnisse der Studie legen nahe: Gründungsförderung von Bund, Ländern und Kommunen muss sich stärker als bisher an den regionalen Umfeldbedingungen orientieren – die sich etwa zwischen Stadt und Land, aber auch zwischen Großstadtregionen stark unterscheiden können.

Deutschland insgesamt liegt beim Anteil der Unternehmensgründungen unter den 18- bis 64-Jährigen im Mittelfeld der vergleichbaren 23 Industrieländer. Hinsichtlich der Gründungschancen sind Deutsche pessimistischer als Bürgerinnen und Bürger anderer Länder und eher risikoscheu. Die Angst vor dem Scheitern hält sie offenbar relativ häufig davon ab zu gründen. Zu den wichtigsten Gründungshemmnissen in Deutschland zählen die befragten Expertinnen und Experten die schulische und außerschulische Gründungsausbildung, die gesellschaftlichen Werte und Normen, die Regulierungen und Steuern sowie die Finanzierungsbedingungen. Dafür schneidet Deutschland bei der physischen Infrastruktur, den öffentlichen Förderprogrammen und dem Schutz geistigen Eigentums, der Wertschätzung neuer Produkte/Dienstleistungen durch Unternehmer und Konsumenten sowie die Verfügbarkeit und Qualität von Beratern und Zulieferern für neue Unternehmen vergleichsweise gut ab.

Die Studie beruht auf den Daten des Global Entrepreneurship Monitors (GEM), einem Forschungskonsortium, das jährlich und weltweit vergleichbare Daten zu unternehmerischen Aktivitäten erhebt. Prof. Rolf Sternberg leitet das GEM-Team an der Leibniz Universität. Die Studie im Internet: http://www.wigeo.uni-hannover.de/gem2011.html.

Mechtild Freiin v. Münchhausen | idw
Weitere Informationen:
http://www.wigeo.uni-hannover.de/gem2011.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie