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Gesundheit des Pflegepersonals muss bereits in der Ausbildung stärker beachtet werden

29.07.2010
Eine Studie am Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) im Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen bringt es an den Tag: Nicht nur der Pflegeberuf, sondern auch die Schulen müssen attraktiver werden. Bereits in der Pflegeausbildung muss die Gesundheitsförderung der Pflegenden mehr Aufmerksamkeit erhalten.

Gestiegene Arbeitsbelastungen, Überforderung und Burn-out bei Pflegekräften sind schon lange bekannt. Ebenso die damit verbundenen krankheitsbedingten Fehlzeiten, die hohe Fluktuationsrate und das schlechte Image des Pflegeberufs, wie jüngst eine Studie des IPP zeigen konnte.

Angesichts dieser Tendenzen und aufgrund der demografischen Entwicklung ist in naher Zukunft ein Mangel an professionellen Pflegekräften zu befürchten. Verschärfend kommt hinzu, dass auch das Durchschnittsalter der Pflegenden steigt. Abhilfe können u. a. gesundheitsfördernde Maßnahmen schaffen, deren Einsatz idealerweise bereits in der Ausbildung beginnen sollte.

Bislang ist allerdings wenig darüber bekannt gewesen, inwieweit die Gesunderhaltung der Pflegekräfte schon in der Pflegeausbildung thematisiert wird. Diese Lücke hat das Institut für Public Health und Pflegeforschung unter der Leitung von Professor Stefan Görres jetzt geschlossen. Die Studie „Bundesweite Vollerhebung zu Gesundheitsförderung und Prävention an Pflegeschulen“ liefert erstmals Ergebnisse zu den bisherigen Strategien der Ausbildungsstätten, um zukünftig Pflegende gesund zu erhalten. Darüber hinaus geben die Daten Auskunft über den aktuellen Gesundheitszustand von Auszubildenden in Pflegeberufen. Auftraggeber ist die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Hamburg. Die BGW ist die gesetzliche Unfallversicherung für nichtstaatliche Einrichtungen im Gesundheitsdienst und der Wohlfahrtspflege. Sie ist für über fünf Millionen Menschen in rund 495.000 Unternehmen zuständig. Schwerpunkte liegen in der Prävention und Rehabilitation. Im Rahmen der Studie, die von Oktober 2009 bis Juli 2010 erfolgte, wurden alle 1314 Pflegeschulen in Deutschland erfasst. Zusätzlich wurden 1119 Pflegeauszubildende zu ihrem Gesundheitsverhalten befragt.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Bereits die Hälfte der Schülerinnen und Schüler (52,6 Prozent) leidet täglich bis wenigstens einmal wöchentlich an Kreuz- bzw. Rückenschmerzen. 49 Prozent geben Nacken- oder Schulterschmerzen an. Unter Kopfschmerzen leiden 45,9 Prozent der angehenden Pflegekräfte mindestens einmal wöchentlich. Gut ein Drittel (36 Prozent) geben an, dass bei ihnen täglich bis mehrmals wöchentlich Schlafstörungen auftreten. Bei 26 Prozent kommt es zu Bauch- und Magenschmerzen. Insgesamt beurteilen ein Drittel der Auszubildenden ihren körperlichen Gesundheitszustand und ihr allgemeines Wohlbefinden als nur befriedigend bis mangelhaft.

„Klar ist, dass aus den Ergebnissen deutliche Konsequenzen gezogen werden müssen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege besteht ein deutlicher Bedarf an gesundheitsförderlichen Konzepten gerade angesichts alternder Belegschaften“, sagt Professor Stefan Görres vom IPP der Uni Bremen. Politik und Akteure des Gesundheitswesens seien zukünftig stärker als bisher gefragt, vermehrt gezielte Bemühungen zur Gesunderhaltung von Pflegenden vorzunehmen, damit auf hohe Krankenstände und eine vergleichsweise hohe Fluktuation schnell reagiert werden kann. Neu ist – das zeigen die Ergebnisse der IPP-Studie –, dass damit schon in der Ausbildung begonnen werden muss. „Nicht nur der Beruf, sondern auch die Schulen müssen deutlich attraktiver werden“ fordert Professor Stefan Görres. „Durch entsprechende Angebote zur Förderung der Gesundheit könnten sie die Anziehungskraft auf jugendliche Berufsanfänger deutlich erhöhen“.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften
Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)
Prof. Dr. Stefan Görres
Telefon: 0421 218-68900
E-Mail: sgoerres@uni-bremen.de
Dr. Martina Stöver
Telefon: 0421 218-68908
E-Mail: stoever@uni-bremen.de

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de

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