Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gehen oder Stehen? Ost-Ampelmännchen macht im Vergleich zum West-Ampelmännchen eine bessere Figur

20.06.2013
Ampeln und Zeichen helfen uns, den Weg durch den täglichen Verkehr sicherer zu meistern. Grünes Männchen – gehen, rotes Männchen – stehen, Form und Farbe teilen uns schnell das richtige Verhalten mit.

Eine Studie von Wissenschaftlern der Jacobs University untersuchte jetzt die visuelle Effektivität von Ost- und West-Ampelmännchen. Dabei kam heraus: Das Ost-Ampelmännchen überzeugt nicht nur als sympathischer Hutträger, sondern punktet auch mit seiner prägnanteren Form.


Sympathisch und visuell prägnant: Das Ost-Ampelmännchen. Foto: Jacobs University

Teilnehmende der Studie konnten anhand der Form des Ost-Ampelmännchens schneller die jeweilige Bedeutung "gehen" oder "stehen" erkennen als beim West-Ampelmännchen.

In den mehr als zwanzig Jahren seit dem Ende der deutschen Teilung ist Vieles zusammengewachsen, aber noch immer gibt es auffällige Unterschiede zwischen Ost und West – zum Beispiel bei Verkehrszeichen für Fußgänger. 1961 erfand der Verkehrspsychologe Karl Peglau das Ost-Ampelmännchen. Die Markenzeichen: Breiter Hut, große Nase und korpulenter Körperbau. Das West-Ampelmännchen dagegen kommt deutlich abstrakter daher. Effektive Verkehrszeichen sind wichtig für die Verkehrssicherheit: 3.606 Tote und 384.100 Verletzte im Straßenverkehr im Jahr 2012 zeigen, dass es hier noch Verbesserungsbedarf gibt. Aber macht die Form eines Ampelmännchens einen Unterschied im Straßenverkehr?

Die Jacobs-Wissenschaftler Claudia Peschke, Postdoctoral Fellow of Psychology/Neuroscience, Bettina Olk, Professor of Psychology und Claus C. Hilgetag, Professor of Neuroscience, sind jetzt in einer Studie zur visuellen Wirksamkeit den Unterschieden von Ost- und West-Ampelmännchen auf die Spur gegangen (Peschke et al., PLoS ONE 2013, doi: 10.1371/journal.pone.0064712).

Um herauszufinden, wie Studienteilnehmer auf die unterschiedlichen Ampelmännchen reagieren, nutzten die Wissenschaftler einen bekannten psychologischen Effekt – den sogenannten "Stroop-Effekt". Versuchspersonen reagieren typischerweise langsamer auf ein Objekt, wenn dieses verschiedene Attribute besitzt, die miteinander in Konflikt stehen, zum Beispiel wenn das geschriebene Wort "Rot" eine grüne Farbe besitzt. Dementsprechend wurden Ost- und West-Ampelmännchen in ihrer normalen, übereinstimmenden Form (grüner "Geher", roter "Steher") oder in einer nicht übereinstimmenden Version (roter "Geher", grüner "Steher") präsentiert. Die Probanden mussten entweder auf die Farbe oder die Gestalt der Zeichen reagieren und mittels Knopfdruck so schnell wie möglich die jeweilige Bedeutung "gehen" oder "stehen" signalisieren.

Das Ergebnis zeigte zum einen, dass die Versuchspersonen in der Farb-Aufgabe stärker durch die nicht übereinstimmende Gestalt der Ost-Ampelmännchen als die der West-Ampelmännchen abgelenkt waren. Zum anderen waren die Probanden weniger bei Ost-Ampelmännchen abgelenkt, wenn sie auf die Gestalt der Zeichen reagieren und deren "falsche" Farbe ignorieren sollten. Außerdem reagierten die Versuchspersonen generell schneller auf Ost- als auf West-Ampelmännchen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Gestalt der Ost-Ampelmännchen visuell prägnanter und damit in der Funktion wirksamer ist als die ihrer westdeutschen Verwandten: Seitwärts ausgestreckte Arme und der dynamische Gang des Ost-Ampelmännchens signalisieren anscheinend stärker "stehen", bzw. "gehen" als das West-Ampelmännchen.

Claudia Peschke würde sich freuen, noch mehr Ost-Ampelmännchen auf deutschen Straßen zu sehen: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Ost-Ampelmännchen nicht nur eine Ikone der "Ostalgie" sind, sondern bei der Signalwahrnehmung tatsächlich einen leichten Vorsprung gegenüber den West-Ampelmännchen haben. Unsere Studie könnte zukünftig auch für andere Situationen wertvolle Hinweise liefern. So kann die Methodik zur besseren Beurteilung von Schildern dienen, die auf Gefahrensituationen oder deren Vermeidung hindeuten, wie zum Beispiel Piktogramme für Notausgänge, oder auch, um die Effektivität des mittlerweile eingeführten Euro-Ampelmännchens zu prüfen."

Fragen zur Studie beantwortet:
Claudia Peschke | Postdoctoral Fellow of Psychology/Neuroscience
E-mail: c.peschke@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3408

Dr. Kristin Beck | idw
Weitere Informationen:
http://www.jacobs-university.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik