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Fremde sagen Gefühle besser voraus

20.03.2009
Foto und Steckbrief weniger aussagekräftig als Erfahrungen

Für die Vorhersage der Zukunft sollten sich Menschen viel eher auf die Erfahrungen anderer verlassen denn auf Detailwissen. Zu diesem Schluss kommen Psychologen der Harvard University, als sie überprüften, was Menschen zu einer möglichst richtigen Prognose eigener Gefühle in bestimmten Situationen verhilft.

"Menschen unterschätzen die enorme Aussagekraft der Erfahrung anderer Menschen. Wie glücklich andere Menschen sind, die eine in der Zukunft liegende Erfahrung schon gemacht haben, ist viel entscheidender als genaues Faktenwissen darüber", so Studienleiter Daniel Gilbert. Dass die emotionelle Wahrnehmung allein subjektiv geprägt sei, sei hingegen ein Irrglaube, so die Veröffentlichung der Studie in der Zeitschrift Science.

Die Forscher ließen in einem ersten Versuch Studentinnen einschätzen, wie unterhaltsam sie ein fünfminütiges Blitz-Rendevouz mit einem fremden Studenten erleben würden. Dazu zeigten sie einem Teil der Frauen ein Foto des Mannes mit näheren Angaben zu seiner Person wie Hobbys, Vorlieben oder Herkunft. Die anderen erhielten als Entscheidungsgrundlage bloß die Einschätzung einer anonymen Frau, die sich mit dem Mann bereits zuvor unterhalten hatte. Der Vergleich mit den Angaben nach dem Treffen zeigte, dass die Frauen, die über die Erfahrung anderer verfügten, genauere Prognosen gestellt hatten. Beide Frauengruppen hatten jedoch erwartet, dass die Kenntnis von Profil und Foto bessere Ergebnisse liefern würde und gaben selbst nach dem Experiment an, sie würden beim nächsten Date lieber auf diese Informationen vertrauen.

Ähnliche Ergebnisse lieferte ein zweites Experiment, bei dem die Probanden gefragt wurden, welche Emotionen in ihnen ein negatives persönliches Feedback durch einen Kollegen auslösen würde. Einem Teil der Gruppe zeigte man bereits vorab die komplette Niederschrift dieser Rückmeldung, andere erfuhren, wie es ihnen unbekannten Personen nach dem Feedback gegangen war. Auch hier konnte die letztere Gruppe die eigenen Emotionen nach dem Negativ-Feedback viel besser vorhersagen, ganz im Gegensatz zu den Erwartungen der Versuchsteilnehmer.

Anstatt sich mit geschlossenen Augen die Zukunft auszumalen, sollte man auf die Erfahrung anderer hören. "Willst du etwa wissen, ob dir ein Ort gefallen wird, so frage jemand anderen, wie sehr er ihm gefallen hat", so der Rat des US-Psychologen. Frühere Studien haben schon gezeigt, dass Menschen nur schwer vorhersagen können, ob sie an zukünftigen Ereignissen Gefallen finden würden. Ihr Urteilsvermögen wird durch diese Unsicherheit stark beeinträchtigt.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.harvard.edu

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