Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forsa-Umfrage im Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung: Hepatitis – das verkannte Risiko

28.07.2011
Die Leberentzündung Hepatitis zählt zu den meistverbreiteten Infektionserkrankungen weltweit – doch mehr als ein Drittel der Deutschen weiß nicht, um welche Krankheit es sich dabei überhaupt handelt.

Das ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Wissenschaftsjahres Gesundheitsforschung zum Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli. Dieser will das Thema verstärkt in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit rücken, denn insbesondere bei jungen Menschen sind die Wissenslücken groß.

Laut der World Health Organization (WHO) sind weltweit mehr als 500 Millionen Menschen von chronischer Hepatitis B oder C betroffen. Auch in Deutschland ist die Zahl der Infizierten mit rund einer Millionen Patienten groß. Trotzdem konnten 24 Prozent der Befragten kein Krankheitsbild mit Hepatitis verbinden. Nur 62 Prozent wussten auf Anhieb, dass es sich um eine Erkrankung der Leber handelt.

Das Wissen hängt stark vom Alter der Befragten ab: Den Umfrageteilnehmern über 45 Jahre war mit rund 70 Prozent überdurchschnittlich häufig bekannt, was Hepatitis ist. Bei den Jüngeren zwischen 18 und 29 Jahren wussten nur 35 Prozent, welches Organ von der Infektion betroffen ist.

„Das Problem ist, dass die Funktionen der Leber kaum bekannt sind – entsprechend gering ist die Kenntnis über Erkrankungen dieses lebenswichtigen Organs“, erklärt Professor Heiner Wedemeyer von der Medizinischen Hochschule Hannover und Mitarbeiter der Deutschen Leberstiftung. „Hinzu kommt der heimtückische Verlauf von Hepatitis: Symptome wie Müdigkeit, Fieber oder Übelkeit machen sich nur schleichend bemerkbar, oft erst Jahre nach der Infektion.“ Vorurteile, zum Beispiel dass hauptsächlich Drogen- oder Alkoholabhängige betroffen sind, verringern das Risikobewusstsein zusätzlich, so der Hepatitis-Experte. Dass die Krankheit in der Bevölkerung eine unterschätzte Gefahr ist, zeigt auch die Sorglosigkeit der Befragten: 80 Prozent erklärten, sich bislang keine Gedanken über eine Ansteckung zu machen. Bei den jüngeren Studienteilnehmern gaben sogar 85 Prozent an, noch nie Angst vor einer Hepatitis-Infektion gehabt zu haben.

Es gibt im Wesentlichen drei Infektionsquellen für Hepatitis, von denen eine allerdings hierzulande fast keine Rolle spielt: Hepatitis A wird meist über Nahrungsmittel oder Wasser übertragen. Diese Form zählt zu den häufigsten Reisekrankheiten und heilt meist ohne Komplikationen wieder aus. Hepatitis B und C dagegen können chronisch werden. Hauptquellen sind nach wie vor Blutkontakte durch beispielsweise kontaminierte Nadeln von Drogensüchtigen, aber auch der Austausch von Körperflüssigkeiten, etwa beim Geschlechtsverkehr. Die Mehrheit der Befragten kannte diese Übertragungswege nicht: Körperflüssigkeiten war nur 40 Prozent und Blut 32 Prozent der Befragten als Infektionsquelle geläufig, verunreinigtes Wasser und Essen nannten 27 Prozent.

Trotz der Wissenslücken betreibt fast jeder zweite Befragte Vorsorge: 46 Prozent der Umfrageteilnehmer sind gegen Hepatitis geimpft. Besonders hoch ist die Rate bei den 18- bis 29-Jährigen. Bei ihnen sind zwei von drei Befragten geschützt – wohl ein Ergebnis der verstärkten Präventionsarbeit in Deutschland, die speziell auf junge Menschen abzielt: Seit 1995 empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut eine generelle Schutzimpfung gegen Hepatitis B im Kindesalter. Zudem wurde 1998 die sogenannte J1-Untersuchung für 12- bis 14-Jährige eingeführt, die Haus-, Kinder- und Jugendärzte anbieten und unter anderem die Möglichkeit einschließt, Impfungen nachzuholen.

Laut der Deutschen Leberstiftung besteht nach einer Hepatitis-A-Vorsorge wahrscheinlich ein lebenslanger Schutz: Es sind keine Infektionen nach erfolgreicher Impfung bekannt. Bei Hepatitis B dagegen gibt es in fünf bis zehn Prozent der Fälle sogenannte "Impfversager". Trotzdem: Laut Ständiger Impfkommission sollten vor allem Reisende in Tropengebiete vorbeugen. Auch zwei von drei Studienteilnehmern halten eine Impfung vor einem Aufenthalt in bestimmten Ländern für notwendig.

Die meisten Befragten sind mit einer Kombination gegen Hepatitis A und B geschützt. Für Hepatitis C existiert keine Impfung, allerdings laufen derzeit mehrere Forschungsprojekte, um einen Schutz vor der Erkrankung zu ermöglichen. Die Therapieforschung macht ebenfalls Fortschritte: So gibt es beispielsweise neue virushemmende Substanzen, die eine Infektion ausheilen können. Auch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gegründete und von der Deutschen Leberstiftung getragene „Kompetenznetz Hepatitis“ treibt die Grundlagenforschung voran, um die Behandlung der Patienten zu verbessern. „Zum Beispiel wird derzeit erforscht, warum bei manchen Betroffenen die Erkrankung spontan ausheilt, damit wir Rückschlüsse auf neue Therapien erhalten“, sagt Professor Heiner Wedemeyer. „Ich hoffe, dass uns die nächsten Jahre bei der Bekämpfung von Hepatitis einen großen Schritt voranbringen.“

Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Seit 2000 dienen sie als Plattform für den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft entlang ausgewählter Themen. Im Wissenschaftsjahr 2011 – Forschung für unsere Gesundheit steht der Mensch im Mittelpunkt – und mit ihm die Individualisierte Medizin als Zukunft von Vorsorge, Diagnostik und Therapie.

Kontakt
Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2011 – Forschung für unsere Gesundheit
Katja Wallrafen | Victoria Vigener
Saarbrücker Straße 37 10405 Berlin
Tel.: +49 30 319864053 | Fax: +49 30 818777-25
redaktionsbuero@forschung-fuer-unsere-gesundheit.de

Victoria Vigener | idw
Weitere Informationen:
http://www.forschung-fuer-unsere-gesundheit.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics