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Die Flutung von ehemaligen Braunkohletagebauen nutzt der Lausitz stark - neue wissenschaftliche Studie über ökonomischen Nutzen

20.03.2009
Eine neue Studie hat den ökonomischen Wert der Seen bestimmt, die durch die Flutung der Tagebaue in der Lausitz entstehen. Die Ergebnisse zeigten, dass der künftige Nutzen aus der neuen Seenlandschaft für die Region erheblich ist und etwa zwischen zehn und 16 Millionen Euro pro Jahr liegt, schreiben Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes Water Resources Management.
Für die Studie wurden Fragebögen unter Besuchern des Seenlands und Bewohnern in der Region verteilt. Die Befragten wurden gebeten anzugeben, wie viel sie bereit sind für die Entstehung von neun nutzbaren Seen im Kerngebiet des Lausitzer Seenlandes und für Erholungsinfrastruktur wie Strände oder Wanderwege zu bezahlen. Ökonomen benutzen diese Zahlungsbereitschaftsmethode, um Präferenzen zu messen. Der Durchschnittswert der Antworten wurde anschließend mit der Anzahl der Haushalte in einem Radius von 100 Kilometern um die Seen multipliziert. In Großbritannien und den USA wird die Methode häufig angewendet, um staatliche Entscheidungen im Bereich Umwelt zu erleichtern.

93 Prozent der knapp 700 Antworten befürworteten 2005 die Schaffung eines Seengebietes zwischen dem brandenburgischen Senftenberg und dem sächsischen Hoyerswerda. Knapp die Hälfte wünschte sich eine gute Wasserqualität und nur ein Prozent sagte, dass ihnen die Versauerung in einem der Seen egal wäre.

Mit Niederschlagsmengen um 600 Millimeter pro Jahr zählt die Lausitz zu den trockensten Regionen Deutschlands. Zu DDR-Zeiten war das Gebiet zwischen Senftenberg und Hoyerswerda eines der Zentren der Stromerzeugung aus Braunkohle. In den ehemaligen Tagebauen soll bis 2018 eine Seenlandschaft entstehen. In der aktuellen Wasserzuweisungsstrategie für das Einzugsgebiet der Elbe hat das Auffüllen von ehemaligen Tagebauen mit Flusswasser aufgrund der vielen anderen Wassernutzer allerdings eine niedrige Priorität. Das ist besonders problematisch, weil ein konstantes und schnelles Füllen der Restlöcher mit Flusswasser notwendig ist, um eine Versauerung durch ansteigendes Grundwasser zu vermeiden und so eine gute Wasserqualität für Erholungszwecke zu sichern. In der Vergangenheit haben diese Bewirtschaftungsregeln dazu geführt, dass in Trockenperioden kein Wasser zur Verfügung stand und dadurch das Versauerungsrisiko stieg.

Mit der Stilllegung der Tagebaue in den 90er Jahren endete auch das Abpumpen von Grundwasser, das jahrzehntelang in die lokalen Flüsse, insbesondere die Spree, geleitet wurde. Durch das fehlende Sümpfungswasser und den Klimawandel stehen die Lausitz und viele Anrainer der Spree sowie wie der Spreewald vor einem ernsten Wassermangelproblem. Im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundforschungsprojektes GLOWA-Elbe hat eine Studie nun den ökonomischen Nutzen von guter Wasserqualität im neuen Seengebiet bestimmt, um die Verteilung des Wassers unter den Wassernutzern im Elbeeinzugsgebiet neu zu überdenken. Anstatt potenzielle zukünftige Profite und Arbeitsplätze im Lausitzer Seenland zu berechnen, liegt der Fokus dieser Studie auf der Quantifizierung von Nutzen, die nicht über den Markt erfasst werden, wie zum Beispiel der persönliche Nutzen, der durch Baden oder Radfahren am See entsteht. Obwohl diese Nutzen auf individuellen Präferenzen beruhen und nur über Befragungen zu ermitteln sind, machen sie einen großen Teil des ökonomischen Wertes eines Erholungssees aus. "Unserer Studie zufolge gibt es eine starke Unterstützung für das Schaffen eines Seengebietes. Der künftige Nutzen für ein Gebiet mit neun sauberen Seen wird auf zehn bis 16 Millionen Euro pro Jahr beziffert", erklärt die Umweltökonomin Dr. Nele Lienhoop vom UFZ. Durch die Bewertung des ökonomischen Nutzens als Erholungsgebiet sei es möglich, diese künftige Nutzungsvariante mit klassischen Nutzungen zu vergleichen und so eine bessere Wasserzuweisungsstrategie zu erstellen.

Zurzeit erprobt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) eine neue Technologie zur Verbesserung der Wasserqualität. Ab dem 20. März 2009 erfolgt im Auftrag der LMBV der Beginn der "Inlake-Neutralisation mit mobilen Wasserbehandlungsanlagen im Speicherbecken Burghammer". Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten soll auch der Einsatz von Sanierungsschiffen erfolgen. Dazu werden zwei Behandlungsschiffe auf LKW antransportiert und zu Wasser gelassen. Nach einer erfolgreichen Tests am Haselbacher See in Thüringen und einem Probelauf in der Lausitz beginnt damit eine Gütebehandlungs-Offensive der noch zum Teil saueren Bergbaufolgeseen in der Lausitz.

Der UN-Weltwassertag findet seit 1993 jedes Jahr am 22. März statt. 2009 stehen unter dem Motto "geteiltes Wasser - geteilte Möglichkeiten" grenzüberschreitende Gewässer im Mittelpunkt. Weltweit gibt es 263 internationalen Fluss- und Seengebiete, die nationale Grenzen überschreiten und knapp die Hälfte der weltweiten Landfläche ausmachen

Tilo Arnhold

Publikationen:
Lienhoop, N., Messner, F. (2009):
The economic value of allocating water to post-mining lakes in East Germany
Water Resour.Manag. 23 (5), 965-980
http://dx.doi.org/10.1007/s11269-008-9309-x
Weitere fachliche Informationen:
Dr. Nele Lienhoop, Dr. Frank Messner
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1697, - 1226
http://www.ufz.de/index.php?de=5211
http://www.ufz.de/index.php?de=1654
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de
sowie
Dr. Uwe Steinhuber
LMBV-Pressesprecher
Telefon: 03573-84-4302
Weiterführende Links:
BMBF-Projekt GLOWA-Elbe:
http://www.glowa-elbe.de/
Lausitzer Seenland:
http://www.lausitzerseenland.de/
http://www.lausitzerseenland.de/images/LAUSITZERSEENLAND.pdf
Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV):
http://www.lmbv.de/
Internationaler Weltwassertag der Vereinten Nationen:
http://www.unwater.org/worldwaterday/
UN-Dekade "Water for Life":
http://www.un.org/waterforlifedecade/
Internationale Wasserforschungsallianz Sachsen (IWAS): Management von Wasserressourcen in hydrologisch sensitiven Weltregionen:
http://www.iwas-sachsen.ufz.de/
Projekt Wasser 2050:
http://www.wasser2050.de/
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Tilo Arnhold | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=640

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